Montag, 16. November 2020

Covid-Patienten aus der Ferne im Blick

Per Webanwendung den Verlauf einer Covid-Infektion aus der Ferne überwachen: Diese Möglichkeit bietet ein neues System, das an der Smart Data Factory programmiert wurde, die an der Fakultät für Informatik der Uni Bozen den Technologietransfer vorantreibt. „reCOVeryaID“ kann helfen, eine Einweisung ins Krankenhaus auf Fälle absoluter Notwendigkeit zu beschränken und das Gesundheitssystem zu entlasten.

Ein Klick auf den Bildschirm von der Praxis aus und der Hausarzt weiß, wie es um seinen mit Corona infizierten Patienten steht. An der Uni Bozen ist nun eine entsprechende Applikation entwickelt worden.
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Ein Klick auf den Bildschirm von der Praxis aus und der Hausarzt weiß, wie es um seinen mit Corona infizierten Patienten steht. An der Uni Bozen ist nun eine entsprechende Applikation entwickelt worden. - Foto: © shutterstock
Das System ist denkbar einfach: Dabei geht es um die Messung einfacher Parameter wie Herzfrequenz, Körpertemperatur und Sauerstoffgehalt im Blut, die die Menschen autonom zu Hause durchführen und über „reCOVeryaID“ übermitteln können. „reCOVeryaID“ kann auch von Personen genutzt werden, die sich noch keinem Covid-19-Test unterzogen haben, aber mit infizierten Personen in Kontakt gekommen sind und daher dem Risiko des Ausbruchs der Krankheit ausgesetzt sind. Positiv auf Corona getestete Personen könnten somit zu Hause bleiben und dem Hausarzt über „reCOVeryaID“ ihre Messdaten senden, sodass dieser sie kontinuierlich überwachen kann.

Die Webanwendung, die bald schon als App verfügbar sein soll, weist jeder Messung eine Alarmstufe zu und empfiehlt im Extremfall eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus. Eine weitere Funktion misst den Trend in den aufgezeichneten Werten und schlägt bei einer besorgniserregenden Entwicklung Alarm. Teil der Notfallkommunikationen wird sein, dass die Anwendung automatisch einen Krankenwagen zum Wohnort des Patienten ruft, sollte der Arzt den Bedarf bestätigen.

Zu den Vorteilen dieser Anwendung gehören nicht nur die Entschärfung der Situation in den Krankenhäusern sowie die konstante Überwachung von Covid-19-Patienten, sondern auch der Schutz der Hausärzte.

Die Idee dazu ist der Forscherin Daniela D'Auria während des Lockdowns im Frühjahr bei Gesprächen mit Medizinern gekommen. Wesentlich war dabei der Aspekt der begleitenden Beobachtung bei zunehmenden Infektionsfällen, damit dem Bettennotstand, von dem auch jetzt wieder die Rede ist, entgegengewirkt werden könnte. So entstand in Zusammenarbeit mit dem Leiter der Smart Data Factory, Professor Diego Calvanese, und in der Prototyping-Phase mit Andrea Janes innerhalb weniger Wochen der Prototyp von „reCOVeryaID“.

D'Auria hofft nun, die Anwendung auch im Gesundheitssystem einsetzen zu können. „,reCOVeryaID„ wird vorerst als eigenständige Anwendung genutzt, da sie mit einer systemeigenen Datenbank verbunden ist“, sagt sie. „In naher Zukunft könnte die Möglichkeit bestehen, dass ,reCOVeryaID„ auch mit den Datenbanken italienischer Sanitätsbetriebe interagiert.“

Allgemeinmediziner oder Fachärzte, die an einer Anwendung von „reCOVeryaID“ interessiert sind, können Professor Diego Calvanese, Daniela D’Auria und die Forscher der Smart Data Factory kontaktieren ( [email protected]).

d