Sonntag, 10. April 2016

Brüsseler Attentäter wollten erneut Frankreich treffen

Die Brüsseler Jihadisten-Zelle wollte nach Angaben belgischer Ermittler ursprünglich ein weiteres Mal in Frankreich zuschlagen und nicht in Brüssel.

Die Bilder sind noch überall: Am 13. November haben islamistische Terroristen 130 Menschen in Paris getötet. Wie nun bekannt wurde, hatten auch die Brüsseler Attentäter erst wieder Frankreich im Visier.
Die Bilder sind noch überall: Am 13. November haben islamistische Terroristen 130 Menschen in Paris getötet. Wie nun bekannt wurde, hatten auch die Brüsseler Attentäter erst wieder Frankreich im Visier. - Foto: © LaPresse

Das gab die Staatsanwaltschaft in Brüssel am Sonntag bekannt. Allerdings habe ihnen dafür die Zeit gefehlt, weil ihnen die Ermittler zunehmend auf die Spur kamen.

Extremisten aus dem Brüsseler Problemviertel Molenbeek gehörten zu den Attentätern der Paris-Anschläge mit 130 Toten am 13. November, am März 22. verübte die Zelle dann Selbstmordanschläge in Brüssel, bei denen 32 Menschen getötet wurden.

Der "Mann mit dem Hut" ist in Haft

Der kürzlich verhaftete Mohamed Abrini, der wochenlang als der „Mann mit dem Hut“ gesucht worden war, wurde wegen „terroristischen Mordes“ sowohl im Zusammenhang mit den Attacken von Paris als auch jenen in Brüssel angeklagt, wie die Staatsanwaltschaft am Sonntag weiter mitteilte.

Nach bisherigem Ermittlungsstand handelt es sich bei ihm um den dritten Attentäter vom Brüsseler Flughafen (STOL hat berichtet). Er soll zudem mit dem lange gesuchten Salah Abdeslam im Vorfeld der Paris-Attentate unterwegs gewesen sein. Seine genaue Rolle bei den Anschlägen von Paris ist noch unbekannt.

Vater meldet sich zu Wort

Indes hat sich Abdeslams Vater zu den Anschuldigungen gegen seinen Sohn geäußert. Er hoffe, dass sein Sohn vor Gericht aussagt und für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wird. Er sei „traurig“ und verstehe nicht, „was in den Köpfen der Kinder vorgeht“, sagte der 67-jährige Mann dem französischen Radiosender Europe 1 in einem am Sonntagmorgen ausgestrahlten Interview.

„Ich hoffe, dass alle sprechen werden.“ Sein Sohn werde für das, was er getan habe, verurteilt werden, sagte Abdeslams Vater nach einem Besuch im Gefängnis im belgischen Brügge, wo Abdeslam einsitzt.

Abdeslams Vater sagte nun, er fühle sich „krank“ und gehe derzeit fast gar nicht mehr aus dem Haus. Er sei seit 40 Jahren in Belgien, sagte der 67-Jährige Europe 1. „Wir waren glücklich, uns ging es gut, wir sind ausgegangen, wir haben gelacht. Jetzt können wir nicht einmal mehr vor die Tür gehen.“

apa/afp/dpa/reuters/stol

stol