<b>Von Othmar Parteli</b><BR /><BR />Geboren am 4. Juni 1604 als letztes von 9 Kindern des Großherzogs der Toskana <b>Ferdinando I.</b>, der mit 13 Jahren Kardinal geworden war, aber niemals die Priesterweihe empfing, und seiner Gemahlin <b>Christina von Lothringen</b>, erfuhr Claudia im Benediktinerinnenkloster Delle Murate ihre Erziehung. Am 29. April 1621 wurde sie dem künftigen Fürsten von Urbino, <b>Federico Urbaldo della Rovere</b>, verheiratet, dem sie am 1622 die Tochter <b>Vittoria</b> gebar. Federico starb bereits ein Jahr später, worauf Claudia als 19-jährige Witwe nach Florenz zurückkehrte.<BR /><BR />Etwa zur selben Zeit erwiesen sich die Polit-Verhältnisse in den habsburgischen Herrschaftsge-bieten verwirrend und gefährlich – der 30-jährige Krieg war schon lange im Gange –, als <b>Leopold</b>, am 9. Oktober 1586 in Graz geboren und Bruder des künftigen Kaiser <b>Ferdinand II.</b>, als künftiger Gubernator von Tirol in den Fokus politischer Überlegungen rückte. Für eine kirchliche Laufbahn bestimmt, war der jesuitisch erzogene Leopold bereits mit 12 Jahren Bischof von Passau (bis 1625), und zudem 1607 (bis 1626) auch Bischof von Straßburg geworden, obwohl er nur die Subdiakonatsweihe erhalten hatte, was jedoch einen Austritt aus dem <i>„geistlichen Stand …jederzeit“ </i>ermöglichte.<h3>1619: Leopold von Innerösterreich wird Regent in Tirol</h3>Nach dem Tod von <b>Kaiser Rudolf II.</b> (1612), der von Prag aus regierte und Leopold erfolglos als seinen Nachfolger favorisierte in der Absicht, seinen Bruder Matthias als Kaiser zu verhindern, und nach dem Tod eines weiteren seiner Brüder, <b>Maximilian</b> „des Deutschmeisters“, seit 1596 Gubernator von Tirol, der als Hochmeister des Deutschen Ordens auch dem geistlichen Stand angehört hatte, ward Leopold kraft dynastischer Gesetzmäßigkeiten plötzlich ausersehen für die Karriere als Landesfürst von Tirol in dessen territorialer Ausdehnung vom Zillerfluß bis ins Unterengadin und zum Gardasee, und als Regent von Vorderösterreich, das über den Bodenseeraum bis ins Elsass reichte. Rechtskraft erlangte diese Berufung durch den sogenannten <i>„gewaltbrief“</i> (Weiss) von Kaiser Matthias vom 14. Jänner 1619. <BR /><BR />Als Regent von Tirol und der vorderösterreichischen Lande konnte <b>Leopold V</b>. auf eine standesgemäße Ehe nicht verzichten. Da vermittelte seine Schwester <b>Maria Magdalena</b> (*1587), die durch ihre Heirat mit <b>Cosimo II. de Medici</b> Großherzogin der Toskana geworden war, indem sie ihrem Bruder ihre verwitwete Schwägerin Claudia als Gemahlin empfahl. Beiden sollte dies zum Vorteil gereichen: Leopold konnte sich <i>„von der reichen Mitgift“</i> seiner Künftigen <i>„eine Verringerung seiner Schuldenlast“</i> erhoffen und Claudia konnte sich zugutehalten, <i>„als erste Mediciprinzessin in das Kaiserhaus“</i> einzuheiraten.<BR /><BR />Aus Anlass des Heiligen Jahres 1625 unternahm Leopold eine Pilgerfahrt nach Rom, auf deren Wegstrecke er am 17. November 1625 Florenz einen Besuch abstattete. Die beiden begegneten sich im Palazzo des Klosters Della Crocetta. Zwei Tage darauf verließ Leopold Florenz, aber nicht ohne höherenorts vermeldet zu haben, dass ihm Claudia sehr gefalle, was umgekehrt auch vermerkt wurde.<BR /><BR />Leopold erreichte Rom am 6. Dezember, wo er Ehrengast von <b>Papst Urban VIII</b>. war. Dieser versetzte Leopold „im Interesse des Hauses“ in den Laienstand und erkannte ihm für ein weiteres Jahr alle <i>„Einnahmen aus den Bistümern Passau und Straßburg“</i> zu.