Mittwoch, 24. März 2021

Maske, Maßnahmen und mehr: So lebt Südtirol mit dem Coronavirus

Halten sich die Südtiroler an die Corona-Regeln? Wie groß ist die Sorge, sich mit dem Virus zu infizieren? Und was halten die Südtiroler von der Impfung? Ein Jahr nach Beginn der Corona-Epidemie in Südtirol hat das Landesstatistikinstitut ASTAT Bilanz gezogen.

Maske und Desinfektionsmittel gehören mittlerweile zum Alltag der Südtiroler.
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Maske und Desinfektionsmittel gehören mittlerweile zum Alltag der Südtiroler. - Foto: © shutterstock
Im Januar hat das Landesinstitut für Statistik ASTAT gemeinsam mit
dem Psychologischen Dienst des Krankenhauses Brixen, dem Institut für Allgemeinmedizin der Claudiana und der Landesabteilung Gesundheit eine Stichprobenerhebung über die Meinungen und Verhaltensweisen der Bürger im Hinblick auf die Covid-19- Pandemie durch.
Der Fragebogen selbst wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt.

Bürger sind milde besorgt und halten wenig von Einschränkungen

Fast die Hälfte der volljährigen Südtirolerinnen und Südtiroler (46 Prozent) hat angegeben, Schwierigkeiten zu haben, die Einschränkungen und Empfehlungen der Behörden zur Eindämmung der Pandemie zu verstehen.

Nur 18 Prozent der Bevölkerung sind dagegen der Meinung, dass diese Einschränkungen schwer zu befolgen sind.

2 von 3 Südtirolern (64 Prozent) halten es für eher unwahrscheinlich, sich mit Sars-Cov-2 zu infizieren. Rund 70 Prozent der Einwohner über 18 Jahren sind davon überzeugt, dass, wenn sie erkranken würden, der Verlauf nicht schwer wäre.

Dieser Prozentsatz sinkt auf 43 Prozent bei den über 65-Jährigen: ein immer noch sehr hoher Wert, wenn man die möglichen realen Auswirkungen der Krankheit auf die ältere Bevölkerung berücksichtigt.



Der Großteil der Bürger kennt die Maßnahmen

Ein Jahr nach Beginn der Pandemie glauben nur 3,6 Prozent der Personen, nicht zu wissen, wie sie sich ausreichend vor einer Ansteckung schützen können. Dieser Wert spiegelt jedoch wahrscheinlich nicht eine tatsächliche mangelnde Kenntnis der Regeln wider, sondern vielmehr eine Art Fatalismus oder Pessimismus, in dem Glauben, dass selbst Vorsichtsmaßnahmen nicht ausreichend sind.

2,7 Prozent tragen in der Öffentlichkeit nach wie vor noch keine
Maske.



Lüften und Händewaschen ja, Oberflächen desinfizieren eher weniger

91 Prozent der Befragten lüften häufig die Räumlichkeiten, 82 Prozent waschen sich häufig die Hände, während es anscheinend nicht so einfach ist, die Berührung von Augen, Nase und Mund mit ungewaschenen Händen zu vermeiden (jeder Vierte schafft es einfach nicht).
Die Desinfektion von Oberflächen wird allerdings seltener durchgeführt (2 von 3 Personen, bzw. 62 Prozent, tun dies oft).

Jedem 4. Südtiroler (25 Prozent) fällt es schwer, den direkten Kontakt zu anderen Menschen zu vermeiden.

Maßnahmen: Zweigeteilte Bevölkerung – Viele unentschlossen

Hinsichtlich der von den Behörden getroffenen Entscheidungen zur Eindämmung der Ausbreitung der Pandemie sind die Südtiroler nahezu zweigeteilt, mit einem leichten Mehrheitsanteil (53 Prozent) an Befürwortern, aber vor allem mit einer deutlichen Tendenz, sich
im Mittelfeld der möglichen Antworten einzuordnen
(51 Prozent sind tatsächlich unentschlossen).

Die Unentschlossenheit bei der Gesamtbeurteilung ergibt sich aber auch aus der Vielzahl der getroffenen Maßnahmen.

Tatsächlich werden einige der Maßnahmen stark unterstützt: die Maskenpflicht, die Abstandsregelung, die verpflichtende Isolierung für positiv getestete Personen und das Smart-Working.

Andere Maßnahmen kommen hingegen nicht gut an, etwa die Schließung der Gemeindegrenzen, die Einschränkungen der individuellen körperlichen Betätigung und der völlige Verzicht auf Präsenzunterricht.

Geteilt sind die Meinungen auch in Bezug auf die Schließung von Bars, Restaurants und Hotels, die Schließung von Regionen, die Einschränkungen von Mannschaftssportarten, das Verbot von Treffen mit Freunden und Familie und den Fernunterricht.

Als Informationsquelle zum Thema Pandemie vertrauen die Südtiroler vor allem denjenigen, die im Gesundheitswesen und im Zivilschutz tätig sind. Soziale Medien, und noch viel weniger die „Influencer“, werden dagegen kaum berücksichtigt.

Testen und Kontaktverfolgung, um Verantwortung und Rücksicht zu zeigen

Fast alle würden sich testen lassen, wenn sie wüssten, dass sie mit einer positiv getesteten Person in Kontakt gekommen sind.

