Samstag, 07. Juli 2018

Brief aus der Horror-Höhle

Die seit zwei Wochen in einer thailändischen Höhle festsitzenden Jugendlichen haben sich in einem bewegenden Brief an ihre mitbangenden Familien gewandt. „Macht euch keine Sorgen, wir sind alle stark” - so steht es auf einem handbeschriebenen Zettel, den ein Rettungstaucher den seit Tagen vor dem Höhleneingang campierenden Angehörigen übermittelte.

”Wenn wir hier rauskommen, wollen wir viele Sachen essen. Wir wollen nach Hause, so schnell wie möglich.”, steht auf dem Brief der Jugendlichen an ihre Familien.
”Wenn wir hier rauskommen, wollen wir viele Sachen essen. Wir wollen nach Hause, so schnell wie möglich.”, steht auf dem Brief der Jugendlichen an ihre Familien. - Foto: © APA/AFP

”Wenn wir hier rauskommen, wollen wir viele Sachen essen. Wir wollen nach Hause, so schnell wie möglich.” Die mit blauer Tinte auf Notizblockpapier verfasste Botschaft wurde am Samstag auf der Facebook-Seite der thailändischen Spezialeinheit Navy Seals veröffentlicht.

Darin schien jeder der zwölf Buben im Alter zwischen 11 und 16 Jahren persönliche Worte an seine Familie und Freunde im Freien zu richten. „Ich will gebratenes Schweinefleisch essen”, schrieb einer der Jugendfußballer, die zusammen mit ihrem 25 Jahre alten Trainer große körperliche und psychische Strapazen erdulden müssen.

Der Trainer bat die Angehörigen seiner Schützlinge in dem Brief um Verzeihung, bedankte sich für ihre Unterstützung und versprach ihnen, sich bestmöglich um die Jungs zu kümmern. „Derzeit geht es ihnen allen gut”, versicherte Ekkapol Chantawong.

Rückweg durch Wassermassen versperrt

Die Gruppe hatte nach einem Training am 23. Juni die viertgrößte Höhle Thailands in der nördlichen Provinz Chiang Rai besucht, war dann aber wohl von einer Sturzflut überrascht worden und rettete sich vor den Wassermassen immer tiefer ins Innere.

Die Kammer, in der sie am Montag von britischen Rettungstauchern gefunden wurden, liegt rund vier Kilometer vom Eingang der Höhle entfernt, die sich insgesamt über rund zehn Kilometer erstreckt. Der Rückweg ist den Jugendlichen aufgrund des überfluteten Höhlentrakts versperrt.

Bohrung von Rettungsschächten ist kompliziert

Das Drama um die Jugendgruppe erinnert an das Schicksal der 2010 in einer chilenischen Mine verschütteten Bergleute. Die 33 Kumpel mussten damals 69 Tage lang in einem Schutzraum in 700 Metern Tiefe ausharren. Letztlich wurden sie in einer spektakulären Rettungsaktion durch einen aufwendig gebohrten Rettungsschacht mit einer Zugkapsel an die Erdoberfläche geholt.

Auch zur Rettung der zwölf thailändischen Jugendfußballer und ihres Trainers wäre die Bohrung eines rund 600 Meter langen Rettungsschachts in die Höhle denkbar, wo sie seit zwei Wochen ausharren. Allerdings ist diese Option aus Sicht des Geowissenschaftlers und Ingenieurs Suttisak Soralump von der Kasetsart-Universität in Bangkok ziemlich unrealistisch.

Eine Bohrung zur Höhlenkammer der Jungs sei viel komplizierter als beim Minenunglück in Chiles Atacama-Wüste, sagte Suttisak dem thailändischen Nachrichtenportal „The Nation”. Anders als das Bergwerk sei die Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non im Norden Thailands ein natürlicher Hohlraum. Daher gebe es für Ingenieure nicht genügend geologische Daten.

Wenig erforschte Höhle

Im Fall der chilenischen Mine sei der Untergrund hingegen vollständig vermessen und die Bohrung somit weitgehend frei von Überraschungen gewesen. Die Rettungskräfte konnten damals einen umfänglichen Datenschatz für ihre Zwecke nutzen.

Die Höhle in Thailands Grenzregion Chiang Rai ist hingegen wegen ihrer schwer zugänglichen Lage wenig erforscht und wird vor allem von Einheimischen aufgesucht. Mit einer Ausdehnung von etwa zehn Kilometern zählt sie zu den längsten Höhlen des Landes.

apa/ag.

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stol