<h3>19. April 1626: Fürstenhochzeit in Innsbruck</h3>Nach Vorlage der päpstlichen Dispens vom 18. Dezember 1625 stand einer Hochzeit nichts mehr im Wege. Leopold bestand auf Innsbruck als Austragungsort, um so die neue Landesfürstin der tirolischen Öffentlichkeit präsentieren zu können. Festgelegt wurde diese auf den 19. April 1626, auf morgen vor 400 Jahren, so wie heuer auch damals ein Sonntag, nicht jedoch bevor sie am 25. März 1626 im Dom von Florenz durch <b>Erzbischof Alessandro Marzi Medici</b><i>„per procuram“</i> durchgeführt worden war.<BR /><BR />Unmittelbar darauf begann der Brautzug nach Innsbruck, der in Ala an der Etsch tirolischen Boden erreichte und sich über Trient, Bozen, Sterzing und Matrei fortsetzte, wo Claudia in Begleitung ihrer Brüder <b>Carlo</b> (*1595, seit 1615 Kardinal), und <b>Lorenzo</b> (*1599) <i>„nebst vielen anderen Cavalieren und Damen“</i> (Josef Egger) am 18. April 1626 eintraf. Die Hochzeit am folgenden Tage sollte <i>„mit einem Prunke gefeiert“</i> werden, wie dies <i>„Tirol noch nie gesehen. Von allen Theilen des Landes strömten zur Feier Edelleute zusammen, die Zahl sämtlicher Gäste stieg auf 2400“</i> (Egger).<BR /><BR />Am Hochzeitsmorgen ritt der Bräutigam in Begleitung von ca. 500 berittenen Honoratioren, darunter <b>Paris Graf von Lodron</b>, Erzbischof von Salzburg, seiner Braut bis nach Wilten entgegen – dabei wurden <i>„alle Gloggen geleit“</i>, wie <b>Franz A. Sinnacher</b> in seiner Geschichte der bischöflichen Kirche Säben und Brixen in Tyrol, 8/299, schreibt, worauf der festliche Einzug in die Stadt, geschmückt durch <i>„drei prachtvolle Triumphbögen“</i>, bis hin zur Hofkirche erfolgte. An ihrem Hauptportal begrüßte der Bischof von Brixen <b>Hieronymnus Otto Agricola</b><i>„baide( ) Erzherzoglichen Personen“</i> und geleitete sie anschließend <i>„bis vor den hohen Altar“, </i>wo der Salzburger Erzbischof <i>„in Teutsch und welscher sprach“</i> (Sinnacher) die kirchlichen Ehezeremonien vollzog. Das fürstliche Hochzeitsereignis, das dem Innsbrucker Hof gewaltige finanzielle Belastungen bescherte, endete fünf Tage später, als beide Bischöfe Innsbruck wieder verließen, wobei der Großteil der illustren Gäste, darunter <i>„der welsche Hofstatt“</i> (Weiss) erst Anfang Mai abreiste.<BR /><BR />In den folgenden Wochen gab es ein dichtes Programm. Am 11. Mai erfolgte die Erbhuldigung der Tiroler Stände, zwischendurch besuchte das Fürstenpaar die nähere Umgebung. Am 9. Februar 1627 gebar Claudia <b>Maria Eleonore</b> und am 17. Mai 1628, den späteren Regenten Tirols, <b>Ferdinand Karl.</b><BR /><BR />Dazwischen unternahm das Regentenpaar immer wieder Erkundungsfahrten, es reiste im Juli 1627 nach Vorderösterreich und kam im Sommer 1628, begleitet von 170 Personen mit 150 Pferden, auch ins Eisacktal, wo Brixen, Klausen und Villnöß besucht wurden und im September ein Kurzaufenthalt auf Schloss Rodenegg eingelegt wurde, zu dem <b>Fortunat von Wolkenstein</b> eingeladen hatte.