Es ist ein Jubiläum, das seinem Wortstamm nicht entspricht, denn zum Jubeln gibt es nichts. Vor fünf Jahren stand Südtirol kurz vor dem Lockdown, mit Ausgangssperren, Schulschließungen, Masken- und Impfpflicht. Die meisten von uns sind einfach nur froh, dass dies nun alles vorbei ist und blicken auf die Covid-19-Pandemie wie auf ein weit entferntes, unwirkliches Kapitel des eigenen Lebens. <BR /><BR />„Klappe zu, Affe tot“ also? Dies ist nicht die beste Art der Vergangenheitsbewältigung. Denn – das sagen die Virologen – die nächste Pandemie kommt bestimmt. Und auf diese sollten wir besser vorbereitet sein. Es ist deshalb folgerichtig, dass das Land Südtirol eine Studie in Auftrag gegeben hat, um die Corona-Zeit aufzuarbeiten und ihre Folgen zu beleuchten. <h3> „Es ist sinnvoll, die restriktiven Maßnahmen während der Pandemie auf den Prüfstand zu stellen“</h3>In der Prämisse wird sogar ein hehrer Wunsch als Ziel formuliert: „um entstandene Gräben zu überwinden und den sozialen Frieden zu fördern.“ Kann dies gelingen? Die Erwartungen an die Eurac-Studie gehen bei Befürwortern und Kritikern der Covid-Maßnahmen diametral auseinander. <BR /><BR />Es ist sinnvoll, die restriktiven Maßnahmen während der Pandemie auf den Prüfstand zu stellen. War es etwa nötig, die Schulen zu schließen oder Spielplätze abzusperren? In der Nachbetrachtung würde die Politik manche Maßnahme heute wohl anders setzen. Basis für diese Art der Aufarbeitung ist jedoch die Grundannahme, dass Wissenschaftler und Politiker nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben. <h3> „Die Impfkritiker erwarten sich von der Eurac-Studie das Jüngste Gericht“</h3>Die Impfkritiker hingegen erwarten sich von der Eurac-Studie keine Aufarbeitung im Sinne eines Lernprozesses, sondern das Jüngste Gericht oder zumindest ein Tribunal im Stile der französischen Revolution.<BR /><BR /> Da muss Blut fließen, müssen Köpfe rollen. Sie unterstellen den Akteuren während der Pandemie eben nicht den „guten Willen“, sondern das genaue Gegenteil: böse Absichten, sadistische Tendenzen, Verschwörungen für die Profitgier von Pharmakonzernen. <h3> „Heute gibt es ,alternative Fakten', die man früher schlichtweg Unfug genannt hätte“</h3>Selbst eine Kollegin vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk verstieg sich neulich in einem Interview zum Thema zu der – wie ich finde – despektierlichen Frage, ob es in puncto Unabhängigkeit wohl gescheit sei, Eurac Research mit der Studie zu beauftragen. So als sei diese Forschungseinrichtung dazu da, Gefälligkeitsgutachten für ihre Auftraggeber zu erstellen.<BR /><BR />In dieser Frage zeigt sich die Crux der ganzen Problematik: Seit Corona ist für manche Menschen Wissenschaft nicht mehr Wissenschaft, sind Fakten nicht mehr Fakten. Heute gibt es „alternative Fakten“, die man früher schlichtweg Unfug genannt hätte.<BR /><BR /> Und so ist diese Studie zu den Auswirkungen der Pandemie zwar wichtig, um es das nächste Mal besser zu machen. Die Gräben zuschütten zwischen Impfbefürwortern und -kritikern wird sie wohl nicht.<BR /><BR /> <a href="mailto:klaus.innerhofer@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">klaus.innerhofer@athesia.it</a><BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/tag/Kommentar" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Alle Kommentare und Analysen finden Sie hier. </a></b>