Samstag, 24. September 2016

Charlotte: Video zeigt tödliche Schüsse

Ein Video, das der "New York Times" zugespielt wurde, zeigt die tödlichen Schüsse auf einen Afroamerikaner in der US-Großstadt Charlotte. Die Witwe hat das Handy-Video gedreht.

"Er ist besser nicht tot", ruft Rakeyia Scott kurz nach den Schüssen auf ihren Mann. Wenig später verstarb dieser im Krankenhaus. - Foto: YouTube/NYT
"Er ist besser nicht tot", ruft Rakeyia Scott kurz nach den Schüssen auf ihren Mann. Wenig später verstarb dieser im Krankenhaus. - Foto: YouTube/NYT

Die etwas mehr als zwei Minuten dauernde Aufnahme zeigt die Momente kurz vor und nach den Schüssen auf Keith L. Scott. "Nicht schießen, nicht schießen", ruft die Witwe Rakeyia Scott am Anfang des Videos. "Er hat keine Waffe", redet sie weiter auf die Polizei ein.

"Er wird euch nichts tun"

"Er hat ein Schädel-Hirn-Trauma. Er wird euch nichts tun", versucht Rakeyia Scott die Beamten zu beschwichtigen. Die Nachbarn beschrieben den 43-Jährigen gegenüber US-amerikanischen Medien als behindert, unter anderem habe er gestottert.

Die Polizeibeamten scheinen sie nicht zu beachten, schreien mehrfach, dass Keith Scott die Waffe fallen lassen solle. Der Mann sitzt im Auto, seine Frau probiert vergeblich ihn dazu zu bewegen auszusteigen: "Komm aus dem Auto raus, Keith."

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Dann hört man mehrere Schüsse. "Habt ihr ihn erschossen? Habt ihr ihn erschossen?", schreit Rakeyia Scott und: "Er ist besser nicht tot, er ist besser nicht tot." Auf dem Boden liegend sieht man im Video Keith Scotts reglosen Körper. Dann bricht der Film ab. Kurze Zeit später verstarb der Mann im Krankenhaus.

Scotts Tod führte zu heftigen Protesten in Charlotte. Demonstranten forderten, dass die Videoaufnahmen der Polizei veröffentlicht werden sollen, welche durch in die Uniformen und Amaturenbretter der Einsatzwagen integrierte Kameras gemacht wurden.

Anwalt: "Er hat sich ruhig verhalten"

Jedoch nur die Angehörigen des Opfers und deren Rechtsvertreter bekamen Einsicht in das Videomaterial. Der Anwalt Justin Bamberg sagte gegenüber dem Sender CNN, dass auf den Aufnahmen keine Schusswaffe zu sehen sei. Scott soll rückwärts gegangen sein, als die tödlichen Schüsse fielen.

"Seine Hände sind neben seinem Körper nach unten gerichtet. Er verhält sich ruhig. Man kann etwas in seiner Hand sehen, aber nicht erkennen, was es ist", so Bamberg weiter.

Proteste gehen weiter

Indes gehen die Proteste in Charlotte weiter. Die von den Behörden angeordnete Ausgangssperre wird nur bedingt eingehalten. Scotts Tod war innerhalb kürzester Zeit der zweite Fall von Polizeigewalt in den USA. In Tulsa im Bundesstaat Oklahoma ist ein weißer Polizist angeklagt am vergangenen Freitag einen unbewaffneten Afroamerikaner erschossen zu haben.

stol/bfk

stol