Sonntag, 24. April 2016

Camorra-Krieg in Neapel

Nachdem diese Woche drei Personen bei Bandenfehden erschossen wurden, schlägt der Bürgermeister Neapels, Luigi De Magistris, Alarm.

Foto: © LaPresse

Er drängte die Regierung in Rom zur Entsendung von mehr Polizisten in die Stadt am Vesuv. „In Neapel gibt es zu viele Waffen, die in die Hände von Jugendlichen geraten“, klagte der Bürgermeister im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“.

Mord vor den Augen von Kindern

Am Freitag kamen bei einer Schießerei zwei prominente Mitglieder der Camorra, der neapolitanischen Mafia, ums Leben. Drei weitere Personen wurden verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um Mitglieder des selben Clans. Getötet wurden der 42-jährige Giuseppe Vastarella, prominenter Camorra-Boss, und sein 41-jähriger Schwager Salvatore Vigna. Sie wurden von zwei Killern erschossen, die von einem Motorrad aus auf sie zielten.

Der Doppelmord wurde im neapolitanischen Viertel Sanita verübt, das als Hochburg der Camorra gilt. Der Fall sorgte für Aufregung, weil sich die Tat auf offener Straße vor den Augen einiger Kinder abspielte. Erst am Mittwochabend war ein 30-Jähriger mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor den Augen seiner Freundin von der Camorra erschossen worden.

In der Nacht auf Mittwoch hatte eine vierköpfige Bande, voraussichtlich Jugendliche, mit Kalaschnikow-Gewehren auf eine Carabinieri-Kaserne in Secondigliano, einer Hochburg der Camorra, geschossen. „Diese Jugendlichen rufe ich auf, auf Waffen zu verzichten. Das Leben ist kein Videospiel“, appellierte der Carabinieri-General Giovanni Nistri.

Demonstranten fordern Ende der Gewalt

Am Samstagnachmittag gingen Dutzende Menschen in dem Viertel Sanita auf die Straße, um gegen die Camorra zu demonstrieren. „Schluss mit Gewalt, Schluss mit Waffen in Neapel“, war auf einem Spruchband zu lesen. Die Demonstration wurde vom Erzbischof von Neapel, Kardinal Crescenzio Sepe, unterstützt. Er rief die Kirchen seiner Diözesen zu Gebeten auf, damit es zu einem Ende der Gewalt in der Stadt komme.

Nachdem in den vergangenen Monaten mehrere prominente Bosse der Camorra festgenommen wurden, hat eine junge Generation die Führung der kriminellen Geschäfte übernommen, analysierten Experten. Junge, skrupellose Kriminelle würden über ein riesiges Waffenarsenal verfügen.

Ein beispielloser Krieg zur Kontrolle des Territoriums und der illegalen Aktivitäten wie Drogen- und Waffenhandel sowie Prostitution und Wucher tobe im Großraum von Neapel, der fast vier Millionen Einwohner zählt.

Erst vor wenigen Tagen hatte Premier Matteo Renzi Neapel besucht. Er hatte dabei das vielfältige kulturelle Leben der Stadt hervorgehoben, die sich stark bemühe, für Touristen attraktiver zu werden. „Neapel erlebt einen touristischen Boom, die Kultur spielt dabei eine wichtige Rolle“, versicherte Bürgermeister De Magistris.

apa

stol