Die beiden waren schon wenige Stunden nach dem Brand in der Silvesternacht (zunächst) als Zeugen vernommen worden. Der französische private TV-Sender BFMTV hat nun darüber berichtet, was das Ehepaar in seiner ersten Vernehmung ausgesagt haben soll. <h3>„Ich habe sofort geschrien: ,Alle raus!'“</h3>Demnach habe der Silvesterabend ruhig begonnen. „Um Mitternacht war noch sehr wenig los“, beginnt Jessica laut BFMTV ihre Aussage. Lediglich an die hundert Menschen hätten sich im Lokal befunden. <BR /><BR />Später habe sich die Bar aber noch gut gefüllt, bis es zu dem entscheidenden Moment gekommen sei und die Kellner die Flaschen mit den Wunderkerzen zu de Tischen gebracht hätten: „Plötzlich habe ich eine Bewegung in der Menge gespürt. Ich sah orangefarbene Flammen in einer Ecke der Bar“, erzählt Jessica Moretti. „Ich habe sofort geschrien: ,Alle raus!'“<BR /><BR />Wie berichtet, gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass es die Wunderkerzen waren, durch die der Akustikschaumstoff an der Decke der Bar Feuer gefangen und den Brand verursacht habe. <BR /><BR />„Ich bin über den Haupteingang hinausgegangen, über die Treppe, um dem Sicherheitsmitarbeiter zu sagen, dass er alle rausbringen soll. Draußen habe ich den Notruf 118 gewählt. Es war 1.28 Uhr“, berichtet Jessica Moretti laut BFMTV. <BR /><BR />Danach ruft sie ihren Mann an, der sich zu dem Zeitpunkt in einem anderen Lokal der Familie, dem „Senso“, befindet. „Ich habe ihm gesagt: ,Im Constel brennt es, komm sofort.' Ich war völlig panisch.“<h3>Die verschlossene Tür </h3>Jacques Moretti trifft dem Bericht zufolge wenige Minuten später ein. Er habe versucht, durch die vordere Veranda ins Gebäude zu gelangen, das sei aber wegen des starken Rauches „unmöglich“ gewesen. <BR /><BR />Gemeinsam mit zwei weiteren Personen sei er um das Gebäude herum zur Servicetür gerannt, die „geschlossen und von innen mit einem Riegel verriegelt“ gewesen sei – anders als sonst, wie er betont. Es handelt sich um einen anderen Ausgang als den Notausgang im Untergeschoss. „Wir haben sie aufgebrochen, nach ein paar Sekunden gab sie nach“, sagt er. <BR /><BR />Hinter der Tür habe er mehrere Menschen reglos am Boden gefunden, darunter auch seine Kellnerin Cyane Panine (24). Er habe sie nach draußen gebracht und eine Stunde lang versucht, sie wiederzubeleben – ohne Erfolg.<BR /><BR />Eine Stunde später überredet Jaques Moretti seine Frau, zu ihren beiden kleinen Kindern nach Hause zu gehen: „Ich habe ihr gesagt, sie solle nicht bleiben und sich diese Tragödie ansehen. Ich wollte sie schützen.“<h3>Moretti hat Schaumstoff selbst angebracht</h3>Bereits bei dieser ersten Vernehmung nehmen die Ermittler die Sicherheitsvorkehrungen des Lokals unter die Lupe. Jaques Moretti hatte die Bar 2015 übernommen. Wie er sagte, habe er sie „von A bis Z renoviert“. Den schalldämpfenden Schaumstoff an der Decke hat er laut seiner Aussage selbst in einem Baumarkt gekauft und montiert. <BR /><BR />Moretti versicherte auch, dass es einen Haupteingang und einen Notausgang im hinteren Bereich gegeben habe, beide seien entsprechend gekennzeichnet gewesen. „Der Brandschutzdienst hat in zehn Jahren zwei oder drei Kontrollen durchgeführt“, ohne jemals „Umbauten oder Änderungen“ zu verlangen, so Moretti. Es habe Feuerlöscher gegeben, jedoch keine automatische Sprinkleranlage.<BR /><BR />Der Barbetreiber räumte auch ein, dass die Mitarbeiter nicht für ein korrektes Verhalten im Brandfall geschult gewesen seien. <h3>„Bislang nie Probleme mit Wunderkerzen“</h3>Die Ermittler haben das Paar auch zu den Wunderkerzen befragt, die letztlich Auslöser der Katastrophe waren, als Funken die Schaumstoffdecke entzündeten. Es habe sich um eine übliche Praxis gehandelt, etwa bei Geburtstagen, bis dahin ohne Zwischenfälle. Die Kerzen hätten 30 bis 40 Sekunden gebrannt – die Strecke von der Bar zum Tisch. <BR /><BR />„Wir haben die Gäste die Wunderkerzen nie selbst anfassen lassen. Sobald sie ausgehen, nehmen wir sie und legen sie in ein Glas Wasser“, zitiert BFMTV Jessica Moretti. Auch sei es häufiger vorgekommen, dass eine Kellnerin auf die Schultern eines Kollegen gestiegen sei und die Flasche mit der Sprühkerze geschwenkt habe. „Das war nicht systematisch. Ich habe es ihnen nie verboten, aber auch nie angeordnet“, berichtete die Barbetreiberin. <h3>„Die Tragödie meines Lebens“</h3>Vor den Ermittlern erklärten Jacques und Jessica Moretti zudem, dass Personen unter 16 Jahren grundsätzlich keinen Zutritt hätten und Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen eingelassen würden. Womöglich seien an dem Abend, als zahlreiche Minderjährige im Lokal waren und Opfer des Brandes wurden, gefälschte Ausweise im Spiel gewesen, mutmaßte Jaques Moretti. <BR /><BR />„Ich bin am Boden zerstört“, habe er in der Vernehmung gesagt. Er fühle sich „verantwortlich, weil ich die Opfer nicht schützen konnte. Das ist die Tragödie meines Lebens“. <BR /><BR />Bei dem Feuer in der Bar „Le Constellation“ waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen und 114 Menschen teils schwer verletzt worden. Gegen das französische Betreiber-Ehepaar wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt. Jaques Moretti befindet sich derzeit in U-Haft, Jessica Moretti im Hausarrest. Die Ermittlungen dauern an.