<h3>1632: Tod von Landesfürst Leopold </h3>Von Anfang an mühte sich das Paar – <i>„Claudia war eine fromme Fürstin</i>“ (Weiss) – um eine Festigung katholischer Einrichtungen im ganzen Land. So nahmen beide am 30. Mai 1627 an der Grundsteinlegung der Jesuitenkirche in Innsbruck teil, in deren Krypta sie ihre letzte Ruhestätte finden sollten, und wohnten am 15. März 1628 der Grundsteinlegung für das Franziskanerkloster in Reutte bei. Dazwischen kamen immer wieder Kinder zur Welt: am 16. August 1629<b>Isabella Klara</b> (Maria Eleonore war einige am 29. Juli 1629 gestorben), am 28. November 1630<b>Sigismund Franz</b> und am 6. April 1632<b>Maria Leopoldine</b>. Doch dann starb Leopold, wohl infolge strapaziöser Jagdunternehmen, am 13. September 1632 <i>„unter dem Beistande einiger Jesuiten und Franciscaner“</i> (Egger) in Schwaz. <BR /><BR />Nun war Claudia, gerade 28 Jahre alt, zum zweiten Mal Witwe. Leopold hatte bereits 1629 seinen letzten Willen testamentarisch beurkundet und festgelegt, dass Claudia im Falle seines verfrühten Abtritts und vorbehaltlich der Einwilligung seines Bruders, Kaiser Ferdinand II., die <i>„Administration in den Lannden“</i> (Weiss) wahrnehmen sollte bis Ferdinand Karl das 18. Lebensjahr erreiche.<BR /><BR />Es war dies eine erschreckende Zeit. Der Dreißigjährige Krieg steuerte einem weiteren Höhe-punkt zu. Am 29. Juli 1632 waren Truppen des Schwedenkönigs <b>Gustav Adolf</b> in Reutte einmarschiert – sie zogen sich alsbald aber wieder zurück –, doch Voraussetzungen für eine Verteidigung des Landes fehlten: Es gab kein Geld und keine Lebensmittel, es mangelte an Futter für die Pferde, es fehlten Waffen und Munition. Doch wider Erwarten trat eine gewisse Entspannung ein, denn in der Schlacht von Lützen am 16. November 1632 fiel der sehr gefürchtete König Gustav Adolf II.<h3>April 1633: Claudia wird offiziell Regentin in Tirol</h3>Ferdinand II. hielt sich an die testamentarische Vorgabe Leopold V. und setzte Claudia zur Regentin in Tirol ein. Er stellte ihr ein fünfköpfiges Ratskollegium zur Seite, dem u.a. auch der herrschsüchtige <b>Wilhelm Bien(n)er</b> angehörte, und beschwor dieses, <i>„der Erzherzogin den geziemden Respect nicht zu versagen und die Reinerhaltung der katholischen Religion und Sitte, den Schutz der Kirchen, Spitäler und Klöster und die Tilgung der Schulden sich vor allem angelegen sein zu lassen“</i> (Egger). Nach dem Tod des Kaisers (1637) erneuerte sein Sohn, <b>Kaiser Ferdinand III.</b>, die Regentschaft von Claudia.<BR /><BR />Claudia regierte mit kräftiger Hand, indem sie sich gezielt der Schaffung und der Reform vieler gesellschaftsrelevanter Segmente zuwandte – der Gerichtsbarkeit, dem Handel und der Wirtschaft, der öffentlichen Sicherheit, dem freien Warenverkehr, dem Bergbauwesen und der Budgetkonsolidierung. Dabei entwickelte sie bemerkenswert fortschrittliche Ideen, etwa im Bereich der Lebensmittelsicherstellung, wobei sie die Fischereiordnung in den Tiroler Gewässern neu regelte, zur Fleisch- und Milchvorsorge eine moderne Büffelaufzucht andachte und in den südlichen Landesteilen – im Raum Rovereto und in der Valsugana – die Entwicklung einer Seidenproduktion ins Auge fasste, die einige Generationen später tatsächlich im großen Stil Fuß fassen sollte. Sie stellte auch die Weichen für eine hoch entwickelte Brandvorsorge im Land und für eine schlagkräftige Lärmbekämpfung. <BR /><BR />Apropos Wirtschaft im heutigen Südtirol: Dafür erwiesen sich ihre am 15. September 1635 gewährten <i>„Privilegien für den Bozner Merkantilmagistrat“</i> als höchst bedeutungsvoll.<BR /><BR />Obschon die finanzielle Gesamtlage nicht rosig war, scheute Claudia keine Mühen, das Land an seiner verletzlichsten Flanke durch Befestigungsanlagen zu sichern. So entstanden der Festung Ehrenberg gegenüber das <i>„Fort St. Claudia“,</i> das heute noch, inzwischen eine Ruine, seine Mächtigkeit bekundet, und die <i>„Porta Claudia“, </i>eine Talsperre in Scharnitz, die heute ebenso eine Ruine ist.