Mittwoch, 15. März 2017

„Das andere Südtirol“: Der Caritas-Bericht 2016

Die Zahl der Hilfesuchenden ist erneut angestiegen, der soziale und psychische Druck auf die Menschen steigt und das trotz positiver Wirtschaftsentwicklung.

„Das andere Südtirol“: Der Caritas-Bericht 2016. - Foto: DLife
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„Das andere Südtirol“: Der Caritas-Bericht 2016. - Foto: DLife

Das ist die Bilanz, welche die Caritas in ihrem Bericht über das Jahr 2016 zieht. 35.000 Menschen hat die Caritas in Südtirol unterstützt, betreut, beherbergt, beraten, weitergebildet oder als freiwillige Helfer involviert.

Tausende haben im In- und Ausland haben im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und der Katastrophenhilfe Unterstützung erfahren. Beispielhaft war auch im vergangenen Jahr wieder die große Solidarität der Bevölkerung, welche das Wirken der Caritas durch Freiwilligenarbeit und/oder Spenden unterstützt hat.

Zahlen der Flüchtlinsgberatung steigen

Schon im Jahr 2015 haben die Caritas-Dienste einen starken Zuwachs vor allem in den Bereichen Flucht und Asyl, Wohnungslosigkeit und Suchterkrankungen verzeichnet.

„Im Jahr 2016 hat sich dieser Trend fortgesetzt, vor allem unter den Asylsuchenden. Mehr als 1200 Menschen haben sich im vergangenen Jahr an die Flüchtlingsberatung in Bozen gewandt. Das sind 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Ähnlich war die Situation in der Essensausgabe Clara in der Nähe des Bozner Bahnhofes: Dort stieg die Zahl der Menschen, die mit warmen Mahlzeiten versorgt wurden, um 80 Prozent auf 1355 an“, zieht Caritas-Direktor Franz Kripp Bilanz.

Immer mehr Menschen haben gesundheitliche und psychische Probleme

„Weiter zugenommen haben im vergangenen Jahr aber auch die Probleme von Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben, die suchtkrank sind oder die nach einem Gefängnisaufenthalt einen Weg zurück in die Gesellschaft suchen“, berichtet Caritas-Direktor Paolo Valente.

Immer mehr Menschen, welche gerade in den niederschwelligen Diensten der Caritas Hilfe und Unterstützung suchen, weisen gesundheitliche und psychische Probleme auf, die es ihnen erschweren, eine Arbeit und eine Wohnung zu finden und so erneut ein selbständiges Leben führen zu können.

„Gleichzeitig fehlt auch eine enge Kooperation mit und zwischen den Gesundheits- und Sozialdiensten, auch weil es den öffentlichen Diensten vielerorts an personellen Ressourcen mangelt“, zeigt Valente eine Schwachstelle des Systems auf.

Eine nach wie vor große Zahl an Betreuten weisen die neun Caritas-Strukturen für Wohnungs- und Obdachlose auf: 830 Personen fanden hier 2016 eine Unterkunft;

Immer mehr junge Frauen obdachlos

Eine dieser Einrichtungen ist Haus Margaret, das Obdachlosenhaus für Frauen in Bozen. „Wir haben im vergangenen Jahr auffällig viele junge Frauen beherbergt. Von den insgesamt 58 Gästen war ein Viertel zwischen 18 und 24 Jahre alt. Sie sind aufgrund familiärer und finanzieller Schwierigkeiten zu uns gekommen, gar einige aber auch aufgrund von psychischen Problemen, Schwangerschaften oder chronischen Erkrankungen“, sagt die Leiterin Giulia Frasca und bestätigt damit den Trend, dass die Multiproblematiken bei den Betreuten zunehmen.

Dank an Freiwillige und Spender

Offiziellen Daten zufolge haben sich Südtirols Wirtschaft und Arbeitsmarkt allgemein gut erholt. Doch nicht alle Südtiroler profitieren davon. Das zeigt sich in der Zunahme von bestimmten seelischen Nöten. Deutlich wurde dies im vergangenen Jahr in Caritas-Diensten wie der Telefonseelsorge, der Männerberatung, der Schuldnerberatung und der Sozialberatung.

Unvorstellbar wäre die Hilfe der Caritas ohne die Unterstützung der 5000 freiwilligen und die großzügige finanzielle Unterstützung der Südtiroler Bevölkerung.

2016 haben 10.400 Spender die Arbeit der Caritas mit insgesamt 3,9 Millionen Euro unterstützt.

stol

stol