Freitag, 20. November 2020

Corona-Massentests in Österreich starten am 5./6. Dezember

Österreich öffnet im Kampf gegen die Pandemie ein neues Kapitel: In zwei Wochen beginnen erste Corona-Massentestungen. Am Wochenende vom 5./6. Dezember und somit zum geplanten Ende des harten Lockdowns können sich alle 200.000 Lehrer und Kindergartenbetreuer in Österreich testen lassen. Am Montag und Dienstag folgen dann 40.000 Polizisten. Kurz vor Weihnachten ist eine Testreihe für die gesamte Bevölkerung geplant. Die Teilnahme an all diesen Tests ist freiwillig.

Die Tests auf Covid-19 werden massiv ausgeweitet.
Die Tests auf Covid-19 werden massiv ausgeweitet. - Foto: © ERWIN SCHERIAU
Die Regierung geht aber von einer großen Beteiligung aus und hat bereits sieben Millionen Antigen-Tests für 50 Millionen Euro bestellt, weitere Bestellungen sind in Planung. Zur Anwendung kommen Produkte der Firmen Roche (vier Millionen Tests) und Siemens (drei Millionen Tests). Die zentrale Abwicklung und Steuerung der Massentests liegt beim Bundesheer und dem Gesundheitsministerium. Das Verteidigungsressort befinde sich bereits intensiv in den Vorarbeiten zur logistischen und organisatorischen Abwicklung der Tests, hieß es in einem Medienpapier der Regierung am Freitag.

Insgesamt wird das Bundesheer mit mehreren tausend Soldaten die Abwicklung unterstützen. Daneben werden auch noch die Gesundheitsbehörden, Blaulichtorganisationen, Feuerwehren sowie freiwillige Helfer im Einsatz sein.

Die Probenentnahmen werden ausschließlich von geschultem Gesundheitspersonal durchgeführt. Dazu werden die Gesundheitsbehörden gemeinsam mit dem Bundesheer und den Rettungsorganisationen entsprechende Mitarbeiter bereitstellen und zusätzliches Personal schulen. Das Ergebnis eines Antigen-Tests liegt nach rund 15 Minuten vor. Wo diese stattfinden und wie sie im Detail ablaufen werden, ist noch in Planung, hieß es aus dem Verteidigungsressort.

Welche Altersgruppen getestet werden sollen, ist auch noch nicht restlos geklärt. Im Gespräch sind Tests ab zehn Jahren, ähnlich wie in der Slowakei, die als erstes Land Massentest für die Bevölkerung durchgeführt hat. Dabei haben Soldaten des österreichischen Bundesheeres geholfen und können ihre Erfahrungen nun in Österreich nutzen.

Zur Vorbereitung der Massentests vor Weihnachten werden ebenfalls in der ersten Dezemberwoche in ausgewählten Gemeinden mit hohen Inzidenzwerten Gratis-Testungen der Bevölkerung durchgeführt. Zu Beginn des neuen Jahres ist eine zweite Massentest-Reihe im ganzen Land geplant, gab die Regierung am Freitag bekannt. Zudem erfolgt seit Wochen der Ausbau der Screening-Programme mit dem Schwerpunkt „Schutz der Alten- und Pflegeheime“. Es wurden bereits 315.000 Tests ausgeliefert, weitere drei Millionen sind für ein engmaschiges Testnetz in den Alters- und Pflegeheimen gesichert.

Die Regierung hofft, durch Massentest weitere Lockdowns zu verhindern. „Einige Minuten für einen Test können einige Wochen Lockdown des ganzen Landes verhindern“, warb Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) um Verständnis für das Vorgehen der Regierung und bat die Bevölkerung um Unterstützung: „Wir bitten die gesamte Bevölkerung, dieses bundesweite Projekt zu unterstützen und sich daran zu beteiligen. Diese Massentests sind bis zur Impfung eine große Chance für Österreich, den Weg zur Normalität zurückzufinden.“

Kurz hat kein bestimmtes Ziel, ab welchem Prozentsatz die Massentests als Erfolg gewertet werden können. „Je mehr mitmachen, desto besser und desto mehr haben wir davon“, sagte er. Laut Umfragen seien weit mehr als die Hälfte bereit, sich testen zu lassen.

Intensive Testungen, Screenings und Massentestungen können ein probates Mittel zur Pandemiebekämpfung sein, entscheidend sei aber, dass durch die Tests kein falsches Sicherheitsgefühl entsteht, „sondern dass sie nicht als Ersatz, sondern als zusätzliche Maßnahme zu Abstand, Mund-Nasen-Schutz und Hygiene angenommen werden“, ergänzte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Die Gesundheitsreferenten der Bundesländer fordern indes rasch ein Konzept bezüglich der Massentests und den parallelen Ausbau der Infrastruktur. „Mit der aktuellen, extrem belasteten Struktur von Personal über Logistik bis hin zu IT wird das nicht machbar sein“, sagte der Salzburger LHStv. Christian Stöckl (ÖVP). So müsse sichergestellt werden, dass die Teststraßen in den Gemeinden, die Laborkapazitäten und die Logistik bis hin zum Contact Tracing ausgebaut werden. Zudem müssen die elektronischen Daten- und Meldesysteme verknüpft werden, damit eventuelle Corona-Cluster rasch erkannt werden können. „Wir werden alle Hände voll zu tun haben, diese Strukturen aufzustellen“, sagte Stöckl.

Auch für die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) stellen sich noch viele Fragen. Wer nimmt etwa die Abstriche? Welches Personal hat die Kompetenz, die Diagnose zu stellen? Wie geht man mit dem Contact Tracing und den Absonderungsbescheiden um? „Es wird wohl nicht mehr möglich sein, für jeden positiven Fall eine behördliche Absonderung zu machen“, sagte Bogner-Strauß und schlug eine automatische Absonderung vor. Wie eine solche aussehen könnte, müsse aber noch geklärt werden.

apa