Mittwoch, 29. Juli 2020

Buntes Land: 51.500 Ausländer aus 138 Nationen leben in Südtirol

Am 31.12.2019 sind rund 51.500 Menschen ausländischer Nationalität in Südtirol ansässig, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 9,7 Ausländern je 100 Einwohner. Die ausländische Wohnbevölkerung aus insgesamt 138 Ländern stammt größtenteils aus Europa, ist relativ jung und lebt vorzugsweise in den Städten.

Am 31.12.2019 sind offiziell 51.509 ausländische Staatsbürger in Südtirol ansässig, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr.
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Am 31.12.2019 sind offiziell 51.509 ausländische Staatsbürger in Südtirol ansässig, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. - Foto: © shutterstock
Zur ausländischen Wohnbevölkerung zählen alle meldeamtlich erfassten Personen, die nicht im Besitz der italienischen Staatsbürgerschaft sind. Diese können einem oder eventuell mehreren anderen Staaten angehören. Auch Staatenlose sind Staatsfremde und damit den Ausländern rechtlich gleichgestellt.

Diejenigen hingegen, die im Laufe der Zeit eingebürgert worden
sind - das sind in Südtirol rund 19.250 Personen in den vergangenen 20 Jahren - gelten in jeder Hinsicht als Inländer. In der Ausländerstatistik werden sie nicht mehr berücksichtigt, genauso wenig wie Personen
aus Nicht-EU-Staaten, die sich ohne gültigen Rechtstitel auf italienischem Staatsgebiet aufhalten.

51.500 Ausländer leben in Südtirol

Am 31.12.2019 sind offiziell 51.509 ausländische Staatsbürger in Südtirol ansässig, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Vergleichsweise waren es Ende 1994 rund 7.250 Menschen, womit sich der Bestand der ausländischen Wohnbevölkerung im letzten Vierteljahrhundert in etwa versiebenfacht hat.

Seit den frühen 1990er-Jahren weist Südtirol eine positive Wanderungsbilanz auf, insbesondere mit dem Ausland, was eine kontinuierliche Zunahme der Ausländerzahl zur Folge hatte. Das relative Wachstum verlief jedoch unregelmäßig: Während bis Mitte der 1990er-Jahre eine langsame, aber konstante Zunahme zu beobachten
war, fiel der jährliche Zuwachs in den Jahren um die Jahrtausendwende mit rund 10 Prozent geringer aus, um ab 2003 wieder deutlicher anzusteigen.

Höhepunkt im Jahr 2007

Der Höhepunkt wurde mit einem Plus von 16 Prozent im Jahr 2007 erreicht. Das ist das Jahr, in dem Bulgarien und Rumänien der EU beitraten und in Italien der Grundsatz des Freizügigkeitsrechts der EU-Bürger umgesetzt wurde. Zudem konnten zahlreiche illegale Einwanderer in dieser Zeit ihren Rechtsstatus sanieren. Mit der einsetzenden Finanzkrise von 2008 ist die jährliche Zunahme wieder unter 10% gefallen.

Das Jahr 2011 ist von einem markanten Rückgang gekennzeichnet,
da zum Zeitpunkt der Volkszählung zahlreiche ansässige Ausländer unauffindbar waren. Seit einigen Jahren nimmt der Bestand der in Südtirol ansässigen ausländischen Bevölkerung nur mehr mäßig zu.

Der Zuwachs der ausländischen Bevölkerung wird sowohl von einer positiven Wanderungsbilanz als auch von einem Geburtenüberschuss bestimmt. Mit 56,9 Prozent fällt im Jahr 2019 der Beitrag der Geburtenbilanz stärker ins Gewicht als jener der Wanderungsgewinne
(43,1 Prozent).

