<BR />Dass der Brennerkorridor aus allen Nähten platzt, ist längst bekannt: 2,4 Millionen Lkw passierten den Brennerpass im Jahr 2025. In den kommenden Jahren dürfte der Güterverkehr weiter zunehmen, prognostizierte Thomas Baumgartner, Brenner-Delegierter des italienischen Transportverbandes ANITA. <BR /><BR />Der Grund: Der Güterverkehr wächst in der Regel schneller als das Bruttosozialprodukt. Steigt das Bruttosozialprodukt um ein Prozent, legt der Warenverkehr um rund drei Prozent zu. Ein Blick auf die vergangenen 40 Jahre zeigt: Im Schnitt ist der Lkw-Verkehr entlang der Brennerachse pro Jahr um zwei bis drei Prozent gestiegen. <BR /><BR />Geht man von einem ähnlichen Zuwachs in den kommenden Jahren aus, ergibt sich laut Baumgartner folgende Rechnung: „Bis zum Jahr 2035 müsste die Kapazität auf der Schiene um 200 Prozent steigen, damit der Güterverkehr am Brennerpass auf heutigem Niveau bleibt“, erklärte er. Selbst mit der Inbetriebnahme des BBT bleibe dies eine große Herausforderung. <BR /><BR />Während Lkw rund 40 Millionen Tonnen Güter pro Jahr über den Brenner karren, sind es derzeit auf der Schiene nur rund 15 Millionen Tonnen. Bis 2035 müsste diese Menge also bei 45 Millionen Tonnen liegen. „Die Straße wird in Zukunft also genauso gebraucht wie die Schiene“, unterstrich Baumgartner abschließend. <h3> Bislang wenig Interesse bei Unternehmern</h3>Ähnlicher Meinung war Markus Kofler vom Südtiroler Unternehmerverband. Trotzdem sieht er in der Schiene großes Potenzial. „Für Unternehmer ist nicht Straße oder Schiene entscheidend, sondern das bessere Angebot“, sagte Kofler. Was die Unternehmer derzeit noch vom Transport auf der Schiene abschreckt: In Teilen sei er zu teuer, zu unverlässlich und zu wenig flexibel. Kofler betonte zudem, dass die Verlagerung auf die Schiene vor allem für große Unternehmen interessant ist. „Kleine Betriebe werden auch in Zukunft auf den Lkw-Transit angewiesen sein.“<BR /><BR />Die Verlagerung auf die Schiene biete auch für den Personenverkehr großes Potenzial, meinte Michael Andergassen, Sonderbeauftragter für Landesmobilitätsplanung und Verkehrssteuerung. Immerhin fuhren vergangenes Jahr 10,85 Millionen Pkw über den Brenner. Im BBT wird ein Mix aus Personen- und Güterverkehr stattfinden. „Es wurden bereits Studien durchgeführt, wie Personen und Güter am besten aufgeteilt werden“, sagte Andergassen. <BR /><BR />Um die Brennerautobahn zu entlasten, setzt das Land vor allem darauf, Touristen zu einer Anreise mit dem Zug anzuregen – und nach der Ankunft am Urlaubsort auch zur Nutzung der Öffis. Dafür sollen die Fernverkehrsverbindungen weiter ausgebaut werden. Auf dem Plan für 2029 steht etwa eine Verbindung zwischen Neapel und Berlin.<BR /><BR />Zur Fachtagung „Von der Straße auf die Schiene“ eingeladen hatten die Bozner Handelskammer und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz.<h3> Das entgegnet der Leiter der BBT-Beobachtungsstelle</h3><b>Der BBT soll nicht imstande sein, die Situation der Transit-Belastung zu entschärfen?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Martin Ausserdorfer: Das sehe ich anders. Wir können nicht von einem unendlichen Verkehrs- und Wirtschaftswachstum ausgehen. In vielen Ländern hat sich gezeigt, dass die Schiene die Überhand nimmt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das wird auch bei uns so sein, darauf arbeiten wir hin. <BR /><BR /><b>Wie stehen Sie zur Kritik der Unternehmer?</b><BR />Ausserdorfer: Aus jetziger Sicht haben sie recht: Noch ist die Schiene nicht „fit“ genug. Doch mit dem BBT wird sie wettbewerbs- und zukunftsfähig. Züge werden länger, es braucht keinen Lokwechsel am Brenner, das Eisenbahnsystem ist einheitlich und zuverlässig – um einige Vorteile zu nennen. <BR /><BR /><b>Zeigt sich der Effekt, auch wenn die Zulaufstrecken noch nicht fertig sind?</b><BR />Ausserdorfer: Ja, schon mit der Inbetriebnahme des BBT im Jahr 2032.