<b>STOL: Athesia hatte im Jahr 1997 die Idee, ein Südtiroler Nachrichtenportal zu gründen – nur 2 Monate, nachdem Google online gegangen ist. Das war also zu einer Zeit, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Niemand wusste, ob das ein Erfolg oder ein Misserfolg werden würde. Woher kam die Idee? Was gab den Ausschlag?</b><BR />Chefredakteur Toni Ebner: Athesia hat immer schon auf technische Neuerungen gesetzt. Wir hatten damals erkannt, dass das Medium Internet für ein Verlagshaus eine Herausforderung, aber auch eine Chance sein kann. Begonnen hat alles mit einer Kooperation: Michl Ebner für Athesia, Alfred Guariello für Dator und Christoph Erckert für D.net haben einen Vertrag geschlossen, um „Südtirol Online“ zu starten. Mir oblag die redaktionelle Organisation und Leitung. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="829433_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Wie wurde das Projekt auf die Beine gestellt?</b><BR />Ebner: Wir haben uns umgeschaut, was es am Markt gab. Praktisch gar nichts. Wir hatten aber gute Kontakte zu Eugen Ruß, dem Eigentümer und Chefredakteur der „Vorarlberger Nachrichten“. Ruß hat die ersten Onlineportale in den USA studiert und dann in Vorarlberg sein Portal „Vorarlberg Online“ (VOL) realisiert. So haben wir die ersten Programme und Layouts von „Vorarlberg Online“ übernommen – nur das Logo haben wir bei „Südtirol Online“ von schwarz-gelb in scharz-rot-weiß, unsere Landesfarben, geändert; was uns Ärger eingebracht hat.<BR /><BR /><b>STOL: Warum?</b><BR />Ebner: Weil das Modelabel Tommy Hilfiger uns geklagt hat, wir hätten sein Firmenlogo abgekupfert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="829436_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>STOL: Und, wer hat gewonnen?</b><BR />Ebner: Beide. Wir haben uns mit Tommy Hilfiger arrangiert. Die waren sehr kooperativ und waren überhaupt nicht auf Schadenersatz aus. Der Grafiker Hanno Mayr hat das Logo so geändert, dass Hilfiger zufrieden war. Sie haben uns damals auch viel Erfolg mit dem neuen Online-Portal gewünscht. Das hat uns Glück gebracht. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="829439_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Wie groß war die Mannschaft damals?</b><BR />Ebner: In der Redaktion haben wir zu Beginn mit einem, aber einem sehr starken Journalisten begonnen, Armin Gatterer. Er hat Pionierarbeit geleistet. Wenn man heute seine damaligen Vorschläge für die Weiterentwicklung des Produktes liest, stellt man eine enorme Weitsicht fest. Die Redaktion wurde dann mit engagierten jungen Praktikanten aufgestockt – eben junge Menschen für ein junges Produkt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="829442_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: War die Technik auch so mager aufgestellt?</b><BR />Ebner: Beim Start eines Projektes muss man immer vorsichtig sein. Die Server, die Leitungen und die Betreuung der Programme lag bei der D.Net, die später zur Brennercom wurde. Es gab damals fast keinen Tag, an dem nicht eine Leitung oder ein Server ausgefallen ist. Es gab erst 20.000 Internetanschlüsse in Südtirol. Das war damals digitale Steinzeit. Um einen Artikel ins Netz zu stellen, musste man fast ein Computerstudium abgeschlossen haben. Die Hektik war groß. Es gab aber einen Mann der Athesia-Technik, der immer wieder Ruhe in die Redaktion gebracht hat: Paul Knoll.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="829445_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Und was war mit der Verwaltung, hatte die immer ein offenes Ohr für dieses neue Kind im Hause Athesia?