Auf welche Anzeichen muss man achten, um einem Burnout vorzubeugen? Dr. Martin Fronthaler, Leiter des Therapiezentrums Bad Bachgart, erläutert es uns.<BR /><BR />„Beim Burnout sprach man in Fachkreisen lange lediglich von einer Zusatzdiagnose“, erklärt Psychologe Dr. Martin Fronthaler. „Mittlerweile wird es allerdings als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt.“ Eine Belastungsstörung, die meist durch eine langfristige Überforderung am Arbeitsplatz zustande kommt. Besonders anfällig sind Personen mit einem hohen Leistungsanspruch an sich selbst. „Sie wollen sich beweisen und sind vom Perfektionismus gezeichnet“, sagt der Leiter des Therapiezentrums Bad Bachgart. Häufig setze man sich mit derartigem Verhalten einer enormen Stresssituation aus – hierin liegt der Ursprung des Burnouts.<h3> Das Burnout bezieht sich nicht nur auf den Beruf</h3> Einst bezog man das Phänomen Burnout ausschließlich auf das Berufsfeld, aber heutzutage umfasst es mehrere Lebensbereiche. Zum Stress bei der Arbeit gesellt sich häufig jener im Privatleben. Der Prozess hin zum Burnout verläuft schleichend sowie fließend. Meist realisiert man gar nicht, wie einem geschieht. Erste Symptome sind schlaflose Nächte und eine damit einhergehende Müdigkeit, aber auch emotionale Abstumpfung. Um diesem Phänomenen gegenzusteuern, probieren Betroffene häufig, noch mehr zu leisten. Es folgt der soziale Rückzug und eine immer drastischere Erschöpfung – man reitet sich selbst in den Teufelskreis.<h3> „Rechtzeitig einschreiten und Pause gönnen“</h3> Das Burnout bezieht sich auf Körper, Geist und Seele. Verspürt man die Unfähigkeit, sich von der emotionalen Erschöpfung zu regenerieren, ist das ein Anzeichen für eine potenzielle Betroffenheit. Bei einer Abneigung gegen die eigene Arbeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder mäßigen Leistungen trotz hohen Aufwands sollten schleunigst die Alarmglocken läuten. Im schlimmsten Fall der Fälle bildet das Burnout die Vorstufe zur Depression.<BR /><BR />„Hier gilt es, rechtzeitig einzuschreiten und sich eine erholsame Pause zu gönnen“, empfiehlt Dr. Fronthaler eindringlich. „Einfach mal abschalten.“ Dies gelte zum einen natürlich für den Beruf, aber genauso für Soziale Netzwerke und Co. Ratsam sei ein sogenannter „Digital Detox“ – der Verzicht auf digitale Medien, um für eine kurze Zeit der stressfördernden Informationsüberflutung zu entkommen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-62362217_quote" /><BR /><BR />Treffen kann ein Burnout alle Gesellschafts- und Altersschichten – sogar Schüler. „Wobei das Burnout-Syndrom bei Jugendlichen deutlich seltener auftritt“, weiß Dr. Fronthaler. Aufgrund der Ähnlichkeit zu den Zahlen Österreichs und Deutschlands könne man davon ausgehen, dass rund 10 Prozent der Bevölkerung Südtirols Burnout-Symptome aufweisen. „Aber nur 3 Prozent sind effektiv behandlungsbedürftig“, berichtet der Psychologe. <BR /><BR />„Im Rahmen der Behandlung gilt es, den Betroffenen Entspannungstechniken beizubringen.“ Hierzu zähle etwa das Praktizieren von Yoga. Man müsse Betroffene zur Seite nehmen und den Teufelskreis unterbrechen. „Zusätzlich schreibt man im Rahmen einer Psychotherapie das Lebensdrehbuch um – Werte und Prinzipien des Patienten werden geändert.“ Weg vom Perfektionismus, hin zur Durchschnittlichkeit.<h3> Der positive Burnout-Effekt</h3>„Bei all den negativen Aspekten hat der Begriff Burnout jedoch auch der Gesellschaft einen guten Dienst erwiesen“, berichtet der Psychologe. Man habe begonnen, offen über psychische Krankheiten zu sprechen und Schlimmeres – wie etwa die Depression – zu verhindern. „Den Menschen fällt es nämlich einfach, zuzugeben, sich überarbeitet zu haben, nicht aber an einer Depression zu leiden“, ist sich Dr. Fronthaler gewiss.<BR />