Einige Gemeinderäte waren durch ein Medienunternehmen darauf aufmerksam geworden, dass Benito Mussolini nach wie vor Ehrenbürger der Stadt Trient ist. Sie stellten einen Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerschaft. Doch dieser erreichte im Gemeinderat keine Mehrheit ( <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/12-raete-verweigern-die-stimme-mussolini-bleibt-ehrenbuerger-von-trient" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">STOL hat berichtet</a>).<h3> Ausgang war so erwartet worden</h3> Bürgermeister Franco Ianeselli hat einen solchen Ausgang erwartet. „Um dem Duce die Ehrenbürgerschaft zu entziehen, braucht es laut Statut eine Vier-Fünftel-Mehrheit. Da ich die Gesinnung einiger Mitglieder des Gemeinderates kenne, war ich nicht überrascht“, berichtet er. Für manche Gemeinderäte sei es eine Frage der Ideologie gewesen. Hätte es den entsprechenden Willen gegeben, hätte die Angelegenheit innerhalb weniger Minuten geklärt werden können, ist Ianeselli überzeugt. <BR /><BR />Die Abstimmung erfolgte geheim und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Für die Aberkennung stimmten 28 von 40 Gemeinderäten. Um die erforderliche Mehrheit von 32 Stimmen zu erreichen, fehlten vier. Zwei Gemeinderäte enthielten sich, zehn gaben keine Stimme ab. Ianeselli geht davon aus, dass es sich dabei unter anderem um die Gemeinderäte von Fratelli d'Italia und der Lega handelt. „Das ist eine Schande für unsere Stadt, die sie sich nicht verdient hat“, sagt er. <h3> Wie es weitergeht</h3>Bei der Diskussion gehe es laut Ianeselli nicht um „Cancel Culture“. „Niemand denkt daran, eine Statue zu entfernen oder Straßennamen zu ändern.“ Hier gehe es um die Spuren eines Diktators, der das Land beinahe in den Abgrund geführt habe. Man wolle einem Verbrecher und Anstifter zahlreicher Morde eine Ehrung aberkennen. „In Deutschland würde keine Gemeinde Adolf Hitler als Ehrenbürger haben wollen“, stellt Ianeselli klar. <BR /><BR />Der Bürgermeister von Trient hofft nun, dass manche Gemeinderäte ihre Meinung doch noch ändern. „Wir müssen schauen, was sich in den nächsten Tagen ergibt.“ Die Zivilgesellschaft steht hinter Ianeselli. In den vergangenen Tagen haben ihm viele Menschen ihre Solidarität ausgedrückt, darunter auch einige Bürgermeisterkollegen und Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. <h3> Die Empörung ist auch in Südtirol groß</h3>„Teile der italienischen Politik tun sich nach wie vor schwer damit, sich konsequent und glaubwürdig von ihrer faschistischen Vergangenheit zu lösen. Daran gibt es leider nichts zu beschönigen“, so SVP-Obmann Dieter Steger. <BR /><BR />Werner Thaler, Sprecher der Arbeitsgruppe Gemeindepolitik der Süd-Tiroler Freiheit, erinnert zudem daran, dass seine Partei bereits vor rund 15 Jahren eine umfassende Aufarbeitung dieser Thematik in Südtirol angestoßen hat. In der Folge wurde Mussolini in zahlreichen Gemeinden die Ehrenbürgerschaft aberkannt, darunter in Montan, Auer, Tramin, Salurn, Kurtatsch sowie in Mals. Bereits zwischen 1980 und 1990 war Mussolini zudem in Abtei die Ehrenbürgerschaft entzogen worden. <BR /><BR />Offen ist laut Thaler noch die Situation in einzelnen Gemeinden. So soll etwa geklärt werden, ob Mussolini noch Ehrenbürger der Gemeinde Sexten ist. „Dass ausgerechnet die Stadt Trient es heute nicht schafft, diese historisch belastete Ehrenbürgerschaft aberkennen zu lassen, ist ein unverständliches und politisch beschämendes Signal“, kritisiert er.