Mittwoch, 11. November 2020

Brückeneinsturz von Genua: Polizei setzt Ex-Manager fest

Mehr als 2 Jahre nach dem tödlichen Brückeneinsturz in der italienischen Stadt Genua ist die Polizei gegen 6 ehemalige und aktuelle Manager des Autobahnbetreibers vorgegangen. 3 Personen seien unter Hausarrest gestellt worden, teilte die Finanzpolizei in der Hafenstadt in der Region Ligurien am Mittwoch mit.

Genua: Die Morandi-Autobahnbrücke ist am 14. August 2018 zusammengebrochen, zahlreiche Menschen waren von dem Unglück betroffen.
Genua: Die Morandi-Autobahnbrücke ist am 14. August 2018 zusammengebrochen, zahlreiche Menschen waren von dem Unglück betroffen. - Foto: © SID / PIERO CRUCIATTI
In 3 Fällen seien andere juristische Einschränkungen verhängt worden, wozu etwa Tätigkeitsverbote gehören können. Die Ermittlungen seien ein Seitenstrang der Hauptuntersuchung zum Einsturz, hieß es.

Betroffen seien 3 Ex-Top-Manager des privaten Betreibers und 3 aktuelle Führungskräfte des Unternehmens Autostrade per l“Italia. Die Ermittler erläuterten, es bestehe der Verdacht des Angriffs auf die Verkehrssicherheit und des möglichen Betrugs. Konkret gehe es um Schallschutz-Elemente. Sie hätten aus Sicherheitsgründen ersetzt werden müssen, das sei verzögert worden.

Die Untersuchung sei durch Akten ins Rollen gekommen, die nach dem Brückeneinsturz geprüft wurden, schrieb die Polizei. Zeitungen berichteten, der betroffene Schallschutz stehe an vielen Autobahnen Italiens.

Morandi-Autobahnbrücke zusammengebrochen

Am 14. August 2018 brach in der Hafenstadt Genua die Morandi-Autobahnbrücke zusammen. Autos und Lastwagen stürzten in die Tiefe. 43 Menschen starben. Hunderte, die unter der Hochbrücke wohnten, wurden obdachlos. Die Reste des Bauwerks wurden abgerissen.

Im August 2020 ist der Neubau unter dem Namen Brücke San Giorgio eingeweiht worden. Eine Sprecherin der vom Unglück betroffenen Familien, Egle Possetti, stufte das Vorgehen der Polizei als „wichtiges Signal“ ein, auch wenn es nicht die Hauptermittlung sei.

Die Staatsanwaltschaft in Genua ermittelt nach eigenen Angaben seit längerem gegen mehr als 70 Menschen, teils Beschäftigte des Autobahnbetreibers, aber auch gegen andere womöglich Verantwortliche. Es besteht der Verdacht, dass es an der Brücke Wartungsmängel und andere Schwächen gab.

Die Regierung in Rom ist dabei, die Besitzverhältnisse bei dem Unternehmen Autostrade per l“Italia zu verändern und es unter staatliche Kontrolle zu stellen.

dpa