Dienstag, 09. Juni 2015

Das Gesicht der Kinderarbeit: Auch Italien ist betroffen

Mindestens 170 Millionen Kinder weltweit müssen arbeiten – die meisten den ganzen Tag. Auch in Italien sind derzeit 260.000 Minderjährige zwischen sieben und 15 Jahren betroffen. Am schlimmsten ist die Situation der Kinder in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, in Asien, Lateinamerika, in der Karibik und im Mittleren Osten.

Kinder, die in Nairobi arbeiten müssen.
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Kinder, die in Nairobi arbeiten müssen. - Foto: © STOL

Sie können keine Schule besuchen, ihre Gesundheit leidet aufgrund der oft miserablen Arbeitsbedingungen.

Diese Kinder werden ihrer Grundrechte beraubt, schreibt die Caritas zum Tag gegen Kinderarbeit.

Gefährliche Orte und Sklavenarbeit

Eines von zehn Kindern arbeitet an gefährlichen Orten wie Steinbrüchen oder kommerziellen Plantagen. Viele sind zur Sklavenarbeit gezwungen: "Sie werden als Zwangsarbeiter missbrauch, zur Prostitution gezwungen, als Kindersoldaten in Milizen eingezogen oder im Drogenhandel eingesetzt", so die Caritas.

Am meisten Kinder arbeiten in der Landwirtschaft, in der Industrie oder in organisierten Bettelorganisationen in den Stadtgebieten. Egal ob Buben oder Mädchen: bei der Ausbeutung von Kindern werde kein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht.

Auch in Industriestaaten

Dabei ist Kinderarbeit auch in den westlichen Industriestaaten nicht vollständig ausgemerzt. Laut einer Studie von „Save the Children“ müssen in Italien derzeit 260.000 Minderjährige zwischen sieben und 15 Jahren arbeiten, weil es in der Familie oder in der Schule Probleme gibt, oder weil sie selbst für sich sorgen müssen. 

Not und Hunger seien die Hauptursachen dafür, dass Kinder ausgebeutet werden, so die Caritas. Sie müssten mithelfen, ihre Familien zu ernähren. Viele Eltern hätten selbst nie eine Schule besucht und wüssten nicht, wie wertvoll Bildung für die Zukunft ihrer Kinder sein kann.

Kein Geld: keine Bildung

Wenn die Buben und Mädchen einer Volksminderheit angehören, komme zur Armut auch noch sprachliche Hürden dazu, die ihnen den Schulbesuch erschweren.

 Viele Familien haben auch nicht die nötigen finanziellen Mittel, um ihren Kinder den Schulbesuch zu ermöglichen.

Skrupellose Unternehmer nützen diese Not zu gerne aus, denn Kinder sind gefügige Arbeiter, kosten weniger, lassen sich ohne Widerstand ausbeuten und sind geschickt und schnell, wenn es kleine, flinke Finger braucht.

 „Kinderarbeit ist eine Folge der Armut und sie produziert weitere Not. Viele Kinder, die arbeiten müssen, können die Schule nicht besuchen, bekommen deshalb als Erwachsene nur schlecht bezahlte Jobs und müssen dann ihrerseits ihre Kinder zur Arbeit schicken, um die Familie durchzubringen. Aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ist schwierig“, gibt Fabio Molon, der Verantwortliche der Caritas-Auslandsarbeit zu bedenken.

Umso wichtiger sei es, die Lebensbedingungen der Familien zu verbessern, damit ihre Kinder die Schule besuchen können und neue Chancen für die Zukunft bekommen.

Kinderpatenschaften helfen

Die Südtiroler Caritas nimmt den Tag gegen die Kinderarbeit zum Anlass, um sich bei allen Kinderpatinnen und -paten im Land zu bedanken, die Projekte in Brasilien, Bolivien, Eritrea, Kenia und Mazedonien unterstützen.

Vor allem in Kenia und Mazedonien werden dadurch jedes Jahr hunderte von Kindern vor Ausbeutung und Sklavenarbeit auf den Müllhalden und Straßen von Nairobi und Skopje bewahrt.

 „Mit ihrer Unterstützung haben Sie bisher über 3.500 Kindern eine stabile Kindheit, ausreichende Nahrung, Gesundheitsversorgung und Schulbildung geschenkt und die Lebensbedingungen ihrer Familien verbessert“, bedanken sich die beiden Caritas-Direktoren Franz Kripp und Paolo Valente. 

stol

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