<BR /><BR />Der Hof in Innsbruck als repräsentatives Zentrum der Macht war zur Zeit Claudias stark italienischsprachig bestückt – für das Jahr 1645 sind an ihm 390 Personen nachgewiesen, darunter sehr viele Italiener, die hauptsächlich im Bereich der Bildenden Kunst, im Schauspiel, in der Musik, in der Literatur und in spiritualibus, aber auch in der Garten- und Küchenkunst, tätig waren. Claudia verfolgte zeitlebens auch das Ziel, Innsbruck in einen strahlenden Mittelpunkt des kulturellen Lebens, nach dem Vorbild von Florenz, zu wandeln, wovon heute noch wertvolle Kunstobjekte Zeugnis geben, in Innsbruck bei den Serviten und im Dom zu St. Jakob, in der Hofkirche, im Kapuzinerkloster und bei den Jesuiten, auswärts in der Karlskirche in Volders, in der Seekirche in Seefeld und in Maria Waldrast. Es sei hier daran erinnert, dass Claudia auch Leute wie <b>Johann Stadlmayr,</b> Hofkapellmeister, und <b>Matthias Burglechner,</b> Kartograph und Historiker, förderte.<h3>Herzensanliegen: Festigung der katholischen Kirche</h3>Claudia führte die Regentschaft mit kluger Hand, wobei sie das Katholische stets im Auge behielt, unbeschadet des Umstandes, dass in ihrer Zeit allerlei Zauberei und abergläubige Wahrsagerei zu entsetzlichen Ereignissen führten, etwa in Form von Hexenprozessen in Landeck, Kurtatsch und Karneid, in Mezzocorona und Lavis, im Ultental, auf dem Ritten und in Rodeneck, und dass der Umgang mit Juden Auswüchse zeitigte, die bis in die allerjüngste Vergangenheit emotional bewegten, so etwa die Geschichte von <b>Anderl von Rinn</b> und an den Kult, der sich in dieser Zeit um ihn herum entwickelte.<BR /><BR />Mit der Festigung des Katholischen im Lande steht auch die Gründung des Franziskanerklosters in Kaltern in Beziehung, das mitsamt einer neuen Kirche von 1640 bis 1643 auf den ruinösen Fundamenten der einstigen Burg der Rottenburger erbaut worden ist. Wohl aus Dankbarkeit und Wertschätzung der Landesfürstin gegenüber dürfte diese Kirche der Hl. Claudia geweiht worden sein. Im Interesse der Stärkung der katholischen Lehrmeinung ist schließlich auch die Einführung der Beichtzettel zu sehen.<BR /><BR />An die Landesfürstin Claudia de Medici erinnert sehr viel: die Claudiastraße/der Claudiaplatz in Innsbruck, eine Claudia-de-Medici-Straße in Bozen und eine in Meran. In der Gemeinde Mals, die Landesfürstin Claudia im Einvernehmen mit Kaiser Ferdinand III. am 13. Jänner 1642 in den Rang einer Marktgemeinde erhoben hat, ist ein Schulzentrum nach ihr benannt ist.<h3>Tod zu Weihnachten 1648</h3>Claudia tat auf dem <i>„Erbhuldigungslandtag“</i> vom 9. April 1646 in Innsbruck <i>„den im Einvernehmen mit dem Kaiser gefaßten Entschluß kund“</i> (Egger), ihrem Sohn Ferdinand Karl, inzwischen fast 18 Jahre alt geworden,<i> „die Regierung abzutreten“,</i> worauf drei Tage später in der Hofburg die Huldigung der Stände stattfand. Der 30-jährige Krieg befand sich zu dieser Zeit in der Zielgeraden. Als er im Oktober 1648 durch den Westfälischen Frieden sein Ende fand, war für die Fürstin klar, dass sie auch zwei ihrer Titel – „Landgräfin im Elsaß“ und „Herzogin von Burgund“ – abtreten musste, weil diese Gebiete in die französische Hemisphäre übergegangen waren. Ein ideeller Schmerz, den sie nicht mehr lange ertragen musste, denn gute zwei Monate später starb sie, am ersten Weihnachtsfeiertag. Ihre Beisetzung erfolgten in der Krypta der Jesuitenkirche. Seitdem ruht sie hier in einer Mauervertiefung unweit ihres Gemahls Leopold V.