Der erfahrene Mediziner verrät auch, was einen Urlaub tatsächlich erholsam macht. Viel braucht es dazu tatsächlich nicht!<BR /><BR /><b>Die Urlaubszeit beginnt, viele zieht es ans Meer. Bringen Sonne, Strand und Wellen tatsächlich mehr Erholung? Oder geht es auch anderswo?</b><BR /><BR />Dr. Christian Wenter: Man kann davon ausgehen, dass Urlaub am Meer wohltuend ist und für viele Menschen tatsächlich gesundheitsfördernde Effekte hat. Am Meer hält man sich meist viel im Freien auf und bewegt sich oft ganz automatisch mehr als im Alltag – man geht am Strand spazieren, schwimmt oder verbringt allgemein mehr Zeit in Bewegung. Schon eine moderate Steigerung der täglichen Aktivität kann die Stimmung verbessern sowie Blutdruck und Stoffwechsel positiv beeinflussen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1320744_image" /></div> <BR /><BR /><b>Mehr bewegen können wir uns in der Urlaubszeit auch daheim. Die oft lange Fahrt an einen Strand könnten wir uns also durchaus sparen?</b><BR /><BR />Dr. Wenter: Naturumgebungen im Allgemeinen, insbesondere aber Wasserlandschaften, senken nachweislich Stressmarker und mentale Erschöpfung. Das Nervensystem kommt zur Ruhe, viele Menschen fühlen sich ausgeglichener und entspannter. Zahlreiche Studien zeigen zudem, dass Menschen an Küsten häufiger von besserer Stimmung und geringerer Stressbelastung berichten. Dabei könnten die gleichmäßigen Geräusche der Wellen, der offene Horizont und das intensive Tageslicht eine entscheidende Rolle spielen. Mehr Zeit im Freien und stärkere Sonnenlichteinwirkung tragen außerdem zu einem stabileren Schlaf-Wach-Rhythmus und häufig zu einer besseren Schlafqualität bei. <BR /><BR /><b>Sehr oft wird mit der salzhaltigen Luft am Meer geworben. Ist sie wirklich gesund oder ist das gutes Marketing?</b><BR /><BR />Dr. Wenter: Es ist plausibel, dass die feuchte Luft am Meer die Atemwege angenehmer macht und wie ein salzhaltiges Aerosol das Lösen von Schleim unterstützen kann. Menschen mit Hautproblemen – etwa milden Ekzemen – können von Meerwasser und Sonne profitieren. Das Meer ist jedoch keine Wundertherapie. Viele Versprechen rund um „heilende Meeresaufenthalte“ oder „Entgiftung“ sind wissenschaftlich nur schwach belegt; im Marketing wird hier oft übertrieben. <BR /><BR /><b>Die Luft macht es also nicht.</b><BR /><BR />Dr. Wenter: Nein, wahrscheinlich wirkt die Meeresluft nicht „magisch heilend“. Die positiven Effekte eines Aufenthalts am Meer entstehen vielmehr indirekt – durch das Zusammenspiel von Umgebung, Verhalten und psychologischer Erholung. Das Meer bietet einen idealen Rahmen für gesundheitsfördernde Gewohnheiten, ist aber keine medizinische Behandlung an sich. <BR /><BR /><b>Meer muss nicht sein. Wie lautet Ihre Formel für einen erholsamen Urlaub?</b><BR /><BR />Dr. Wenter: Entscheidend sind im Grunde die Begleitumstände: mehr Zeit in der Natur, mehr Bewegung, besserer Schlaf, gesünderes Essen, weniger Arbeit, weniger Bildschirmzeit, mehr soziale Kontakte sowie mentale Distanz zum Alltag. Ähnliche Erholungseffekte können daher auch ruhige Aufenthalte in den Bergen, an Seen oder generell in naturnaher Umgebung haben. <BR /><BR /><b>Als Facharzt für Geriatrie: Was gilt für ältere Menschen?</b><BR /><BR />Dr. Wenter: Urlaub am Meer kann für ältere Menschen grundsätzlich sehr gesund sein – vorausgesetzt, einige wichtige Punkte werden beachtet. Gerade sie können profitieren, etwa bei Bluthochdruck, leichter Herz-Kreislauf-Schwäche, Schlafproblemen, milden Atemwegserkrankungen wie Asthma sowie bei Gelenkbeschwerden. Aber es gibt auch Risiken, vor allem bei Hitze: Dehydrierung, Kreislaufprobleme, Sonnenbrand, Überanstrengung beim Schwimmen, stärkere Belastung bei hoher Luftfeuchtigkeit. Ältere Menschen sollten am Meer auf jeden Fall die Mittagshitze vermeiden, immer genug trinken, Sonnenschutz verwenden, es grundsätzlich langsam angehen lassen und sich langsam an Klima und Aktivität gewöhnen. Gerade bei Herz- oder Lungenerkrankungen sollten sich ältere Menschen vor Reiseantritt vom Hausarzt beraten lassen.