Wahrgenommen hat es bislang niemand, doch die Bilder aus dem Satelliten in Kombination mit Geländeerhebungen sprechen eine deutliche Sprache. „Von 2019 bis heute hat sich der Hang mit dem Dorf Geiselsberg um zwei bis drei Zentimeter Richtung Gassl bewegt“, erklärte Geologe Daniel Ungerank bei der Präsentation des Gefahrenzonenplanes in Olang. Der Entwurf des Planes liegt nun vor, das Genehmigungsverfahren ist eingeleitet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-71856046_quote" /><BR /><BR />Solche Hangbewegungen seien auch in anderen Teilen Südtirols nichts Ungewöhnliches, sagt der Geologe. Man beobachte sie in einigen Dörfern im Eisacktal, und in etwas stärkerem Ausmaß auch in Reinswald im Sarntal. „Ohne die hochauflösenden Bilder und präzisen Daten, die uns der Satellit liefert, würde man derartige Bewegungen teilweise nicht bemerken“, sagt Ungerank. Auch Risse in Mauern treten bei derart geringen und konstanten Bewegungen häufig nicht auf. „Das liegt auch daran, dass in Geiselsberg der gesamte Hang, also eine größere Zone, gleichmäßig gleitet und nicht lokal unterschiedlich.“ <h3> Vorsichtsmaßnahmen ergreifen</h3>Die Rutschung ist erklärbar durch die Hangneigung, aber auch durch Wasserzirkulationen und vor allem den geologischen Bodenaufbau. „Im Hang ist relativ viel Wasser, das sich in sechs bis zehn Metern Tiefe, beim Übergang vom Felsen zum Erdmaterial, ansammelt und für die Rutschung sorgt – ähnlich wie bei einer Lawine“, erklärt der Geologe. Wo einst der Gletscher das Gelände stabilisiert und gestützt hat, setze sich nun der Boden in Bewegung. <BR /><BR />Da dies weder ungewöhnlich noch besorgniserregend sei, wurde das Gebiet im Gefahrenzonenplan auch nicht als rote Zone ausgewiesen. „Das verdeutlicht, dass keine Alarmstimmung angebracht ist“, sagt Ungerank. „Nachdem uns diese Bilder und Daten aber zur Verfügung stehen, müssen wir die Gemeindeverwaltung darauf hinweisen, damit gezielte Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden können.“ Dazu zählen etwa Anpassungen beim Bau von Fundamenten für neue Strukturen und bei der Regenwasserbewirtschaftung. „Normalerweise wird vorgeschrieben, dass das Regenwasser bei Neubauten an Ort und Stelle versickern soll. Davon wird man in Geiselsberg Abstand nehmen müssen“, erklärt Ungerank. <BR /><BR />Das sieht auch Bürgermeister Lukas Schnarf so, den der Bericht des Geologen zunächst beunruhigt habe. „Aber nach seinen Erklärungen ist Alarmstimmung nicht angebracht. Es gelten keine großen Einschränkungen in Geiselsberg, es kann also weiterhin gebaut werden, aber es ist sicherlich sinnvoll, dass wir dabei bestimmte Maßnahmen ergreifen.“ <h3> Drainagennetz unter der Skipiste</h3>Dass die Ostflanke des Kronplatzes mehrere Nassstellen im Boden aufweist, ist den Bauern und der Olanger Seilbahngesellschaft schon lange bekannt. Der gesamte Hang wurde deshalb bereits in der Vergangenheit mit einem Drainagenetz durchzogen. „Bis hinauf zur Lorenzihütte wird das Wasser aus dem Hang und in den Furkelbach geleitet“, erklärt Philipp Felder, ehemaliger Direktor der Olanger Seilbahnen AG und heute Gemeindereferent.<BR /><BR />Eines ist Daniel Ungerank noch wichtig: Die Satellitenbilder machen zwar Dinge sichtbar, die auf den ersten Blick beunruhigen können, ihr Hauptzweck sei aber, Sicherheit zu schaffen. „Diese Messungen lassen uns auffällige Bewegungen frühzeitig erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen“, sagt er. Deshalb könne man in Geiselsberg weiterhin ruhig schlafen.