Samstag, 29. August 2020

China-Masken beschlagnahmt

Paukenschlag in der sogenannten Masken-Affäre. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft haben Beamte der Carabinieri-Sondereinheit NAS gestern in den Lagern des Sanitätsbetriebes und der Krankenhäuser sämtliche aus China importierte Schutzausrüstung beschlagnahmt und abtransportiert. Beim Sanitätsbetrieb reagiert man mit Verwunderung.

Die Masken wurden beschlagnahmt.
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Die Masken wurden beschlagnahmt. - Foto: © DLife/RM
Hunderte von Kartons mit Schutzmasken und -anzügen stapeln sich seit gestern in einem Lager der Carabinieri in Auer. Den ganzen Tag über räumten NAS-Beamte Schutzmasken und -anzüge, die im März aus China angekauft worden waren, aus dem Lager des Sanitätsbetriebes in der Bozner Galvanistraße. Auch in den Lagern der Krankenhäuser wurde Schutzausrüstung abgeholt. Die Staatsanwaltschaft hatte im Zuge der Ermittlungen gegen Sanitätsgeneraldirektor Florian Zerzer und Oberalp-Geschäftsführer Christoph Engl beantragt, dass die vom Sanitätsbetrieb bestellte und von Oberalp in China vermittelte und zur Gänze vorfinanzierte Ware präventiv beschlagnahmt wird. Laut Antrag der Staatsanwaltschaft wolle man verhindern, dass Teile des Schutzmaterials verwendet und damit möglicherweise Gesundheit und Leben von Menschen in Gefahr gebracht werden.

Ausschlaggebend für die von Richter Emilio Schönsberg angeordnete Beschlagnahme der aus China stammenden Schutzausrüstung war für die Staatsanwaltschaft das Ergebnis, zu dem Amtsgutachter Giovanni Stella und dessen Kollege Sandro Lamicella gekommen waren. Sie hatten im Auftrag von Vorerhebungsrichter Peter Michaeler Stichproben der Maskenlieferung gemacht. Ihr Fazit: Die Masken seien durch die Bank als Covid-19-Schutz untauglich. Bei den Schutzanzügen hingegen sei ein Drittel tauglich, ein Drittel bedingt, ein Drittel untauglich.

„Bis auf die aseptischen Schutzanzüge, bei denen es nach wie vor Engpässe gibt, von denen wir aber derzeit nicht viele brauchen, haben wir schon bisher die gesamte beanstandete Ausrüstung unter Verschluss gehalten“, sagt Sanitätsgeneraldirektor Florian Zerzer. Er habe zudem immer klar gesagt, dass dieses Material erst dann wieder ausgegeben werde, wenn das INAIL grünes Licht dafür gebe.

Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus. Denn nun liegt auch für die aseptischen Anzüge ein negatives Gutachten vor. Dabei hatte das INAIL für deren Verwendung Anfang August noch grünes Licht gegeben. Seit gestern stellt sich die Frage nach deren Verwendung erst gar nicht mehr, denn sie sind, so wie Schutzmasken und -anzüge im Carabinieri-Lager unter Verschluss.

„Einen Engpass an Schutzausrüstung haben wir deswegen nicht“, reagiert Zerzer gelassen. „Wir sind gut ausgerüstet.“ Und bis auf aseptische Schutzanzüge sei derzeit auch alles Material gut erhältlich. „Und für den Ankauf einer größeren Menge an aseptischen Anzügen bereiten wir derzeit eine Ausschreibung vor“, so Zerzer.

d/em

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