Dienstag, 31. Mai 2016

Cap Anamur-Gründer Rupert Neudeck gestorben

Das Schicksal von Flüchtlingen war sein Lebensthema. Rupert Neudeck hatte 1979 die Hilfsorganisation Cap Anamur gegründet und Tausenden von vietnamesischen Flüchtlingen das Leben gerettet. Nun ist der engagierte Journalist gestorben.

Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur und Grünhelmen, ist gestorben. - Foto: APA
Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur und Grünhelmen, ist gestorben. - Foto: APA

Rupert Neudeck, Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 77 Jahren, teilte ein Sprecher der Organisation mit.

Neudeck hatte 1979 Cap Anamur und 2003 das Friedenskorps Grünhelme ins Leben gerufen. Mehr als 10.000 vietnamesische Bootsflüchtlinge retteten die Aktivisten von Cap Anamur in den 1980er Jahren aus dem Chinesischen Meer.
Über Jahrzehnte hinweg setzte sich der Journalist für Notleidende und Flüchtlinge ein. In der aktuellen Flüchtlingsdebatte forderte er 2015 den Einsatz der deutschen Marine und eine langfristige Seenotrettung im Mittelmeer.

Erste Reaktionen

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte am Dienstag: „Rupert Neudeck hat vielleicht das Größte geleistet, was ein Mensch überhaupt tun kann: Menschenleben retten.“
Sein Freund und Weggefährte Günter Wallraff sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Er war ein Heiliger unserer Tage. Bei Rupert Neudeck war Reden und Handeln eine Einheit. Es gibt für ihn keinen Ersatz.“

Die Grünhelme gründete Neudeck auch als Reaktion auf den 11. September 2001 – „damit wir nicht in Frontstellung gegen Muslime kommen“. Christen und Muslime arbeiten in der Organisation zusammen, errichten gemeinsam Schulen, auch in muslimischen Ländern wie Afghanistan.

„Wir werden zeitlebens nicht loskommen von der schönen Bürde, Eltern von Cap Anamur und den Grünhelmen zu sein“, hatte er 2014 zu seinem 75. Geburtstag der dpa gesagt. Mit seiner Frau Christel lebte Neudeck bescheiden in Troisdorf bei Bonn.

Bis zum Tod aktiv

Bis zuletzt blieb Neudeck aktiv, warb für seine Initiativen und sammelte Spenden. Sein Engagement wurzelte in seinem christlichen Glauben – und in der eigenen Vergangenheit: Gegen Kriegsende war er mit seiner Familie von Danzig nach Westfalen geflohen, also selbst ein Flüchtling in Not gewesen.

Viele Auszeichnungen hat der dreifache Vater und mehrfache Großvater für sein beherztes Engagement erhalten. Darunter waren der europäische Sozialpreis (2006) und der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (2007).

dpa

stol