Freitag, 26. Juni 2020

Corvara: Hüttenwirt rettet jungem Urlauber das Leben

Riesiges Glück hatte am Dienstag, wie das Tagblatt „Dolomiten“ berichtet, ein junger Mann aus Deutschland: Er rutschte beim Abstieg von der Pisciadùhütte aus und blieb mit einem Beckenbruch im Schneefeld liegen. Nur durch Zufall war Hüttenwirt Renato Costa vor Ort, er hörte die Schreie und alarmierte die Rettungskräfte.

Der Abstieg von der Pisciadùhütte durch das Val Setus  ist steil und kann, wenn viel Schnee liegt, ganz schnell gefährlich werden.
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Der Abstieg von der Pisciadùhütte durch das Val Setus ist steil und kann, wenn viel Schnee liegt, ganz schnell gefährlich werden. - Foto: © sch
Nach einem Sturz mit gebrochenem Becken, in kurzen Hosen, allein und ohne Handyempfang abends auf über 2500 Metern Höhe auf einem Schneefeld liegen bleiben: Das ist wohl der Alptraum jedes Wanderers. Einen jungen Urlauber aus Deutschland hätte diese Situation am Dienstag das Leben kosten können – wäre da nicht Renato Costa gewesen.

Costa ist Wirt der Pisciadùhütte. Am Dienstag war er für Vorarbeiten zur Öffnung dort – das Schutzhaus ist noch geschlossen – und wollte gegen 19 Uhr ins Tal absteigen, als er Hilferufe hörte: „Ein junger Mann – wohl Mitte 20 – war im Val Setus 100 Meter weit über ein Schneefeld abgerutscht“, berichtet Costa. „Er war über den Pisciadùklettersteig aufgestiegen und noch kurz vorher an der Hütte vorbeigekommen, hatte auch gegrüßt.“

Durch das Val Setus führt einer der Abstiege von der Pisciadùhütte nach Corvara bzw. zum Grödner Joch. Das Tal ist steil und heuer noch schneebedeckt. „Der junge Mann war sehr spät und allein unterwegs, hatte Musik gehört, war wohl kurz unaufmerksam, ist gestolpert und 100 Meter weit über das Schneefeld abgerutscht“, berichtet Costa. Zu allem Unglück blieb er in einem Funkloch liegen.

Mit Beckenbruch, Verletzungen am Knie und am Knöchel hätte er sich nicht einmal mehr weit genug schleppen können, um einen Notruf abzusetzen, glaubt Costa: „Der Schutzengel hat mich geschickt. Ich glaube nicht, dass er die Nacht überlebt hätte. Er hat am ganzen Körper gezittert, als ich ihn gefunden habe.“

Costa blieb eine Dreiviertelstunde lang beim Verunglückten

Renato Costa gab dem Verunglückten seine Jacke, suchte eine Stelle mit Handyempfang und alarmierte die Bergrettung. „Ich bin eine Dreiviertelstunde lang bei dem jungen Mann geblieben, bis der Hubschrauber gekommen ist“, sagt Costa: Die Mannschaft aus Alta Badia kam mit dem Rettungshubschrauber Pelikan 2, an Bord auch ein Notarzt.

„2 Bergretter und der Arzt haben sich abgeseilt, eine Schmerztherapie eingeleitet, den Verletzten in einen Vakuumsack gepackt und an Bord gezogen“, berichtet Fabian Oberbacher, der Leiter der Bergrettung Alta Badia. Der Hubschrauber brachte den verletzten Bergsteiger dann ins Brixner Krankenhaus. „Eine Nacht mit einem Polytrauma auf einem Schneefeld zubringen – das kann lebensbedrohlich sein“, weiß auch Oberbacher.



„Am Mittwoch hat der Mann mich angerufen und sich bedankt“, sagt Renato Costa. „Er muss jetzt noch am Knöchel operiert werden; ob er das in Brixen macht oder daheim in Deutschland, steht noch nicht fest.“

Für alle Wanderer, die zur Pisciadùhütte wollen beziehungsweise von ihr zurück ins Tal, hat der Wirt eine Empfehlung: „Gehen Sie durch das Mittagstal. Dieser Weg ist derzeit besser.“

kn

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