Mittwoch, 25. März 2020

Widmann: „Irgendwann kommen auch wir an ein Limit“

Am Mittwoch fand erneut eine virtuelle Pressekonferenz im Palais Widmann in Bozen statt. Diesmal informierten Landeshauptmann Arno Kompatscher, Gesundheitslandesrat Thomas Widmann sowie der stellvertretende medizinische Einsatzleiter Patrick Franzoni über die aktuelle Lage und die neuesten Entwicklungen im Bereich Gesundheit.

Der stellvertretende medizinische Einsatzleiter Patrick Franzoni, Landeshauptmann Arno Kompatscher und Gesundheitslandesrat Thomas Widmann informierten über die aktuelle Lage.
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Der stellvertretende medizinische Einsatzleiter Patrick Franzoni, Landeshauptmann Arno Kompatscher und Gesundheitslandesrat Thomas Widmann informierten über die aktuelle Lage. - Foto: © screenshot
Gesundheitslandesrat Thomas Widmann begann mit einem Überblick über die aktuellen Daten. Es wurden im vergangenen Tag 436 Abstriche untersucht und ausgewertet, bei 47 davon wurde ein positives Ergebnis festgestellt. Insgesamt wurden in Südtirol bereits 7067 Abstriche ausgewertet, wovon 836 positive waren. 208 Covid-Patienten werden in normalen Krankenhäusern untergebracht, in Intensivbehandlung befinden sich derzeit 49 Patienten. Es gab bisher 45 Todesfälle. Aktuell befinden sich 2258 Personen in häuslicher Isolation.

Irgendwann kommen auch wir an unsere Grenzen“

Man habe in Südtirols Krankenhäusern seit Beginn der Epidemie von knapp über 30 Intensivbetten auf über 70 Betten aufgestockt. „Jedoch haben wir nicht unbegrenzte Ressourcen. Irgendwann kommen auch wir an ein Limit, falls die Kurve nicht flacher wird. Die Kurve muss gebrochen werden. Die nächsten 2 bis 3 Tage sind entscheidend“, so Widmann. Südtirol habe heute dieselben Daten wie die Lombardei vor 2 Wochen. Doch man sei voller Hoffnung.

Auch der stellvertretende medizinische Einsatzleiter Patrick Franzoni betonte, dass man langsam an die Grenzen komme. Momentan sei die Kapazität zwar noch nicht ausgelastet, aber mit 80 – 90 Intensivpatienten wird es bereits kritisch. „Ich appelliere an die ganze Bevölkerung: Versuchen Sie, die Maßnahmen einzuhalten.“ Man solle sich weiterhin die Hände waschen und einen Mundschutz tragen, damit man nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen schütze. „Wenn das alle einhalten, sind wir im Stande, die Welle zu brechen.“

Landeshauptmann Kompatscher schloss sich diesen eindringlichen Appellen an. Es gehe darum, dass wir jetzt durchhalten. „Südtirol ist ein starkes Land, es heißt zusammenhalten. Wir werden das stark gemeinsam durchstehen“, so der Landeshauptmann.

Tests ausweiten, soweit es möglich ist

Auf die Frage, ob bei uns auch an eine Ausweitung der Corona-Tests gedacht wird, wie sie nun im Veneto durchgeführt wird, antwortete Franzoni, dass versucht werde, auch hier die Tests zu erweitern. Das Labor arbeite jedoch auf Hochtouren, um die Tests auszuwerten. Man habe die Tests bereits erweitert, von anfangs 30 bis 40 Tests am Tag bis mittlerweile 700 bis 800. Laut Widmann werde versucht, die Tests auszuweiten soweit es möglich ist.

Unterstützung für Unternehmen

Kompatscher lobte die Zusammenarbeit der Euregio, deren Ergebnisse beispielsweise in den gegenseitigen Hilfsmaßnahmen zu erkennen seien: Unter anderem die Unterstützung durch Österreich, Schutzmasken und Schutzkleidung nach Südtirol zu bringen. Der Landeshauptmann betonte zudem, dass man zu verhindern versuche, dass Unternehmen aufgrund der Coronakrise Insolvenz anmelden müssen. „Wir helfen, indem wir Zahlungen an die öffentliche Verwaltung aufschieben.“ Dies sei die erste Phase der Hilfsmaßnahmen. In der zweiten Phase, welche in Vorbereitung ist, gehe es darum, Unterstützung zu gewähren.

Den obdachlosen Menschen wolle man zu einem Dach über dem Kopf verhelfen. Dazu werden laut Kompatscher das Ex-Alimarket-Gebäude in Bozen, aber auch mehrere weitere Strukturen zum Einsatz kommen.

Da nach wie vor Unklarheiten bestehen, was die Eigenerklärung betrifft, kündigte der Landeshauptmann ein klärendes Rundschreiben an.
Ob die Schulen in diesem Schuljahr noch geöffnet werden, beantwortete Kompatscher damit, dass er es zwar hoffe, es aber von den weiteren Entwicklungen abhänge. „Wir wünschen uns, dass wir nach den Osterferien wieder schrittweise mit unserem gewohnten Leben anfangen können, aus heutiger Sicht können wir es aber noch nicht sagen.“

Alle Artikel sowie die Übersichtskarten der Lage in Südtirol, in Italien und weltweit mit allen aktuellen Zahlen in Sachen Coronavirus finden Sie hier.



stol