<a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/jacques-moretti-wegen-gewaltvorwuerfen-gegen-ehefrau-festgenommen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Nach der Festnahme des Discobar-Besitzers Jacques Moretti</a> – ihm wird vorgeworfen, seine Ehefrau Jessica körperlich attackiert und ins Krankenhaus gebracht zu haben – wächst die Unruhe unter den Anwälten der Nebenkläger. <BR /><BR />„War die Ermittlung zur Brandkatastrophe von Crans-Montana bislang ein Hürdenlauf, könnte sie nun zu einem Minenfeld werden“, so die Befürchtung der Anwälte gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa.<BR /><h3> Sorgen um den Zeitplan der Verhöre</h3>Eine rasche Rückkehr von Jacques Moretti in den Hausarrest in der gemeinsamen Villa in Lens gilt derzeit als unwahrscheinlich. Bereits wenige Tage vor dem Vorfall häuslicher Gewalt in der Nacht vom 11. auf den 12. August hatte die Staatsanwaltschaft von Sion einen Antrag des Ehepaars abgelehnt, die tägliche Meldepflicht bei der Polizei durch einfache Videokonferenzen zu ersetzen.<BR /><BR />Damit steht auch der Zeitplan für die nächsten Verhöre der Morettis – terminiert für den 26. Oktober und den 2. Dezember – auf wackligen Beinen. Bereits im Frühjahr hatte Jacques Moretti einen Vernehmungstermin unter Verweis auf ein medizinisches Attest wegen Depressionen verschieben lassen.<h3> Debatte unter den Opferanwälten</h3>Unter den rechtlichen Vertretern der Opferfamilien wird die Situation unterschiedlich bewertet. „Diese Festnahme wird keine wesentlichen Auswirkungen auf die Ermittlungen haben. Es handelt sich um ein separates Verfahren, und nichts rechtfertigt es, das zügige Tempo der Staatsanwältinnen zu verlangsamen“, erklärt Romain Jordan, Anwalt zahlreicher Hinterbliebener und offizieller Vertreter der italienischen Regierung im Schweizer Verfahren.<BR /><BR />Andere Opferanwälte zeigen sich angesichts des Verhaltens der Verteidigung skeptischer. Die Anwälte der Morettis hatten nach dem Vorfall in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufgerufen, die „Privatsphäre“ des Ehepaars zu respektieren.<BR /><BR />„Diese gemeinsame Pressemitteilung ist mehr als überraschend und wirft tiefe Fragen auf“, kritisiert Opferanwalt Garen Ucari. „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Opfer von Gewalt, das im Krankenhaus behandelt werden musste, eine Veröffentlichung zusammen mit dem Täter herausgibt.“<h3> Bricht die geschlossene Front der Beschuldigten?</h3>Bislang hatten die Hauptbeschuldigten der Brandkatastrophe stets völlig übereinstimmende Aussagen gemacht – zuletzt bei einer direkten Gegenüberstellung am 5. Juni. <BR /><BR />Nun stellt sich die Frage, ob die bislang eiserne Verteidigungslinie hält oder ob sich Jacques und Jessica Moretti im weiteren Verfahrensverlauf gegenseitig belasten werden.