Der Wanderungssaldo trägt ein positives Vorzeichen, d.h. die Anzahl der Zuwanderungen übersteigt jene der Abwanderungen. Im Laufe des Jahres 2019 wanderten 6.753 Menschen mit ausländischer Nationalität
nach Südtirol zu - rund 40% davon vom Ausland -, während 6.261 abwanderten, vorwiegend in andere italienische Provinzen. Daraus resultiert ein Wanderungsüberschuss von 492 Personen. Der internationale Wanderungssaldo der Ausländer liegt bei 1.695, da 2.877 Personen vom Ausland einwanderten und 1.182 Italien wieder verließen. Im Vergleich dazu haben deutlich mehr Inländer ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt (2.083) als umgekehrt (668), was ein Wanderungsdefizit von 1.415 Personen ergibt.

Geburtenentwicklung

Die ausländische Wohnbevölkerung erfreut sich einer regen Geburtenentwicklung: Während in den 1990erJahren jährlich rund 100 Kinder ausländischer Nationalität zur Welt kamen, beträgt die Zahl der Neugeborenen im Bezugsjahr 745. Das sind 40 mehr als im Vorjahr. Die Geburtenrate liegt derzeit bei 14,6 Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner mit ausländischer Staatsbürgerschaft (9,4 Promille beträgt sie bei den Inländern). Eine Ausländerin bringt im Laufe ihres Lebens im Schnitt 2,4 Kinder zur Welt, bei den Inländerinnen
liegt die Gesamtfruchtbarkeitsziffer bei 1,6 Kindern.

Der Hauptgrund für die deutlichen Fertilitätsunterschiede ist der beträchtlich höhere Anteil von ausländischen Frauen im fruchtbaren Alter (57,9 Prozent) gegenüber jenem der inländischen Frauen (40,1 Prozent).

Strukturbedingt ist auch die geringe Mortalität. Im Laufe des Jahres 2019 starben 95 ansässige Ausländer. Die Sterberate liegt somit bei 1,9 Todesfällen je 1.000 ausländische Einwohner, während sie im
Vergleich dazu bei den Inländern 9,1 Promille beträgt.

Ausländeranteil liegt über italienischem und EU-Schnitt

Im Jahr 2019 liegt der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung Südtirols bei 9,7 Prozent. Dieser Wert übersteigt sowohl die Ausländerquote des Trentino, die im Jahr 2018 bei 8,8 Prozent lag, und jene Italiens (8,7 Prozent) als auch den EU-Durchschnitt von 8,1 Prozent (Quelle: Eurostat, letzte verfügbare Daten). Allerdings liegt der Ausländeranteil des Bundeslandes Tirol 2018 mit 15,9 Prozent deutlich darüber (Quelle: Statistik Austria).In der benachbarten Schweiz ist 2018 ein Viertel der Bevölkerung nicht im Besitz der Schweizer Staatsbürgerschaft.

Europaweit verzeichnet im Jahr 2018 Deutschland, das Einwanderungsland Nummer eins, mit rund 10,1 Millionen die absolut höchste Zahl an Ansässigen mit ausländischem Pass (12,2 je 100 Einwohner). Italien liegt an dritter Stelle mit 5,25 Millionen, gleich nach
dem Vereinigten Königreich. Drei Viertel aller Staatsfremden haben sich in fünf EU-Staaten (Deutschland,Vereinigtes Königreich, Italien, Frankreich und Spanien) niedergelassen, in denen sie mittlerweile einen Anteil von 9,7 Prozent erreichen.

In Luxemburg, Zypern, Malta, Österreich und Estland leben mehr als 15 Menschen je 100 Einwohner, die einem anderen Staat angehören als jenem, in dem sie ansässig sind.

Mehr als 60 Prozent leben in Ballungszentren

Am 31.12.2019 leben in der Landeshauptstadt mehr als 30 Prozent, 15.751 Personen, aller in Südtirol ansässigen Ausländer. In Meran sind es 6.948 Menschen ohne italienische Staatsbürgerschaft (13,5 Prozent) und in Brixen 2.548 (4,9 Prozent). Insgesamt haben 31.061 ausländische Staatsbürger (60,3 Prozent) in einer der sieben Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern ihren festen Wohnsitz.

