Dienstag, 04. August 2020

Covid-19-Gefährdung bei Flugreisen höher als Absturzrisiko

Flugreisen könnten - ähnlich wie Kreuzfahrten - in Covid-19-Zeiten gefährlich sein. Das SARS-CoV-2-Risiko ist aber laut US-Statistiker Arnold Barnett relativ gering. 2 Stunden US-Inlandsflug könnten zu einem Covid-19-Todesfall pro 400.000 bis 600.000 Passagieren führen. Das Risiko sei ähnlich wie bei 2 Stunden Tagesaktivität am Boden, heißt es in einer Preprint-Studie.

Masken  – aber auch ein gewisses Risiko - sind momentan Teil des Flugerlebnisses.
Masken – aber auch ein gewisses Risiko - sind momentan Teil des Flugerlebnisses. - Foto: © APA (AFP) / IAKOVOS HATZISTAVROU
Barnett, der der Sloan School of Management (Cambridge) am Massachusetts Institute of Technology (MIT) angehört, schreibt in der Studie, die noch nicht per Peer Review begutachtet worden ist, wie folgt: „Wir verwenden aktuelle Daten und Forschungsergebnisse, um die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, mit der sich ein Reisender auf einem US-Inlandsflug von 2 Stunden eine Covid-19-Erkrankung zuziehen könnte: in Fällen, in denen alle Sitze belegt sind und bei Flügen, in denen alle bis auf die Mittelsitze besetzt sind.“

Demnach würde eine Strategie, bei der die Mittelsitze in Flugzeugen frei wären, zu einem Übertragungsrisiko von 1 zu 7700 führen, wenn sich ein SARS-CoV-2-Infizierter in unmittelbarer Nähe befindet. Bei voll besetztem Flugzeug erhöhe sich die Gefährdung auf 1 zu 4300. Das würde schließlich bei einem völlig ausgebuchten 2-Stunden-Flug innerhalb der USA zu einem Todesrisiko von 1 zu 310.000 führen.



Risiken werden oft falsch bewertet, weil das nach dem „Bauchgefühl“, nicht nach den realen Fakten erfolgt. Barnett stellt seine Abschätzungen daher in Kontext zu anderen Gefahrenmomenten: „Alle diese Todesrisiko-Schätzungen durch Covid-19 (infolge einer Infektion an Bord; Anm.) sind deutlich höher als die Gefährdung, in den USA durch einen Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen. Dieses liegt bei 1 zu 34 Millionen.“

Infektionsrisiko bei 2-stündiger Flugreise gleich wie bei normaler Tagesaktivität

Das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko bei einer 2-stündigen Flugreise dürfte sich aber kaum von jenem am Boden (in den USA) bei normaler Tagesaktivität unterscheiden. Die Abschätzung des Experten dafür: Ende Juni hätte es in den USA täglich rund 45.000 bestätigte Neuinfektionen mit den Covid-19-Erregern gegeben. In Realität sei es wohl aber das 10-fache (450.000 Neuinfektionen bei 330 Millionen Einwohnern) gewesen, stellt der Statistiker fest.

Das wäre ein 24-Stunden-Infektionsrisiko von 1 zu 733 gewesen. Gehe man von 16 Stunden Tagesaktivität aus, würden 2 Stunden zu einem Risiko von 1 zu 5900 führen, „was ziemlich nahe dem von uns geschätzten Risiko für 2 Stunden Flug liegt“, schreibt Barnett.

apa

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