Montag, 09. Juli 2018

Britin stirbt nach Nowitschok-Vergiftung – Druck auf Ermittler steigt

Eine Frau aus Großbritannien stirbt, nachdem sie mit dem Nervengift Nowitschok in Berührung gekommen ist. Gibt es einen Zusammenhang zum Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal? Der Fall rückt nun wieder ins Rampenlicht.

Die am Sonntagabend gestorbene 44-jährige Britin und ihr 45-jähriger Lebensgefährte waren Ende Juni mit Vergiftungserscheinungen ins Salisbury District Hospital eingeliefert worden.
Die am Sonntagabend gestorbene 44-jährige Britin und ihr 45-jähriger Lebensgefährte waren Ende Juni mit Vergiftungserscheinungen ins Salisbury District Hospital eingeliefert worden. - Foto: © APA/AFP

Nach dem Tod der mit dem Kampfstoff Nowitschok in Berührung gekommenen Britin Dawn Sturgess wächst der Druck auf die Ermittler im Fall Skripal. Sie müssen nun herausfinden, ob es zwischen den beiden Fällen Verbindungen gibt. Denn der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) waren als Opfer eines Anschlags ebenfalls mit dem Nervengift in Kontakt gekommen. London hatte Moskau dafür verantwortlich gemacht. Russland stritt das vehement ab. Der Tod der Frau könnte das Verhältnis der beiden Staaten weiter zerrütten.

Ehepaar kam mit kontaminierten Behälter in Kontakt

Die am Sonntagabend gestorbene 44-jährige Britin und ihr 45-jähriger Lebensgefährte waren Ende Juni mit Vergiftungserscheinungen ins Salisbury District Hospital eingeliefert worden. (STOL hat berichtet) Der Polizei zufolge haben die beiden einen kontaminierten Gegenstand angefasst. Um was es sich dabei gehandelt hat, war aber zunächst unklar. Die beiden lebten nur rund 13 Kilometer von Salisbury entfernt. Dort wurden im März Sergej Skripal und seine Tochter Julia Opfer eines Anschlags mit Nowitschok. Die Frau hinterlässt drei Kinder. Der Mann ist weiter in einem kritischen Zustand, wie ein Polizeisprecher sagte.

Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich betroffen. „Ich bin entsetzt und geschockt“, sagte sie einer Mitteilung zufolge.
Die Ermittler gehen davon aus, dass das Paar aus Amesbury versehentlich mit dem tödlichen Nervengift in Berührung gekommen war. Die beiden könnte demnach etwa ein Fläschchen oder eine Injektionsspritze mit Resten des Gifts gefunden haben, das beim Attentat auf die Skripals verwendet wurde. Britische Medien berichteten, dass beide Drogenkonsumenten gewesen seien.

Polizei sperrte Areale ab

Die Polizei sperrte sechs Areale in Amesbury und im 13 Kilometer entfernten Salisbury ab, in denen sich das Paar kurz vor den ersten Symptomen aufhielt. Dazu zählen eine Apotheke, eine Kirche und das Wohnhaus des 45-Jährigen. Das Hostel, in dem seine Freundin lebte, wurde evakuiert.
Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren vor vier Monaten bewusstlos auf einer Parkbank im benachbarten Salisbury entdeckt worden. Sie entkamen nur knapp dem Tod und leben inzwischen an einem geheimen Ort. Sie wurden ebenfalls im Salisbury District Hospital behandelt.

London bezichtigte Moskau, Drahtzieher des Anschlags gewesen zu sein. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später wurde damit aber auch in anderen Ländern experimentiert. Der Kreml streitet die Vorwürfe vehement ab. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Mehr als zwei Dutzend Länder wiesen russische Diplomaten aus. Russland reagierte ebenfalls mit Ausweisungen.

Infolge des Falls Skripals hatten das Königshaus und britische Politiker beschlossen, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht zu besuchen. Nun strebt England ausgerechnet in Moskau den größten Erfolg seit der Heim-WM 1966 an, als man Weltmeister wurde. Am Mittwoch steht in der russischen Hauptstadt das Halbfinale gegen Kroatien an.

dpa

stol