Hier ein Gespräch mit Helene Dietl Laganda über Claudia de Medici, die Tirol und vor allem auch Mals nachhaltig geprägt hat.<BR /><BR /><b>Frau Dietl Laganda, wer war Claudia von Medici?</b><BR />Helene Dietl Laganda: Claudia de Medici stammte aus Florenz, war mit dem Herzog von Urbino verheiratet und hatte mit ihm eine Tochter. Als dieser starb, wurde sie zurückgeschickt nach Florenz. Über ihre Schwägerin, die Schwester von Erzherzog Leopold, wurde sie „vermittelt“ und ehelichte in zweiter Ehe Leopold. Leopold war bereits eingekleideter Bischof von Passau und Straßburg, allerdings ohne Weihen. Als Erzherzog Maximilian stirbt, kehrt Leopold nach Tirol zurück und führt dort die Habsburgerlinie weiter. Er braucht rasch eine Frau und hier kommen seine Schwester und Claudia ins Spiel.<BR /><BR /><b>Warum ist sie heute noch interessant, immerhin wurde ihr in Mals ein Abend gewidmet?</b><BR />Dietl Laganda: Als Leopold spürt, dass seine Tage gezählt sind, verfügt er über sein Testament, dass Claudia Tirol regieren soll, bis der gemeinsame Sohn Ferdinand volljährig ist. Dies war ein Novum für Tirol – eine Frau – und gegen die kaiserlichen Pläne. Claudia setzte sich durch und machte ihre Arbeit gut, vor allem aus Malser Sicht: Sie erhob Mals zum Marktflecken und erteilte dem Ort das Recht, den Gallus- und Georgimarkt abzuhalten. Dies war für Mals wirtschaftlich von Bedeutung, hatte der Ort doch während des 30-jährigen Krieges als Landsknechtsammelstelle Heere zu verköstigen, was wirtschaftliche Einbußen zur Folge hatte. Das Malser Wappen, das sie uns verlieh, setzt sich aus 2 Teilen zusammen: oben das Habsburger Wappen, unten drei Rubine auf Goldgrund bzw. die Hälfte des Medici Wappens. Der Abend entstand, da mich Sabina Mair kontaktierte, um eine Buchvorstellung zu organisieren. Das Volxteattr Oubrwind bzw. Hanspeter Plagg und Barbara Noggler haben auch mitgewirkt, ich habe für die Figuren Claudia und Leopold einen Text geschrieben.<BR /><BR /><b>Als Tiroler Landesfürstin hatte sie viele Entscheidungen zu treffen, welche davon würden Sie heute als die wichtigsten einstufen?</b><BR />Dietl Laganda: Sie hat die Tiroler Wirtschaft angekurbelt, lässt das Merkantilgebäude errichten, gilt als die „Erfinderin“ der Bozner Messe, wenngleich es eine Vorstufe davon war. Sie war sehr belesen, förderte Bildung und Kunst, war aber auch nicht zimperlich, wenn es darum ging, Urteile zu fällen, auch Todesurteile.<BR /><BR /><b>Wie beurteilen Sie Claudia von Medici aus heutiger, feministischer Sicht?</b><BR />Dietl Laganda: Aus feministischer Sicht ist es ihr durch ihre Bildung und die Ehe auf Augenhöhe mit Leopold gelungen, die Regentschaft Tirols zu erhalten und gut umzusetzen, in einer Zeit, in der man Frauen im Allgemeinen keine Geldgeschäfte zutraute und in der die wirtschaftliche Lage nicht gut war. Sie förderte dem Zeitgeist entsprechend die Marienverehrung, brachte aber auch neue Akzente in Mode und Esskultur nach Tirol sowie in die Tiroler Fasnacht. <BR /><BR /><b>Wenn Sie sich Frauen von heute aus Politik, Gesellschaft usw. anschauen – welche davon könnte am ehesten Claudia von Medici verkörpern?</b><BR />Dietl Lagand: Claudia verkörpert eine Frau, die in einer sehr unglücklichen Beziehung in Urbino gefangen war, durch den frühen Tod des ersten Mannes eine zweite Chance im Leben erhielt und dann bewiesen hat, dass starke Frauen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können und meistern können. Claudia mit einer Politikerin aus heutiger Zeit zu vergleichen, ist schwierig, weil die Ausgangsposition gänzlich anders ist. Dennoch zeigt sie uns, dass starke Frauen viel erreichen können und dass Aufgeben keine Option ist.