Dienstag, 17. November 2015

Cuno Tarfussers Option „für das nächste Leben“

Vom Chefankläger zum Richter und zurück: Cuno Tarfusser, Südtiroler Richter am Internationalen Strafgerichtshof (ICC), liebäugelt mit dem Posten des Leitenden Staatsanwaltes von Mailand. Was ihn dazu bewegt, STOL hat nachgefragt.

ICC-Richter Cuno Tarfusser hat sich für die Stelle als Leitender Staatsanwalt in Mailand beworben.
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ICC-Richter Cuno Tarfusser hat sich für die Stelle als Leitender Staatsanwalt in Mailand beworben.

Südtirol Online: Vom Richtersitz in Den Haag zum Chefankläger-Posten in Mailand – Sie haben sich für die Stelle als Leitender Staatsanwalt dort beworben. Warum?
ICC-Richter Cuno Tarfusser: Nun, es ist eine Möglichkeit. Der Termin, sich für die Nachfolge dort zu bewerben, ist am 14. November verfallen – und ich habe an dem Wochenende darüber nachgedacht, ob das etwas für mich wäre oder nicht. 

STOL: Auch weil Ihr Amt als Richter am Internationalen Strafgerichtshof zeitlich begrenzt ist?
Tarfusser: Mein Amt als Richter hier läuft nach neun Jahren ab (sprich 2018, Anm. d. Red.). Da kann man sich schon mal Gedanken darüber machen: Was tust du im nächsten Leben? 
Mailand ist eine Option, die jetzt konkret war und ich bringe ja gewisse Voraussetzungen mit.
Ich habe mir durch die Bewerbung diese Möglichkeit offengehalten. Jetzt vergehen noch Monate, in denen ich abwägen kann, was besser und schlechter ist – und es gibt ja auch andere Bewerber.

STOL: Was reizt Sie am Posten in Mailand?
Tarfusser: Ich bin ein Mensch, der die Herausforderung sucht. Dieser Posten wäre sicher eine riesen Herausforderung.

STOL: War auch der Wunsch nach mehr Nähe zur Heimat Vater des Gedankens?
Tarfusser: Dahinter steht weder ein Wunsch, noch ist es ein Muss, sondern eine Möglichkeit. Ich bin ein weltoffener Mensch. Auch die Berge, die Südtirol umgeben, haben mich dahingehend nie negativ beeinflusst.

STOL: Ist es denn besser Staatsanwalt zu sein als Richter?
Tarfusser: Richter am ICC zu sein ist faszinierend. Man bekleidet eine hervorgehobene Position und hat – anders als etwa als Richter in Italien – großen Einfluss auf das Geschehen, das man zu bewerten hat.
In Italien würde ich nur Staatsanwalt machen – aufgrund der Möglichkeit zu gestalten, zu agieren. Ich agiere viel, viel lieber.

STOL: Mailand ist derzeit im Gespräch, aber wie wär‘s mit einer Rückkehr nach Südtirol?
Tarfusser: Mailand ist nur eine der Optionen. Aber was auch kommt, es wird wohl mein letzter Job werden. 

Interview: Petra Kerschbaumer

stol