Auf Bezirksebene ist die Konzentration der ausländischen Wohnbevölkerung in Bozen am höchsten (14,6 je 100 Einwohner). Mit einigem Abstand folgt das Burggrafenamt mit einer Ausländerquote von 10,6 Prozent. In den anderen Bezirksgemeinschaften liegt
der Wert unter dem Landesdurchschnitt.

Betrachtet man den prozentuellen Anteil der ausländischen an der gesamten Wohnbevölkerung in den einzelnen Gemeinden, weisen neben den Städten Meran (16,9 Prozent) und Bozen (14,6 Prozent) auch einige kleinere Ortschaften einen beträchtlichen Wert auf. Dabei handelt
es sich um Franzensfeste (27,1 Prozent), Salurn (20,4 Prozent),
Waidbruck (18,3 Prozent) und Brenner (17,2 Prozent).

16 Gemeinden verzeichnen einen Ausländeranteil, der
über dem Landesdurchschnitt (9,7 Prozent) liegt. Die wichtigsten sind, außer den bereits genannten, Brixen, Sterzing, Neumarkt und Mühlbach. Im Großteil der Gemeinden sind ausländische Staatsbürger im Verhältnis zur gesamten Gemeindebevölkerung jedoch unterdurchschnittlich vertreten, in 18 davon ist das Phänomen kaum nennenswert (unter 3 Prozent)

Relativ junge Altersstruktur

Die altersmäßige Verteilung der in Südtirol wohnhaften Ausländer unterscheidet sich deutlich von jener der italienischen Staatsbürger. Während bei den Inländern die mittleren Jahrgänge anteilsmäßig überwiegen, sind es bei der ausländischen Wohnbevölkerung
die jüngeren: Etwa 60 Prozent sind nämlich jünger als 40 Jahre.

Die unterschiedliche Altersstruktur lässt sich zum einen am deutlich geringeren Durchschnittsalter der ausländischen gegenüber jenem der italienischen Staatsbürger (35,6 bzw. 43,8 Jahre) erkennen. Zum anderen fällt auch der Anteil der Senioren im Alter von 65 und mehr Jahren bei den Ausländern viel bescheidener aus (6,3 Prozent gegenüber 21,2 Prozent bei den Inländern). Diese Tatsache schlägt sich auch klar auf den Altersstrukturkoeffizienten nieder: Während bei den Inländern 137,5 ältere Menschen (über 64 Jahre) auf 100 unter 15-Jährige entfallen, sind es bei den Ausländern lediglich 35,6.

Da Südtirol erst in den vergangenen 25 Jahren langsam zu einem Einwanderungsland wurde, besteht der Großteil der ausländischen Wohnbevölkerung derzeit noch aus Einwanderern der ersten Generation. Der Bestand der zweiten Ausländergeneration nimmt aber stetig zu: Ende 2019 umfasst die Zahl der im Inland geborenen Ausländer mit Wohnsitz in einer Südtiroler Gemeinde etwa 7.450 Personen. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um Minderjährige (94,3 Prozent), wovon wiederum die meisten in Südtirol zur Welt kamen (ca. 6.100 Personen).

Kulturelle Vielfalt – Herausforderung für die Zukunft

Menschen aus 138 verschiedenen Ländern leben derzeit in Südtirol. Dadurch wird die kulturelle Vielfalt der Südtiroler Gesellschaft immer facettenreicher.

16.351 Ausländerinnen und Ausländer (das sind mehr als 30 Prozent der in Südtirol ansässigen ausländischen Bevölkerung) gehören einem der Mitgliedstaaten der Europäischen Union an, 37,5 Prozent davon einem Land des deutschsprachigen Raums (Deutschland und Österreich). EU-Bürger sind in einigen Bereichen den italienischen Staatsbürgern gleichgestellt, z.B. was die Freizügigkeit und Niederlassungsfreiheit sowie die Beschäftigung betrifft.

Weitere 30 Prozent entfallen auf die europäischen Staaten, die nicht zur EU zählen, während 20 Prozent der Ausländer aus Asien und 14 Prozent aus Afrika stammen.

