Dienstag, 08. Oktober 2019

Das Dorf der „Unsichtbaren“

So viele Menschen wie in einem kleinen Dorf leben in Südtirol auf der Straße: Zwischen 200 und 400 Menschen sind obdachlos. Um ihnen eine Chance zu geben, brauche es mehr als Notschlafstelle und Essensausgabe, lautete die zentrale Forderung einer Tagung am Montag an der Universität Bozen.

Da schauen Bürger und Politik oft weg: Auf einer Tagung in Bozen wurde am Montag gefordert, dass im Kampf gegen Obdachlosigkeit mehr unternommen werden müsse. Hilfreiche Ideen gibt es genug.
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Da schauen Bürger und Politik oft weg: Auf einer Tagung in Bozen wurde am Montag gefordert, dass im Kampf gegen Obdachlosigkeit mehr unternommen werden müsse. Hilfreiche Ideen gibt es genug.

„Das Schlimmste an der Obdachlosigkeit ist nicht Nässe oder Kälte, sondern der Schlafmangel“, weiß Diana Seyffarth, Verantwortliche für die Streetworkerprojekte im Verein Volontarius in Bozen. Wer die Nacht ungeschützt und in Angst verbringe, schlafe selten mehr als 2 Stunden am Stück, diese Müdigkeit zermürbe den Lebenswillen.



Dazu komme der tägliche Kampf ums Überleben, „da fehlt dann schlichtweg die Kraft für die Suche nach Wohnung und Arbeit“, betont Streetworkerin Seyffarth. Anlaufstellen wie Notschlafstelle und Essensausgabe helfen beim Überleben, aber sie bieten keinen Weg aus dem „Aquarium“, in dem sich diese Menschen täglich abmühen.

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b> Foto-Ausstellung und Projekt-Vorstellungen

Dass es anderswo gelingt und Südtirol sich zu solchen Projekten aufraffen müsste, war der deutliche Tenor der Tagung, zu der die Fakultäten für Bildungswissenschaften und Design der Uni Bozen, Vinzenzgemeinschaft und der Verein Volontarius am Montag in die Uni geladen hatten. Im Foyer der Hochschule zeigt der Fotograf Ludwig Thalheimer Porträts von Obdachlosen, vor weit über 100 interessierten Zuhörern stellten Willi Nadolny (Berlin), Daniela Unterholzner (Wien) und Pfarrer Wolfgang Pucher (Graz) ihre Projekte zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit vor.

Auf der abschließenden Podiumsdiskussion wies u.a. die Sozialdienste-Direktorin Liliana Di Fede darauf hin, dass Menschen ohne Unterkunft aus allen Landesteilen nach Bozen kommen, aber die Landeshauptstadt mit dem Problem recht allein gelassen werde; es brauche ein „Netzwerk der Gemeinden“.


d/ler