</b><BR />Ebner: Vorstand und Aufsichtsrat von Athesia standen immer hinter dem Projekt. Unser Direktor Michl Ebner hat die Initiative vom ersten Tag an unterstützt. Der damals für die Zahlen zuständige Koordinator des Medienbetriebes, Josef Gatterer, war ein absoluter Glücksfall für STOL. Er war seit Beginn des Internetzeitalters im Netz. Die Chaträume waren schon damals hochinteressant. Natürlich anonym wurde da über Politik und alle anderen wichtigen Dinge des Lebens disputiert. Dort haben Gatterer und ich uns täglich zu später Stunde getummelt. Wir hatten verstanden, dass Online eine große Zukunft haben wird. Und Josef Gatterer hat die ersten Bausteine so gelegt, dass das Projekt erfolgreich wurde. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="829448_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Hatte STOL sofort den Durchbruch?</b><BR />Ebner: Der Anfang war schon zäh. Es gab im Jahr 1998 etwa 17.000 Impressions am Tag. Heute haben wir 1,7 Millionen.<BR /><BR /><BR /><b>STOL: Wie konnten die Zugriffe gesteigert werden?</b><BR />Ebner: Wir haben einen Mix von Information und Unterhaltung gesucht. Offensichtlich hat das gezogen. Zudem ist so wie für eine Lokalzeitung auch für ein lokales Online-Informations-Medium die lokale Nachricht wichtig. Und da sind wir bei Athesia mit der „Dolomiten“-Redaktion unschlagbar. Mit der Übernahme der STOL-Ressortleitung durch Eva Maria Bernhard im April 1998 haben wir eine Offensive in der „Dolomiten“ Redaktion gestartet. Von da an lieferten unsere Print-Redakteure auch für Online. Wir haben sehr früh verstanden, dass es nicht getrennte Redaktionen geben darf, sondern dass die Zusammenarbeit wichtig ist.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="829451_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: STOL war damals weit und breit eines der ersten Nachrichtenportale. Gab es auch Stimmen, die sagten, das würde niemals ein Erfolg? </b><BR />Ebner: Ja, gar einige. Es gibt immer Menschen, die technische Neuerungen ablehnen. Es reicht aber nicht, die Asche anzubeten. Wer weiterkommen will, muss sich trauen, die Fackel weiterzutragen. Wir haben uns sehr früh dazu ermutigt.<BR /><BR /><BR /><b>STOL: Nun, ein Vierteljahrhundert später, ist STOL das reichweitenstärkste Nachrichtenportal Südtirols. Welche Etappen würden Sie rückblickend als die wichtigsten ansehen? </b><BR />Ebner: Es gibt da eigentlich keine Etappen. Das ist wie eine Evolution. Was schlecht ist, verschwindet. Was gut ist, bleibt und verstärkt sich. Dieser Entwicklungsprozess wird nie aufhören, weil sich die Technik rasant weiterentwickelt. Einen ordentlichen Vorwärtsschub hat es mit dem Smartphone gegeben. <BR /><BR /><b>STOL: Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgskonzept von STOL?</b><BR /> Ebner: Frei nach Martin Luther: Den Leuten auf den Mund schauen, aber nicht nach dem Maul reden. Journalismus ist die Kunst, die Themen zu bringen, die den Leser interessieren. Das ist die tägliche Herausforderung für unsere Redaktion. Wie die Zahlen beweisen, haben wir tolle Journalisten, die täglich, stündlich und minütlich die Geschichten spielen, die die Südtiroler interessieren. Gute Journalisten sind das Erfolgsrezept!<BR /><BR /><b>STOL: Mit s+ hat STOL seit 2 Jahren auch ein Paywall-Angebot. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?</b><BR />Ebner: Qualitätsjournalismus kostet Geld, viel Geld. Diese Ausgaben müssen bezahlt werden. Es ist auf Dauer nicht möglich, dass man mühevoll recherchierte und gut aufbereitete Geschichten verschenkt. Dieser Trend hat weltweit eingesetzt. Auf fast allen Onlineportalen muss man jetzt für qualitätsvollen Inhalt bezahlen. <BR /><BR /><b>STOL: Wie wird dieses Angebot angenommen?</b><BR />Ebner: Sehr gut. Unsere Abonnentenzahlen steigen stetig an. <BR /><BR /><b>STOL: Online-Nachrichten werden immer wichtiger. Wie sehen Sie die Zukunft im Zusammenspiel digitaler Medien und klassischer Zeitungen – besonders auf lokaler Ebene?