Als das Experten-Team mit der Wasserschutzpolizei am Morgen mit einem Schlauchboot in die Nähe des Tieres gefahren war, hatte der zwölf bis 15 Meter lange Wal nicht stark reagiert. „Wir haben auch versucht, ihn durch Lärm zu animieren. Dazu haben wir mit dem Paddel aufs Wasser geschlagen, um zu gucken, ob er sich bewegt und dadurch zeigt “Oh, das stört mich!„. Da kam aber auch keine Reaktion zurück und das zeigt auch noch, dass das Tier weiterhin geschwächt ist.“<BR /><BR />Der Wal liegt seit Sonntag unverändert in der Bucht - beobachtet von vielen Schaulustigen am Strand und auf der Seebrücke. Möwen setzen sich hin und wieder auf seinen Körper und picken von seinem Rücken. Etwa alle fünf Minuten atmet er, man sieht dann eine kleine Wasserwolke über seinem Körper. Diese Atemfrequenz sei so weit in Ordnung, sagte Saalmann von Greenpeace. „Da scheint mir jetzt erst mal nichts Besorgniserregendes daran zu sein. Aber ja, das ist etwas, was wir auch im Auge behalten.“<BR /><BR />Am Sonntagnachmittag war der Wasserstand der Ostsee in der Wismarer Bucht noch so hoch, dass der Buckelwal sich selbst hätte befreien können. In der Nacht auf Montag war der Wasserstand um fast 50 Zentimeter gesunken, wie aus den Daten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hervorgeht. Deshalb sei es derzeit unwahrscheinlicher, dass der Wal sich freischwimmen kann, sagte Greenpeace-Expertin Saalmann weiter.<BR /><BR />„Der Wasserstand soll ja auch wieder steigen. Er kann derweil noch mal Kraft sammeln durch die Ruhe, die wir ihm geben wollen.“ Den BSH-Angaben zufolge wird das Wasser in der Wismarer Bucht am frühen Dienstagmorgen steigen.<BR /><BR />Es sei aber auch nach einer Befreiung aus eigener Kraft nicht klar, ob der Wal dann überhaupt den Weg zurück in die Nordsee finden würde. Dazu sagte Saalmann im ZDF-Morgenmagazin „Moma“: „Wir wissen nicht genau, was für Krankheiten er eventuell hat. Und ob und inwiefern seine Orientierung und sein Allgemeinzustand so sehr geschwächt sind, dass er jetzt auch durch menschliche Einflüsse und die verbliebenen Netzreste, die er noch im Maul hat, so geschwächt ist, dass er einfach nicht richtig klarkommt und sich nochmal verirrt.“ Der Wal müsse eigentlich dringend die Ostsee verlassen.<BR /><BR />Das Experten-Team will die Hoffnung auf ein Überleben und Freischwimmen nicht aufgeben, wie Saalmann weiter sagte. „Die Überlebenschancen werden nicht besser gerade. Es ist eine schwierige Situation für ihn. Er lebt geschwächt und das in einem Lebensraum, der nicht auf ihn ausgelegt ist.“ Das Team werde den Wal weiterhin unterstützen - je nach Lage entweder durch in Ruhe lassen oder durch Animation zum Freischwimmen. „Wir hoffen nur das Beste.“<BR /><BR />Das Tier wird mittlerweile durchgängig beobachtet. In der Nacht war die Polizei für die Bewachung zuständig. „Es wurde ein Schichtsystem eingerichtet, um zu gewährleisten, dass der Wal nicht unbeobachtet ist“, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Die ist nun auch mit einem Küstenstreifenboot in der Bucht unterwegs, damit sich dem Wal niemand nähert. Die Behörden hatten am Wochenende ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern rund um den Wal gezogen, in das kein Schiff oder Boot hineinfahren darf.<BR /><BR />Seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.<BR /><BR />Am vergangenen Montag war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand bei Lübeck entdeckt worden. Eine umfangreiche Rettungsaktion startete, und in der Nacht auf Freitag befreite sich der Buckelwal dann selbst durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne. Am Samstag war der Wal dann allerdings wieder gestrandet - und zwar in der Wismarbucht.<BR /><BR />Seitdem hält das Drama um den Buckelwal an. In der Nacht auf Sonntag konnte sich der Meeressäuger bei steigendem Wasserstand zwar zunächst selbst von einer Sandbank vor der kleinen Insel Walfisch in der Wismarbucht freischwimmen. Doch wenig später tauchte er erneut auf - ganz in der Nähe, an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle. Dort liegt er seitdem.