Freitag, 22. März 2019

„Das andere Südtirol“: Trotz Arbeit keine Bleibe

Trotz Arbeit keine feste Bleibe – das trifft in Südtirol auf immer mehr Menschen zu. Auffallend dabei: Zunehmend mehr junge Menschen und immer mehr Frauen sind von der Wohnungsnot betroffen.

Die Südtiroler Caritas hat am Freitag ihren Wirkungsbericht über das vergangene Jahr vorgestellt. - Foto: DLife
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Die Südtiroler Caritas hat am Freitag ihren Wirkungsbericht über das vergangene Jahr vorgestellt. - Foto: DLife

„Südtirol ist ein Wohlstandsland und viele haben hier, im Gegensatz zu anderen Regionen, die Möglichkeit zu arbeiten. Ganz anders indes verhält es sich bei der Wohnungssuche: Die Mieten sind teilweise so hoch, dass sie sich viele nicht leisten können, besonders wenn sie geringe Löhne haben, alleinstehend oder getrennt sind“, sagt Caritas-Direktor Paolo Valente.

„Um ein Vielfaches schwieriger ist es nochmal für Personen fremder Herkunft, eine annehmbare und erschwingliche Unterkunft zu finden, auch wenn sie eine feste Arbeit haben. Es wurde schon mehrfach und von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen: Für viele Menschen in Südtirol, nicht nur für Zuwanderer, ist das Grundbedürfnis Wohnen eine kaum bezwingbare Herausforderung.“

Die Folgen bei Verlust der Arbeit

Die Folgen können dramatisch sein: „Die Betroffenen verlieren ihren Job oder finden keinen neuen, rutschen ins soziale Abseits und damit auch nicht selten in Abhängigkeitserkrankungen oder andere psychische Probleme“, sagt Danilo Tucconi, der Leiter des Bereiches „Wohnen“ bei der Caritas.

In den 9 Einrichtungen der Caritas für wohnungs- und obdachlose Menschen sei dieses Phänomen im vergangenen Jahr deutlich zu beobachten gewesen. „Es haben immer mehr Personen in prekären Arbeitsverhältnissen bei uns um Obdach angefragt, unter ihnen auch Personen die ihr Zuhause aufgrund einer Zwangsdelogierung verloren haben“, sagt Tucconi.

So viele Menschen haben 2018 ein Dach über den Kopf erhalten

Insgesamt hat die Caritas im vergangenen Jahr 828 Personen ein Dach über dem Kopf geboten, 596 Männer und 232 Frauen. 59 von ihnen waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Matteo Contegiacomo, Koordinator der Caritas-Einrichtung Haus Freinademetz in Bozen, erklärt den  Vorgang: „Das Haus Freinademetz ist für sie nur eine Zwischenlösung. Daher versuchen wir, unsere Gäste individuell und zielorientiert zu begleiten mit dem Ziel, sie sobald wie möglich erfolgreich in einer autonomen Wohnsituation unterzubringen. Bei fast 2 Drittel von ihnen ist uns dies innerhalb eines Jahres nach dem Einzugsdatum gelungen, obwohl es nach wie vor sehr schwierig ist, eine Wohnung zu finden, sei es weil das Einkommen für die Miete zu gering ist oder weil die Vermieter Vorbehalte haben“.

Menschen mit Ängsten, die Wohnung zu verlieren

Immer wieder klopfen bei der Caritas auch Personen an, die ihre Wohnung aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten nicht verlieren wollen. Sie finden bei der Caritas Sozial- und Schuldnerberatung Gehör und Hilfe: Bei letzterer ging es bei rund 40 Prozent aller Anfragen 2018 um finanzielle Unterstützung bei Mietrückständen, Kondominiumsspesen sowie Strom- und Gasrechnungen.

Insgesamt wurden allein in diesem Caritas-Dienst 94.060 Euro an Unterstützung dafür ausgegeben, das sind 17 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Dankbarkeit für die großzügigen Spenden

Unvorstellbar wäre die Hilfe der Caritas auch ohne die großzügige finanzielle Unterstützung der Südtiroler Bevölkerung. 2018 haben 6570 Spender die Arbeit der Caritas unterstützt.

Fast 700.000  Euro wurden für Not in Südtirol gespendet und 1,8 Millionen Euro (inklusive der Landesbeiträge in Höhe von 300.000 Euro) für Hilfsprojekte außerhalb des Landes.

stol

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stol