Mittwoch, 04. November 2020

Corona bringt Weiß-Kreuz-Retter in Bedrängnis: Bis zu 50 Einsätze am Tag

Im „Dolomiten“-Interview gibt Weiß-Kreuz-Direktor Ivo Bonamico Einblick in die täglichen Herausforderungen und die Flexibilität der Mitarbeiter, Freiwilligen und Zivildiener im Umgang damit.

Weiß-Kreuz-Direktor Ivo Bonamico  im Interview.
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Weiß-Kreuz-Direktor Ivo Bonamico im Interview. - Foto: © DLife
In voller Schutzausrüstung steigen 2 Sanitäter aus dem Rettungswagen und holen einen Patienten ab, um ihn ins Krankenhaus zu bringen: Er hat Atembeschwerden, hohes Fieber, der Gesamtzustand ist schlecht. Bis zu 50 Mal pro Tag wird dieser Ablauf derzeit verzeichnet. „Diese Werte hatten wir zuletzt im April“, sagt Weiß-Kreuz-Direktor Ivo Bonamico.

„Dolomiten“: „Wir befinden uns mittlerweile erneut in der Situation, in welche wir nicht zurückkehren wollten“: Mit diesen Worten leitet das Weiße Kreuz einen neuerlichen Appell an die Bevölkerung auf Facebook ein. Wie stark ist das Einsatzvolumen denn gestiegen?

Ivo Bonamico: Im Jahresdurchschnitt wickeln wir täglich rund 170 Rettungseinsätze ab. Der Anteil an Covid-19-Einsätzen bzw. Verdachtsfällen ist seit Mitte September deutlich angestiegen, letzte Woche hatten wir Werte, wie wir sie im März und April hatten. Waren es Anfang September noch zwischen 2 und 5 Covid-19-Einsätze täglich, so waren es Anfang Oktober bereits zwischen 15 und 25 Einsätze. In den vergangenen Tagen waren es schließlich zwischen 45 und 50 Covid-19-Einsätze täglich – die Verdachtsfälle sind immer eingerechnet.

„D“: Wie viele Rettungswagen sind dann täglich unterwegs?

Bonamico: Die Anzahl der Rettungswagen ist gleich geblieben, wir haben allerdings bei unseren Stützpunktsektionen einige zusätzliche Einsatzmittel für Covid-19-Transporte bereitgestellt und längere Schichten eingeplant. Damit können wir flexibel auf die Lage reagieren und sowohl im Bereich Rettungsdienst als auch Krankentransport zusätzliche Einsätze oder Verlegungen zügig abarbeiten.

„D“: Haben Sie dann zusätzliches Personal eingestellt? Oder können Sie vermehrt auf Freiwillige zählen? Die Zivildiener sind vermutlich für Covid-Transporte nicht einsetzbar...

Bonamico: Die Einsatzlage ist derzeit eine außergewöhnliche: Einerseits besteht derzeit noch ein erhöhter Bedarf an Krankentransporten, da auch noch Visiten, die wegen des Lockdowns im Frühling verschoben wurden, durchgeführt werden. Zugleich haben wir aber auch den Mehraufwand bei den Covid-Transporten. Wir reagieren darauf mit Personalerhöhungen, aber bis die laufenden Stellenausschreibungen greifen, müssen wir die derzeitige Situation so gut als möglich überbrücken. Wir können hier auf die selbstlose Unterstützung unserer Freiwilligen zählen, die – wie bereits im Frühjahr – außerordentliche Turnusse übernehmen und erneut beweisen, dass sie das wertvolle Fundament des Vereins sind. Unsere freiwilligen Zivildiener werden vorrangig im Krankentransport eingesetzt. Aber auch dort steht der Kontakt mit Covid-19-Patienten an der Tagesordnung. Zivildiener haben die Möglichkeit, ihren Dienst aufgrund des Risikos zu unterbrechen. Allerdings haben unsere Zivis bisher fast vollzählig ihren Dienst weitergeführt und sich mit viel Engagement und Motivation eingebracht.

„D“: Wie lange dauert die Desinfektion eines Rettungsmittels nach einem Covid-Einsatz?

Bonamico: Die Desinfektion einer Ambulanz dauert zwischen 20 und 30 Minuten. Dank einer guten Ausbildung, modernen Desinfektionsmaschinen und viel Routine kennen die Mitarbeiter den Ablauf und unterstützen sich auch gegenseitig.

„D“: Tragen die Mitarbeiter den Schutzanzug dann den ganzen Tag über?

Bonamico: Es ist nicht vorgesehen, dass ein Schutzanzug über einen ganzen Turnus getragen wird. Im Gegensatz zum Krankenhauspersonal in den Covid-Stationen sind unsere Covid-Einsätze zeitlich begrenzt und, abhängig von der Nähe zum Krankenhaus, in 30 Minuten bis eineinhalb Stunden abgewickelt. Anschließend wird der Schutzanzug entsorgt. Bei einem nächsten Einsatz wird ein neuer Schutzanzug angezogen.

„D“: Werden alle, die Covid-Einsätze durchführen, regelmäßig getestet?

Bonamico: Wir verfügen über einen eigenen Testablauf für unsere Mitarbeiter. Dieser wird für alle Freiwilligen und Angestellten angewandt, unabhängig davon, ob sie Covid-Einsätze durchführen oder nicht. Aus unseren Erfahrungen im Frühjahr wissen wir nämlich, dass unsere Mitarbeiter im Rettungsdienst nicht einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind als andere Menschen. Ganz im Gegenteil: Das Infektionsrisiko im privaten Umfeld sowie im Alltag ist um einiges höher. Unseren Mitarbeitern bieten wir bei Symptomen ein schnelles und unkompliziertes Testverfahren an. Damit garantieren wir Sicherheit im Dienstumfeld sowie auch im Privatleben.

Interview: Ulrike Huber

d