Freitag, 10. September 2021

Chancengleichheits-Kommission will gegen Tampon-Steuer vorgehen

Periodenprodukte werden in Italien ähnlich wie Luxusgüter mit 22 Pozent besteuert. Viele können sich diese eigentlich lebensnotwendigen Produkte deshalb nicht leisten. Die Ratskommission für Chancengleichheit der Gemeinde Bozen will gegen diese sogenannte Periodenarmut vorgehen. Am Samstag sind die Gemeinderätinnen vor der Talferbrücke mit einem Infostand anwesend. Auch eine Pressekonferenz findet statt.

Viele können sich Periodenprodukte nicht leisten.
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Viele können sich Periodenprodukte nicht leisten. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
Die Mehrwertsteuer-Sätze in Italien sind zahlreich, gemäß den Güterkategorien oder den Dienstleistungen. Ausgegangen wird von 4 Prozent auf Bücher, Brot, Milch und Rasierapparate, von 10 Prozent auf Strom- und Gaszufuhr und auf Medikamente bis hin zu 22 Prozent auf Produkte die nicht als lebensnotwendig erachtet werden, wie Zigaretten und Spirituosen.

Sind die Produkte für die monatliche Frauenhygiene mit einem Steuersatz von 22 Prozent tatsächlich keine lebensnotwendige Produkte? Die Frauenperiode ist ein außerordentlich wichtiger physiologischer Vorgang im Leben der Frau, die durchschnittlich in ihrer fruchtbaren Zeit von ungefähr 40 Jahren etwa10.000 bis 14.000 Hygienebinden mit einem Kostenaufwand von 5000 Euro verbraucht. Das sind nicht Ausgaben für Luxusgüter, sondern für ein unumgängliches natürliches Bedürfnis.

Die Ratskommission für Chancengleichheit der Gemeinde Bozen hat sich deshalb konkret aktiviert, um gegen die „period poverty“ (Periodenarmut) vorzugehen. Es besteht die Schwierigkeit für viele Frauen, wie alleinstehende Mütter oder Frauen ohne festen Wohnsitz, diese Mehrkosten auf sich zu nehmen. Auch die gesundheitliche Notsituation wirkt sich negativ auf diese Form von wirtschaftlichen Schwierigkeiten aus, angesichts der Tasache, dass die neuen Not Leidenden alleinstehende Frauen mit zwei Kindern sind.

Infostand am Samstag vor der Talferbrücke

Die Gemeinderätinnen werden am Samstag, 11. September von 10.00 bis 12.30 Uhr vor der Talferbrücke (Seite Quirein-Promenade) mit einem Infostand anwesend sein, um Unterschriften zu sammeln für eine Petition zur Ermäßigung der Tampon-Steuer und gleichzeitig werden Produkte für den Periodenschutz gesammelt, um sie dann durch die lokalen Vereine an von Armut betroffenen Frauen zu verteilen. Diese Aktion wird auch von den 6 Gemeindeapotheken unterstützt, die bis zum 18. September dieselben Produkte einsammeln werden und die bis Dezember 2022 die gesamte Mehrwertsteuer auf Damenhygieneartikel übernehmen werden.

Zur Vorstellung der verschiedenen Initiativen findet um 11.00 Uhr auch eine Pressekonferenz der Ratskommission für Chancengleichheit statt.

Zur Unterstützung der Kampagne ist es außerdem möglich eine Online-Petition auf www.change.org zu unterzeichnen. Diese Petition, die im Dezember 2020 schon 450.000 Unterschriften erreicht hatte, wird vom Verein junger Frauen Onde Rosa aus Mailand gefördert.

stol