Sonntag, 14. Mai 2017

„Costa Concordia“ – Bruder eines Opfers telefonierte mit Schettino

Kevin Rebello, Bruder eines indischen Kellners, der beim Unglück des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ vor fünf Jahren ums Leben gekommen ist, hat mit dem Ex-Kapitän Francesco Schettino nach dessen rechtskräftiger Verurteilung zu 16 Jahren Haft am Freitag telefoniert.

Foto: © APA/AP

„Es hat ihn gefreut“, sagte Kevin Rebello nach italienischen Medienangaben vom Sonntag.

„Ich habe Schettino, kurz nachdem das rechtskräftige Urteil verkündet wurde, angerufen. Ich dachte daran, dass Schettino eine Familie, eine Tochter hat, die er jetzt verlassen muss. Mein Anruf hat ihn gefreut. Ich werde ihn im Gefängnis besuchen“, berichtete Rebello.

Die Leiche seines Bruders Russel war die letzte, die aus dem Schiff geborgen wurde. Erst am 3. November 2014, fast drei Jahre nach dem Unglück, wurde der Körper des Kellners im Wrack der „Costa Concordia“ gefunden.

Der Offizier der italienischen Küstenwache, Gregorio De Falco, der in der Unglücksnacht vergebens versucht hatte, Schettino nach der Havarie zur Rückkehr an Bord zu bewegen, bedauerte die Verurteilung des Kapitäns vom menschlichen Standpunkt aus, hält das Urteil jedoch für fair. Schettino sei für die Havarie verantwortlich, das sei unbestreitbar.

Die Reederei Costa Crociere habe jedoch nicht auf effiziente Weise zur Rettungsaktion beigetragen, argumentierte De Falco.

Zu 16 Jahren Haft verurteilt

Das Oberste Gericht in Rom hatte am Freitagabend die erst- und zweitinstanzlichen Strafen von 16 Jahren bestätigt, zu denen Schettino 2015 und 2016 verurteilt worden war. Schettino, der nach dem Unglück im Jänner 2012 einige Tage in Untersuchungshaft und fast sechs Monate unter Hausarrest verbracht hatte, wurden mehrfache fahrlässige Tötung, vorzeitiges Verlassen des Schiffes während der Evakuierung, Verursachung von Umweltschäden und Falschangaben an die Behörden vorgeworfen.

Der Ex-Kapitän trat noch am Freitag seine Strafe im Rebibbia-Gefängnis in Rom an.

Die „Costa Concordia“ hatte im Jänner 2012 vor der Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 der mehr als 4.200 Menschen an Bord kamen ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 Österreicher, die sich alle retten konnten.

apa

stol