Donnerstag, 03. September 2015

Das Getöse um die Kuhglocke

Schadet sie den Tieren? Stört sie das friedvolle Bild der Berglandschaft? Die Kuhglocke hat in den vergangenen Wochen erneut für Diskussionen in der Schweiz und in Bayern gesorgt. Was sagt Südtirol?

Badge Local

Während ein Gericht in Bayern zugunsten eines genervten Nachbarn eine Weidehaltung untersagt hat, bei der die Tiere von 19 bis 7 Uhr näher als 100 Meter von dem Grundstück des Klägers Glocken tragen, will eine Tierschützerin in der Schweiz Gerechtigkeit für die Tiere: Sie empfindet die Glocken als „Qual für die Kühe“.

Unsinn, wenn man den Obmann des Südtiroler Bauernbundes Leo Tiefenthaler fragt. „Gerade in der Schweiz gehören die Kuhglocken sowohl optisch als auch akustisch zum Landschaftsbild dazu. Käse, Berge, und Kuhglocken sind das, was das Land ausmacht“, erklärt er im Gespräch mit STOL.

Sicher könne es vorkommen, dass sich manche an dem Läuten der Glocken stören. „Es hat ja auch immer wieder Leute gegeben, die sich über die Kirchenglocken aufgeregt haben. Solcherlei Streitereien gibt es seit Jahrhunderten. Aber es kann nicht sein, dass etwas, das bereits so lange besteht, weg muss, weil sich mal einer daran stört.“

In Südtirol gebe es keinerlei Diskussionen dieser Art, so Tiefenthaler weiter. „Es hat schon Streitereien deswegen gegeben, aber momentan ist alles ruhig. Ich hoffe, dass es so bleibt.“

„Kühe tragen die Glocken mit Stolz“

Tiefenthalers Stellvertreter im Bauernbund, Viktor Peintner, weiß, wie wichtig die Kuhglocken für einen Almbetrieb sind.

„Ich bin seit über 35 Jahren Landwirt und habe selbst sieben Kühe auf der Alm, von denen drei eine Glocke tragen. Diese sind sowohl für die Kühe selbst als auch für den Bauern eine große Hilfe: Die Glocken sorgen einerseits dafür, dass die Tiere bei der Herde bleiben oder zu ihr zurückfinden, wenn sich eine Kuh verlaufen hat. Und auch der Bauer kann anhand der Glocken einschätzen, wo seine Kühe sind. Dadurch, dass die Glocken alle anders klingen, weiß er auch aus der Ferne, ob das jetzt seine Kühe sind oder jene vom Nachbarn“, erklärt der Stellvertreter.

Dass das laute Gebimmel der Glocken den Kühen schade, hält der Landwirt für Unsinn: „Früher haben sich die Kühe darüber gefreut, wenn sie die Glocken umgeschnallt bekamen. Sie waren stolz darauf und betrachteten sich als Leitkuh. Wenn ich die Kühe also aus dem Stall gelassen habe, kamen die Trägerinnen von ganz alleine her, um sich ihre Glocken zu holen.“ 

Externen Inhalt öffnen

stol/liz

stol