Etwas niedriger, aber immer noch hoch, ist der Prozentsatz derjenigen, die im Falle eines positiven Testergebnisses alle Namen der Personen nennen würden, mit denen sie in letzter Zeit in Kontakt gekommen sind.

Verantwortungsbewusstsein und Rücksichtnahme gegenüber den Mitmenschen und um einen Beitrag zu leisten, um so schnell wie möglich aus dem Notstand herauszukommen, bewegen die Südtirolerinnen und Südtiroler dazu, sich testen zu lassen, aber auch, um sich im Falle eines positiven Ergebnisses behandeln zu lassen.

Der Grund, der von den wenigen, die sich nicht testen lassen würden, am häufigsten genannt wird, ist die Ungenauigkeit der Tests.

Einige sind auch der Meinung, dass es für Covid-19 keine Therapie gibt und es demnach irrelevant ist, die Wahrheit zu wissen.

Nahezu dieselben Gründe wie die oben genannten gelten auch für die Angabe aller Namen der Kontaktpersonen. Jene 11 Prozent, die keine Namen nennen würden, haben Angst, den betroffenen Personen Probleme zu bereiten und würden diese daher lieber selbst kontaktieren und es ihnen überlassen, ob sie den Test machen oder nicht.



Die meisten glauben an die Impfung

Jeder 6. Südtiroler (17 Prozent) hat eine eher schlechte als gute Meinung über die Wirksamkeit der Covid19-Impfungen.

Informationen über das Profil dieser Skeptiker zeigen die Ergebnisse der untenstehenden Regressionsanalyse. Noch höher (28 Prozent) ist die Ablehnung der Impflicht hinsichtlich aller Impfungen, die der gesamtstaatliche Impfplan vorsieht.


Signifikant sind die Unterschiede nach Muttersprache (geschätzt anhand der Sprache, in der der Fragebogen ausgefüllt wurde), mit 31 Prozent Impfgegnern unter den deutschsprachigen und 21 Prozent unter den italienischsprachigen Befragten. 40 Prozent der deutschsprachigen und 59 Prozent der italienischsprachigen Teilnehmer sprechen sich eindeutig dafür aus.

Wer wirtschaftlich besser dasteht, hat weniger Probleme mit Akzeptanz der Maßnahmen

Nachdem die Häufigkeiten der Meinungen der Bevölkerung geschätzt wurden, hat das ASTAT auch untersucht, welche Zusammenhänge zwischen den Phänomenen bestehen.

Auf psychologischer Ebene scheint die Angst vor der Krankheit das Verhalten zu beeinflussen und zu „verbessern“. Außerdem halten sich die älteren Menschen, Frauen und diejenigen, die den Fragebogen
auf Italienisch ausgefüllt haben (anstelle der Muttersprache) am meisten an die Regeln.

Die folgenden Umstände spielen dagegen keine Rolle: Arbeit im Gesundheitswesen, eine chronische Krankheit (unter Kontrolle des Alters) und bereits mit Covid-19 infiziert gewesen zu sein. Letzterer Umstand macht der betroffenen Person einerseits bewusst, worum es sich bei der Krankheit handelt, andererseits ist sie dadurch „beruhigt“, dass die Antikörper bereits vorhanden sind (oder durch die Illusion, dass sie vorhanden sind).

Glaube an Verschwörungstheorien ändert das Verhalten

Die Akzeptanz der Entscheidungen der Behörden zur Bekämpfung der Pandemie hängt vom Glauben an Verschwörungstheorien ab und davon, ob sich die eigene wirtschaftliche Situation in letzter Zeit verschlechtert hat.
Dies verringert den Konsens, während das Alter die Akzeptanz der getroffenen Maßnahmen erhöht. Ebenso hilft das Wohlbefinden, d.h. der Einklang mit der eigenen Existenz, auch im sozialen Bereich, Entscheidungen zu akzeptieren, während eine starke Resilienz die Akzeptanz verringert: Wahrscheinlich sehen diejenigen, die glauben, Schwierigkeiten gut standhalten zu können, weniger Anlass,
Opfer bringen zu müssen.

Personen, die chronische Krankheiten haben, die Angst vor der Krankheit haben, ältere Menschen und Personen, die den Fragebogen auf Italienisch ausgefüllt haben, sind am stärksten für die Covid-19-Impfung. Gegen die Impfung sind Verschwörungstheoretiker und diejenigen, deren wirtschaftliche Lage sich in letzter Zeit verschlechtert hat.

Der Glaube an „Verschwörungstheorien“ hängt laut dem ASTAT wiederum mit einem niedrigen Bildungsniveau und wirtschaftlichen Problemen zusammen und beeinflusst das Verhalten.

Hohe Werte bei dieser Variablen entsprechen einer geringeren Bereitschaft, bei der Kontaktpersonennachverfolgung zu kooperieren, sowohl in Bezug auf die Bereitschaft, den Test durchzuführen, als auch in Bezug auf die Bereitschaft, im Falle eines positiven Ergebnisses alle Namen der Personen zu nennen, mit denen man in Kontakt war.

stol