Freitag, 06. Juli 2018

Buben in Höhle: „Psychische Katastrophe“

Auch wenn die in einer Höhle in Thailand eingeschlossenen Buben stabil wirken, kann die psychische Verfassung der Jugendlichen schnell wieder kippen.

Seit knapp 2 Wochen sitzen die Buben nun schon in einer Höhle in Thailand fest.
Seit knapp 2 Wochen sitzen die Buben nun schon in einer Höhle in Thailand fest. - Foto: © APA/AFP

Was die Buben in den 9 Tagen bis zu ihrer Entdeckung durchgemacht haben, ist kaum nachvollziehbar. In einer Höhle verliert man binnen weniger Stunden Zeitgefühl und Orientierungssinn.

„Die Stimmung schwankt zwischen vollkommener Resignation, Angst und Verzweiflung und der Hoffnung, doch noch gerettet zu werden“, erklärte Benko. Hinzu kommt, dass den Jugendlichen das besonders in Ausnahmesituationen extrem wichtige soziale Netz – also Eltern, Geschwister und enge Freunde – fehlt.

Enorme psychische Belastung

Bei manchen Personen reagiert die Psyche mit einer absoluten Notfallmaßnahme – von der auch Opfer von Gewaltverbrechen berichten: Die Psyche löst sich von der Situation. „Der Betroffene hat dann das Gefühl nicht mehr er selbst, sondern sich selbst wie in einem Film zu sehen“, sagte Benko.

Die schlimme Phase der vollkommenen Isolation haben die Buben zwar jetzt hinter sich, dennoch bleibt die psychische Belastung enorm. Und je länger die Rettung andauert, umso schlimmer wird es. „Manche klammern sich wie an einen Strohhalm daran, dass sie jetzt gerettet werden, aber es kann wieder in Resignation umschlagen“, meinte der KIT-Leiter.

Temperaturen in der Höhle nicht lebensbedrohlich

Auch der deutsche Höhlenretter Martin Groß sprach gegenüber der APA von einer „psychischen Katastrophe“, falls sich die Rettung noch über eine lange Zeitspanne hinziehen sollte. Zumindest ein Vorteil ist, dass die Temperaturen der Höhlen in Thailand nicht lebensbedrohlich sind.

In Österreich oder Deutschland sind Höhlen etwa so kalt, dass Eingeschlossene schnell unterkühlen – was bis zum Tod führen kann.

Schnelle Rettung unwahrscheinlich

An eine allzu schnelle Rettung glaubte Groß aber nicht. Besonders die geplante Variante, dass die Jugendlichen in Begleitung von Rettungstauchern aus dem überfluteten Teil der Höhle heraustauchen sollen, hält Groß kaum für durchführbar.

„Den Berichten zufolge können sie nicht einmal schwimmen. Vom Nichtschwimmer zum Höhlentaucher in nur wenigen Tagen, das ist nicht möglich“, sagte der Höhlenretter. Vielmehr glaubte der Experte, dass sich die Retter durch eine Bohrung von oben Zugang zu den Jugendlichen verschaffen.

Botschaften der Fußballwelt

Zahlreiche Unterstützungsbotschaften erhalten die Buben aus der Welt des Fußballs. Der Präsident des Weltverbandes FIFA, Gianni Infantino, sagte am Freitag, wenn die 12 Burschen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren in den nächsten Tagen gerettet würden, würde er sie gern zum Finale der Fußball-WM am 15. Juli in Moskau einladen.

„Wenn sie, wie wir alle hoffen, in den kommenden Tagen mit ihren Familien wieder vereint sind und ihre Gesundheit eine Reise erlaubt, würde die FIFA sich freuen, sie als unsere Gäste zum Finale der WM 2018 einzuladen“, schrieb Infantino in einem Brief an den thailändischen Fußballverband. Das wäre „zweifellos ein wundervoller Moment der Verbundenheit und des Feierns“, fügte der FIFA-Chef hinzu.

Jürgen Klopp und Cristiano Ronaldo hoffen auf Rettung

Jürgen Klopp, Cheftrainer des englischen Spitzenvereins FC Liverpool, sagte in einer vom US-Sender CNN ausgestrahlten Videobotschaft des gesamten Clubs: „Bleibt stark und wisst, dass wir bei Euch sind.“

Er verfolge den Rettungseinsatz für die thailändischen Burschen in den Nachrichten und hoffe „jede Sekunde“, dass sie bald freikämen. „Wir sind alle sehr optimistisch, dass das passieren wird, hoffentlich binnen Minuten, Stunden oder in den nächsten Tagen“, fügte der deutsche Trainer hinzu.

Der brasilianische Ex-Stürmer Ronaldo sagte laut CNN bei einer FIFA-Veranstaltung während der WM, die ganze „Welt des Fußballs“ hoffe, dass das Team in Thailand bald gerettet werde.

Der englische Nationalspieler John Stones sagte vor dem Viertelfinalspiel seines Teams gegen Schweden am Samstag, das Schicksal der Buben sei auch in seiner Mannschaft ein Thema. „Es ist so traurig zu sehen, wo sie sind, und wir hoffen, sie kommen sicher da raus“, fügte der Verteidiger laut britischen Medien hinzu.

apa/afp

stol