Mittwoch, 17. Juni 2020

Das Aus für den Pferderennplatz naht

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, gehen am Untermaiser Pferderennplatz am 5. Juli die Lichter aus, wie das Tagblatt „Dolomiten“ am Mittwoch berichtet. Pächter Gianni Martone will demnach alles hinschmeißen, sollte es nicht noch eine Rettungsaktion in letzter Minute geben.

Die Pächtergesellschaft hat die Hoffnung auf eine Zukunft des Pferderennplatzes bereits so gut wie aufgegeben.
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Die Pächtergesellschaft hat die Hoffnung auf eine Zukunft des Pferderennplatzes bereits so gut wie aufgegeben. - Foto: © ki
„Wir schreiben in einem normalen Jahr Verluste von 200.000 bis 300.000 Euro. Aber 2020 werden es Corona-bedingt 800.000 bis 900.000 Euro sein. Die Leute meinen immer: ,Der Martone zahlt das schon alles.‘ Aber ich kann einfach nicht mehr“, schildert der Präsident der Pächtergesellschaft Meran Galopp GmbH die dramatische Situation.

Die Pferderennen sind in Untermais zwar vor Kurzem wieder gestartet worden, doch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das heißt: keine Zuschauer, keine Sponsoren, keine Wetten, keine Einnahmen. Im Vorjahr spülte eine Konzertreihe mit Stars wie Giorgio Moroder und Alvaro Soler etwas Geld in die klammen Kassen; doch auch darauf muss die Pächtergesellschaft heuer wegen der Corona-Beschränkungen verzichten.

Die Wurzel allen Übels liegt laut Martone in der mangelnden Unterstützung des Rennplatzes durch den Staat. 2006 wurde ein Vertrag mit dem MIPAAF geschlossen, einer Abteilung im Landwirtschaftsministerium, die für die Förderung des Pferdesports zuständig ist. „In diesem Vertrag wird Meran sehr schlecht behandelt. Es ist eine Demütigung“, verweist Martone auf den Umstand, dass für die Passerstadt sehr viel weniger Beiträge zur Verfügung stehen als für andere, weit kleinere und weniger aktive Pferderennplätze in Italien.

Vertrag 2008 verfallen

Der Vertrag ist schon 2008 verfallen und wurde dann immer wieder um ein Jahr verlängert. Jedes Jahr hoffte man bei Meran Galopp, dass es einen neuen Vertrag mit besseren Konditionen geben würde – vergeblich. Dabei konnte bereits die vormalige Pächtergesellschaft Meran Mais AG über das Doppelte an Beiträgen verfügen als Martones Gesellschaft. Nun hat der Meraner Geschäftsmann an das Landwirtschaftsministerium geschrieben und die bevorstehende Schließung zum Ende der Frühjahrssaison am 5. Juli angekündigt.

Die wechselnden Regierungen hätten zwar immer die Bedeutung Merans für den Pferderennsport hervorgehoben und stärkere Förderungen versprochen, doch nie umgesetzt.

Deal mit Land geplatzt

Auch das geplante Abkommen zum Einstieg des Landes in den Pferderennplatz sei ins Stocken geraten, weshalb nun dringende Finanzhilfen fehlten, stellt Gianni Martone verbittert fest. Ein Tauschgeschäft zwischen der Gemeinde Meran und dem Land war zwar angedacht, klappte jedoch nicht. Bürgermeister Paul Rösch stoppte den Deal, da ihm das Tauschobjekt für den Einstieg des Landes in den Rennplatz, das Ex-Böhler-Areal in Obermais, als zu wenig erschien.

Und so führte Martones Weg gestern Nachmittag geradewegs in das Büro des Bürgermeisters. Sollte die Gemeinde keine Nothilfe aus dem Hut zaubern, so wird man am Untermaiser Rennplatz wohl für längere Zeit kein Hufgetrappel mehr vernehmen.

ki

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