</b><BR />Ebner: Mit Online hat sich für die Zeitungen eine neue Welt eröffnet. Die gedruckte Zeitung bietet Texte und Bilder und das nur im beschränkten Ausmaß der vorhandenen und gedruckten Seiten. Mit der digitalen Ausgabe können wir zusätzliche Informationen wie Bilderstrecken, Videos, Audiodateien, Hintergründe, Dokumente usw. veröffentlichen. Die eingeschränkte Fläche engt die Redaktion nicht mehr ein und der Leser der digitalen Ausgabe hat noch mehr Inhalte zur Verfügung. <BR /><BR />  <BR /><b>STOL: Wird sich die Arbeit der Journalisten in den kommenden Jahren durch die digitale Transformation grundlegend verändern?</b><BR />Ebner: Gute journalistische Arbeit wird noch wichtiger sein. Das Netz ist leider mit falschen, tedenziösen und gezielt verfälschenden Nachrichten verseucht. Hier braucht es das Korrektiv des seriös arbeitenden Journalisten, der die Information auswählt, abwägt, prüft. Qualitätsjournalismus ist die Devise für die Zukunft. Der Leser muss sich auf die Inhalte verlassen können – bei stol kann er sich verlassen!<BR /><BR /><b>Zum 25. Jubiläum von STOL haben wir eine Reihe von Artikeln zusammengestellt, in denen Sie mit uns gemeinsam auf die vergangenen 25 Jahre zurückblicken können.</b><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/stol-wird-25-jahre-alt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Im Haupttext zum STOL-Jubiläum finden Sie einen kompakten Rückblick mit den wichtigsten Zahlen und Fakten aus 25 Jahren STOL.</a><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/stol-hat-es-in-sich-ehemalige-redakteure-berichten" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wenn Sie hier klicken, können Sie lesen, was ehemalige Redakteure über ihre Zeit bei STOL sagen.</a><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/interaktive-grafik-das-waren-25-jahre-stol" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier finden Sie eine interaktive Grafik, in der Sie alle wichtigen Schritte in der Entwicklung von STOL nachverfolgen können.</a><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/das-stol-team-stellt-sich-vor" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Sie möchten wissen, wer hinter den Kulissen täglich im Einsatz steht, damit Sie auf STOL alle wichtigen News finden? Dann klicken Sie hier.</a><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/testen-sie-ihr-wissen-im-grossen-stol-quiz-zum-25-jubilaeum" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Sie möchten Ihr Wissen testen? Dann stellen Sie sich den Fragen in unserem STOL-Quiz.</a><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/video/media/stol-redakteurin-der-1-stunde-erinnert-sich-an-die-anfaenge" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Im Videointerview berichtet die erste Ressortleiterin von STOL, Eva Bernhard, über die Anfänge von „Südtirol Online“.</a><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/video/media/geburtstagsvideos-prominente-gratulieren" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Zum 25. Jubiläum haben unterschiedlichste Persönlichkeiten aus Südtirol STOL Glückwünsche per Videobotschaft ausgerichtet.</a><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/video/media/geburtstagsvideos-glueckwuensche-aus-dem-ausland" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Ganz besondere Glückwünsche erreichten die Redaktion selbst vom anderen Ende der Erde.</a><BR /><BR />An dieser Stelle möchten wir ein großes Dankeschön an alle Leser und Abonnenten für die jahrelange Treue, Kritik und Unterstützung richten. <a href="https://www.stol.it/video/media/was-moegen-sie-an-stol" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Reporterin Alexandra Tötsch hat sich anlässlich des 25. Geburtstages von STOL in Bozen bei den Südtirolern umgehört, ob und warum sie STOL lesen.</a><BR /><BR />