In der Rangliste der Herkunftsländer nimmt Albanien mit 6.103 Personen den ersten Platz ein. Es folgen Deutschland mit fast 4.500 Personen und Pakistan sowie Marokko mit je rund 3.800 bzw. 3.650 Personen. Zusammen stellen diese vier Gemeinschaften mehr als ein Drittel aller Einwohner ausländischer Nationalität.

Groben Schätzungen anhand der Staatsangehörigkeit zufolge kann man davon ausgehen, dass fast 40 Prozent aller Ausländer muslimisch sind und etwa 6 Prozent einer orientalischen Religion angehören. Immerhin leben in Südtirol rund 20.000 Menschen, die aus islamisch geprägten Ländern stammen, und knapp 3.000 aus Indien, China, Japan bzw. Südostasien.

Ausländerinnen in der Überzahl

Während in den 1990er-Jahren ein deutlicher Männerüberschuss bei den Ausländern verzeichnet wurde, war ihr Geschlechterverhältnis um die Jahrtausendwende relativ ausgewogen. Seit 2007 sind die Frauen jedoch in der Überzahl und auch 2019 stellen sie die Mehrheit der ausländischen Wohnbevölkerung (52,3%). Auf 100 Ausländerinnen entfallen nunmehr 91 Männer mit ausländischem Pass.

Richtet man das Augenmerk auf die einzelnen Bevölkerungsgruppen, ist das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Frau und Mann viel unausgewogener. Am geringsten ist der Männeranteil bei den Bürgern aus der Europäischen Union, dem amerikanischen Doppelkontinent und Ozeanien (60% bis 70%). Betrachtet man das Geschlechterverhältnis der hierzulande ansässigen EU-Bürger, sind v.a. die Menschen aus den baltischen Ländern, der Tschechischen Republik, Polen, Slowakei und Österreich mehrheitlich weiblich.

Auch aus den Nicht-EU-Ländern kommen beträchtlich mehr Frauen als Männer, wobei die Gemeinschaften der ehemaligen UdSSR und der Schweiz stärker weiblich geprägt sind, jene einiger Balkanstaaten
(Bosnien-Herzegowina, Albanien, Kosovo und Serbien) eher männlich.

In fast allen Gemeinschaften afrikanischer bzw. asiatischer Herkunft sind die Männer in der Überzahl. Eine besonders klare Ausnahme sind die thailändischen Staatsbürger, bei denen lediglich 8 Männer auf 100
Frauen entfallen und somit eindeutig das „schwache“ Geschlecht dominiert.

Ledig oder verheiratet?

Insgesamt sind fast zwei Drittel der in Südtirol ansässigen Ausländer ledig: 70,1 Prozent der Männer und 60,6 Prozent der Frauen. Grund dafür ist in erster Linie ihr junges Alter. In der Tat sind 42 Prozent der Unverheirateten jünger als 25.

Einer von drei ausländischen Mitbürgern, vor allem jene im mittleren Alter (35-55 Jahre), ist verheiratet (oder gesetzlich getrennt), während der Anteil der Verwitweten (0,9%) und Geschiedenen (1,9 Prozent) im Gegensatz zu den Inländern relativ gering ausfällt.

Im Vergleich zur inländischen Bevölkerung sind bei den Ausländern auch die Haushalte anders strukturiert: Von den etwa 18.750 Haushalten mit einer ausländischen Bezugsperson besteht fast die Hälfte aus alleinlebenden Personen (45,7 Prozent gegenüber 36 Prozent bei den Inländern). Bei 18 Prozent der Haushalte handelt es sich um traditionelle Kernfamilien, d.h. Ehepaare mit minderjährigen Kindern (bei den Inländern 14,3 Prozent). Mit 13,3 Prozent liegt auch der Anteil der Teilfamilien mit minderjährigen Kindern höher als bei den Inländern (9,3 Prozent). Teilfamilien umfassen sowohl Alleinerziehende als auch zusammenlebende, nicht verheiratete Paare mit Kindern.



astat/vs

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