Ein Mordfall, der Italien vor 30 Jahren in Atem gehalten hatte, ist jetzt geklärt worden. Annalucia Cecere, eine ehemalige Lehrerin (57), ist wegen des Mordes an Nada Cella zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Die junge Sekretärin Cella war am 6. Mai 1996 in Chiavari bei Genua im Büro des Steuerberaters Marco Soracco, bei dem sie arbeitete, getötet worden.<h3> Mord aus Eifersucht</h3>Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft handelte es sich um eine Tat im Affekt: Cecere soll die 24-jährige Sekretärin getötet haben, weil sie angeblich deren Arbeitsplatz und die Zuneigung Soraccos anstrebte, den Cecere heiraten wollte. Der Steuerberater und seine Mutter Marisa Bacchioni sollen gelogen und die mutmaßliche Täterin gedeckt haben. Soracco, der unmittelbar nach dem Mord als Hauptverdächtiger galt, hat stets bestritten, Cecere geschützt zu haben.<BR /><BR />Die Richter des Schwurgerichts von Genua verurteilten auch den Steuerberater zu zwei Jahren Haft wegen Begünstigung. Die Staatsanwältin Gabriella Dotto hatte lebenslange Haft für Cecere sowie vier Jahre Haft für Soracco beantragt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1262172_image" /></div> <BR /><BR />Bei der Urteilsverkündung war die Angeklagte nicht im Gerichtssaal anwesend. Für sie wurde der erschwerende Umstand niedriger Beweggründe anerkannt, nicht jedoch jener der Grausamkeit. Sie soll aus Eifersucht, die um vier Jahre jüngere Nadia angegriffen und ermordet haben.<h3> Steuerberater kannte die Wahrheit, schwieg aber 30 Jahre lang</h3>Am 6. Mai 1996 suchte Cecere, die von der Anklage als Person mit äußerst schwierigem Charakter und traumatischer Vergangenheit beschrieben wurde, im Büro den Steuerberater auf, zu dem sie eine Beziehung hatte. Stattdessen traf sie dort auf Nada Cella. Die Sekretärin hatte die Anweisung Cecere nicht zum Steuerberater durchzulassen.<BR /><BR /> Als Nada an dieser Vorgabe festhielt, soll Cecere in einem Wutanfall – der laut Anklage völlig mit ihrem Temperament vereinbar war – die junge Frau angegriffen und mit einem Gegenstand getötet haben.<BR />Soracco habe Cecere überrascht, jedoch über den Mord geschwiegen. Die Gründe dafür seien vielfältig: die Angst vor einem Skandal, die Möglichkeit, von Cecere beschuldigt zu werden, sowie weitere Umstände, die aufgrund des Zeitablaufs im Dunkeln geblieben seien – darunter auch mögliche illegale Geldgeschäfte im Büro.<h3> Verteidigung will Berufung einlegen</h3>Die Verteidigung kündigte Berufung an. „Urteile kommentiert man nicht. Wir werden mit Sicherheit Berufung einlegen. Wir müssen die Begründung abwarten, aber ich kann nicht nachvollziehen, wie man zu einer solchen Entscheidung gekommen ist“, erklärten die Verteidiger der Verurteilten, Giovanni Roffo und Gabriella Martini, nach der Urteilsverkündung. Die 83-jährige Mutter Cellas, Silvana Smaniotto, die seit drei Jahrzehnte um Wahrheit in dem Mordfall kämpft, begrüßte das Urteil. „Jetzt kann ich in Frieden sterben“, sagte sie. <BR /><BR />Der Fall war 2021 nach einer erneuten Analyse der alten Akten durch die Kriminologin Antonella Delfino Pesce und die Anwältin der Familie Cella, Sabrina Franzone, wieder aufgerollt worden. Die Ermittlungen wurden von Staatsanwältin Gabriella Dotto wieder aufgenommen.<BR />Der Name der ehemaligen Lehrerin war bereits zur Zeit des Verbrechens aufgetaucht. Sie war fünf Tage lang unter Ermittlungen gestanden, bevor das Verfahren gegen sie zunächst eingestellt wurde.