Zeit, um im Interview Bilanz zu ziehen.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Obwexer, mit welchem Gefühl erfolgt denn heute die Stabsübergabe beim Dachverband für Soziales und Gesundheit?</b><BR />Wolfgang Obwexer: Einerseits kann ich eine gewisse Wehmut nicht leugnen, denn schließlich durfte ich mit vielen engagierten Menschen wichtige Themen voranbringen. Andererseits ist es schön, das Arbeitsleben abschließen zu dürfen, um mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Der Zufall will, dass das Ende des Mandates beim Dachverband auch mit meinem Ruhestand in meinem eigentlichen Beruf zusammenfällt – am 1. Mai übernimmt bei der Lebenshilfe mit Francesco Salerno ein neuer Geschäftsführer. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1293729_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was bleibt von Ihrer sechsjährigen Amtszeit beim Dachverband?</b><BR />Obwexer: Der fachliche Auftrag des Dachverbandes ist die Netzwerkarbeit. Knapp 70 Organisationen haben sich uns mittlerweile angeschlossen, letzthin auch sehr große Organisationen wie der KVW, das Weiße Kreuz, La Strada oder EOS. Das stärkt auch unseren Vertretungsauftrag. Damit verbunden ist unser sozialpolitischer Auftrag, und zwar die Anliegen unserer Partnerorganisationen an die Politik heranzutragen. Es ist uns auch gelungen, das Armutsnetzwerk mit allen maßgeblichen Akteuren aus der Taufe zu heben. Dort ist es nun wichtig, aktuelle Daten über die Armut in Südtirol zusammenzutragen.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Wie würden Sie den Austausch mit den Entscheidungsträgern in der Politik in den vergangenen sechs Jahren bewerten?</b><BR />Obwexer: Grundsätzlich positiv. Der Dialog wurde intensiv geführt, das Gehör für soziale Anliegen war sicherlich gegeben. Klar, manche Dinge gehen nur sehr schleppend voran, das verlangt den Betroffenen einen langen Atem ab. Ein Beispiel ist etwa der Abbau von Barrieren an den Bahnhöfen, das ist schon seit Jahrzehnten Thema. Hier wäre mehr Druck vonseiten der Politik auf die Zuständigen bei der Bahn wünschenswert.<BR /><BR /><BR /><b>Ein langer Atem hat sich indessen bei einem anderen Projekt ausgezahlt, denn die Baugrube für das neue Haus für Soziales und Gesundheit wurde bereits ausgehoben. Eine Genugtuung, oder?</b><BR />Obwexer: Damit wird eine längerfristige Vision realisiert, die von uns mitgetragen und auch mitgeplant wurde. Dieses Haus soll ein Ort des Austausches werden, etwa 40 Organisationen werden dort ihren Sitz haben – je zur Hälfte gemeinnützige Vereine und öffentliche Ämter des Gesundheits- und Sozialwesens. Wenn der Bau in etwa zwei bis drei Jahren vollendet ist, sollen die Bürger hier eine lebendige und informative Anlaufstelle vorfinden. <BR /><BR /><b>Ein maßgeblicher Punkt im Sozialbereich ist der Personalmangel und die Entlohnung des Fachpersonals. Wie beurteilen Sie hierbei die aktuelle Lage?</b><BR />Obwexer: Die Attraktivität der Berufe im Sozialbereich steht und fällt natürlich auch mit einer gerechten Entlohnung. Hier gilt es sicherlich nachzubessern, wenngleich das Land im öffentlichen Bereich aktiv geworden ist. Wichtig ist zudem die Weiterentwicklung durch die Reform des dritten Sektors, hierbei kann durch den gemeinnützigen Einsatz der Zivilgesellschaft noch viel Potenzial ausgeschöpft werden – Stichworte Co-Projektierung und Co-Programmierung. Ein wichtiger neuer Akteur ist überdies die Plattform „Südtirol sozial“ mit neun großen Sozialorganisationen. Damit versucht man gezielt, den dringlichsten Bedürfnissen im Sozial- und Gesundheitsbereich gerecht zu werden. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1293732_image" /></div> <BR /><b>Neuer Ausschuss:</b><BR />Im Zuge der Vollversammlung im Pastoralzentrum von Bozen wurde die bisherige Vizepräsidentin <Fett>Roberta Rigamonti</Fett> zur neuen Präsidentin des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit gewählt. Ihr Stellvertreter ist <Fett>Richard Stampfl</Fett>. Zudem wird der neunköpfige Ausschuss von <Fett>Magdalena Hofer, Stefan Hofer, Luigi Loddi, Manuel Pallua, Paolo Mercato, Ida Lanbacher</Fett> und <Fett>Veronika Pfeifer </Fett>gebildet. Der bisherige Präsident Wolfgang Obwexer stand nicht mehr als Kandidat zur Verfügung.