Dienstag, 28. April 2020

Corona-Krise verzögert Unfall-Gutachten

Eigentlich hätten am Montag die technischen Gutachter U-Richter Emilio Schönsberg ihre Erkenntnisse zum Verkehrsunfall von Luttach, der am 5. Jänner 7 Menschenleben und 10 teils schwer Verletzte gefordert hat, vorlegen sollen: Doch die Corona-Krise hat die Fertigstellung der Expertisen verzögert. Der Unfalllenker Stefan Lechner steht indes weiter im Kloster Neustift unter Hausarrest.

Der Unfallwagen von Stefan Lechner.
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Der Unfallwagen von Stefan Lechner. - Foto: © Carabinieri Bozen
Der U-Richter hat das Beweissicherungsverfahren, bei dem der Amtssachverständige und die Parteiengutachter ihre jeweiligen Erkenntnisse diskutieren sollten, auf nach den 11. Mai vertagt. Erst dann wird nämlich damit gerechnet, dass in alle Gerichtssäle wieder Normalbetrieb einzieht. Wie dieser aussehen wird, ist zwar vorerst nicht klar – genau wie vor der Corona-Krise wird es aber sicher nicht sein, denn Justitia wird die Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen selbstredend penibel einhalten.

In den vergangenen Wochen wurde noch stärker als vorher auf telematische Übermittlung von Dokumenten gesetzt, Haftprüfungen liefen über Videoschaltung ins Gefängnis ab, und alle nicht absolut dringlichen Verfahren wurden vertagt. Einige der inzwischen erprobten Arbeitsweisen könnten durchaus weiter aufrecht bleiben.

Gutachten sollen Details klären

Hinzu kam, dass im Fall Luttach die Corona-Ausgangssperre den Gutachtern, die von außerhalb Südtirols kommen, einen Strich durch die Rechnung machte. Der Sachverständige und die Parteiengutachter hätten ihre Erkenntnisse bis zum 20. April auswerten und sie am Montag bei der Verhandlung Richter Schönsberg vorlegen sollen.

Doch die Experten hatten nach einem ersten kurzen Lokalaugenschein am Unfallort und beim Wrack von Stefan Lechners Audi TT noch am Tag ihrer Beauftragung Ende Jänner keine Gelegenheit mehr, den Wagen bzw. den betreffenden Straßenabschnitt in Luttach detailliert unter die Lupe zu nehmen bzw. zu vermessen. Durch die Vertagung wurde die Frist zur Hinterlegung der Gutachten verlängert.

Abgeklärt werden soll sowohl der Unfallhergang und die Geschwindigkeit des Audi TT als auch, wo die Unfallopfer auf der Straße standen, als sie erfasst wurden. Die Ermittlungen gegen Stefan Lechner laufen indes weiter, ihm werden fahrlässige Tötung im Straßenverkehr („omicidio stradale“) und fahrlässige schwere bzw. schwerste Körperverletzung im Straßenverkehr zur Last gelegt.

d/rc