Dienstag, 19. April 2022

Covid und seine Folgen: „Die Maske ist das Einzige, was uns schützen kann“

Leere Krankenstationen, sinkende Fallzahlen: Alle genießen die Corona-Frühlingspause, da schreckt der bundesdeutsche Gesundheitsminister mit einer düsteren Prognose auf. Karl Lauterbach warnt vor einer „absoluten Killervariante“ im Herbst – hochansteckend wie Omikron, tödlich wie Delta. Die Primarin der Infektionsabteilung am Bozner Krankenhaus, Dr. Elke Maria Erne, ordnet das für STOL ein.

Dr. Elke Maria Erne ist die Primarin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Krankenhaus in Bozen. Sie rät: „Vorsichtig sein ist besser.“ - Foto: © DLife/DF

Von:
Katrin Niedermair
„Es ist durchaus möglich, dass wir eine hochansteckende Omikron-Variante bekommen, die so tödlich wie Delta ist. Das wäre eine absolute Killervariante“, hatte Lauterbach der „Bild am Sonntag“ gesagt. Auch deshalb rät der Minister weiterhin zu freiwilligem Maske-Tragen.

Infektionsmedizinerin Dr. Elke Maria Erne sagt: „Das Problem ist einfach: Wir wissen nicht, was kommen könnte. Es ist nicht gesagt, dass Omikron die letzte Variante bleibt.“ Da diese Variante aber im Vergleich zu Delta gutartig verlaufe, gebe es Anlass zu hoffen. „Karl Lauterbach wollte vermutlich warnen“, meint die Primarin. Und: „Wir müssen auf jeden Fall vorbereitet sein.“

Der Südtiroler Sanitätsbetrieb sei jedenfalls gerüstet für den Herbst, sollte sich die Infektionslage dann wieder verschlechtern: „Wir wissen, was wir brauchen, wenn es wieder schlimm kommen sollte“, sagt Dr. Erne.

Das sagt auch der Osttiroler Infektiologe Gernot Walder im s+-Interview.


Je länger Pandemie dauert, desto mehr Long-Covid-Symptome werden bekannt

Aus ihrer Erfahrung im Umgang mit Covid-Kranken und mit solchen, die nach überstandener Infektion Long-Covid-Symptome plagen, schließt sie: „Die Maske ist das Einzige, was uns schützen kann.“ Halb scherzhaft fügt sie hinzu: „Ich würde ja sagen: Maske forever.“ Die Impfung habe ihre Wirkung gezeigt: „Die Station ist fast leer. Aber viele Menschen haben nun leichte oder asymptomatische Verläufe. Wenn ich sehe, welche Probleme Menschen mit Long Covid haben, selbst, wenn sie nicht schwer erkrankt waren … Je länger die Pandemie dauert, desto mehr Symptome kommen heraus.“

Warum manche Menschen Long Covid entwickeln und andere nicht, weiß man noch nicht: „Ich sehe viele schlimme Sachen. Natürlich sind diese nicht so häufig, aber es gibt noch sehr viel Ungewissheit“: Dr. Erne rät dazu, vorsichtig zu sein und bei Menschenansammlungen weiterhin eine Maske zu tragen – selbst wenn die Pflicht dazu aufgehoben werden sollte.

Und auch zur Auffrischimpfung rät die Primarin: „Nach 6 Monaten nimmt der Immunschutz ab. Fragile sollten sich besser schützen.“ Allen, für die die vierte Impfung bereits möglich ist, rät Dr. Erne, diese Möglichkeit auch wahrzunehmen. „Wir wissen nicht, was im Herbst auf uns zukommt. Wenn es eine heftige Variante sein sollte, sollten sich auch die Jüngeren wieder impfen lassen.“

kn

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