Montag, 03. August 2020

Bremsklotz digitale Patientenakte

Über 5 Millionen Rezepte für Medikamente und Facharztvisiten wurden allein im Vorjahr in Südtirol ausgestellt. Weit über die Hälfte davon digital. Dennoch müssen die allermeisten Patienten in der Apotheke noch immer das Rezept in Papierform vorweisen, weil sie nicht über ihre elektronische Patientenakte verfügen. Das soll sich ändern, verspricht Gesundheitslandesrat Thomas Widmann.

In Sachen Rezepte für Medikamente und Facharztvisiten soll es Erleichterungen geben.
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In Sachen Rezepte für Medikamente und Facharztvisiten soll es Erleichterungen geben. - Foto: © shutterstock
Eigentlich sollten die roten Rezeptblöcke aus Südtirols Arztpraxen verschwunden sein, Rezepte für Medikamente und Facharztvisiten nur mehr digital ausgestellt werden. Wie aus der Beantwortung einer Landtagsanfrage von Paul Köllensperger (Team K) hervorgeht, verwenden aber noch immer nicht alle Ärzte im Land die Tastatur statt des Kugelschreibers. 3 Prozent der Ärzte verwenden noch immer eine Software, die keinen direkten Zugang zur einheitlichen Vormerkstelle des Landes hat und somit auch nicht die Ausstellung eines digitalen Rezeptes ermöglicht, schreibt Gesundheitslandesrat Thomas Widmann in seiner Antwort.

Wie die von ihm vorgelegten Zahlen belegen, hat Südtirol in den vergangenen Jahren in Sachen digitale Rezepte allerdings kräftig umgestellt. Wurden 2015 noch alle knapp 3 Millionen Rezepte für Medikamente in Papierform ausgestellt, so waren es im Vorjahr bei insgesamt über 2,8 Millionen Rezepten fast 2,2 Millionen in digitaler Form. Nur mehr 640.719 Mal griffen Ärzte zum roten Rezeptblock (siehe Grafik).

Anders hingegen ist die Situation bei den Rezepten für Facharztvisiten. Dort wurden im Vorjahr über 1,3 Millionen der über 2,2 Millionen Rezepte in Papierform ausgestellt. Mit ein Grund dafür sei, dass Rom gewisse Verschreibungen gar nicht auf digitalem Wege erlaube, erklärt Widmann.

Ausdruck des digitalen Rezeptes weiterhin nötig

Der größte Wermutstropfen bei der Umstellung von Papier auf digital: Trotz deutlicher Zunahme an digitalen Rezepten braucht der Patient in der Apotheke nach wie vor einen Ausdruck des digitalen Rezeptes, um sein Medikament beziehen zu können. Um ganz aufs Papier verzichten zu können, brauchen Patienten in der Apotheke nämlich den Zugang zu ihrer elektronischen Patientenakte über die digitale Identität SPID. „Und während beinahe 97 Prozent der Trentiner bereits einen solchen Zugang zu ihrer elektronischen Patientenakte haben, sind es in Südtirol gerade mal 4 Prozent“, kennt Widmann das Problem. Allein schon die Erstellung der digitalen Identität sei „zu kompliziert und zeitaufwendig“ bemängelt er. Und genau das sei der Knackpunkt bei der Vermeidung von Papier.

Das will der Gesundheitslandesrat nun ändern. „Wir sind dabei, etwas Einfacheres auszuarbeiten, um den ganzen Vorgang zu vereinfachen“, sagt er. Ihm schwebt eine mögliche Lösung mit den Patronaten vor, die den Südtirolern gegen einen Unkostenbeitrag bei der Erstellung der digitalen Identität behilflich sein könnten. Bereits an einer Umstellung auf digital gearbeitet wird derzeit auch für die sogenannten grünen Rezepte, die unter anderem für Krankentransporte und Diätprodukte nötig sind.

Ganz verschwinden werden die Rezepte in Papierform dann aber doch nicht. „Für gewisse Medikamenten-Klassen – jene, die zur Gänze vom Patienten bezahlt werden müssen – ist vom Staat eine Umstellung auf digitale Rezepte nämlich gar nicht vorgesehen“, so Widmann.

em