Mittwoch, 02. August 2017

Das Impfdekret ist Gesetz: Alle Fakten

Am 28. Juli wurde das umstrittene Impfdekret im römischen Parlament definitiv beschlossen. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat nun alle Fakten zusammengefasst.

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Foto: © shutterstock

Der definitive Gesetzestext, der noch auf die Veröffentlichung in der Gazzetta Ufficiale wartet, sieht folgende Pflichtimpfungen für Minderjährige von 0-16 Jahren und minderjährige Unbegleitete vor:

Den 2017 Geborenen müssen alle 10 (nicht mehr 12) Impfungen verabreicht werden.

Den zwischen 2001 und 2016 Geborenen müssen jene Impfungen verabreicht werden, die vom Impfkalender für das jeweilige Jahr vorgesehen sind (also 9 Pflichtimpfungen, Windpocken sind für diese Jahrgänge nicht Pflicht).

  1. Kinderlähmung
  2. Diphtherie
  3. Tetanus
  4. Hepatitis B
  5. Keuchhusten
  6. Haemophilusinfluenzae B
  7. Masern
  8. Röteln
  9. Mumps
  10. Windpocken

Für die letzten vier ist eine Revision im Dreijahreszeitraum vorgesehen, sie können aufgrund von epidemiologischen Daten und erreichte Durchimpfung abgeändert werden.

Von den Regionen und Autonomen Provinzen werden außerdem weitere Impfungen empfohlen und gratis angeboten:

  • Meningokokken B
  • Meningokokken C
  • Pneumokokken
  • Rotavirus

Die Pflichtimpfungen sind gratis. 

Diejenigen, die bisher alle Pflicht- und empfohlenen Impfungen laut Impfkalender absolviert haben, haben auch laut neuem Impfgesetz alle gemacht.

Insgesamt müssen ca. 30.000 Kinder Impfungen nachholen, ein großer Teil der Kinder in Südtirol hat bereits alle Impfungen.

Voraussetzung für Kinderhort und Kindergarten

Die Einhaltung der Impfvorschriften ist eine Voraussetzung für die Aufnahme in den Kindergarten und Kinderhort (für Kinder von 0 bis 6 Jahren). Für das Schuljahr 2017-2018 werden spezifische Übergangsbestimmungen vorgesehen.

Die Eltern erhalten vom Südtiroler Sanitätsbetrieb ein Informationsschreiben, das

  • als Bestätigung gilt, dass das Kind alle Pflichtimpfungen bereits hat oder
  • als Bestätigung, dass das Kind im Laufe des Schuljahres für die ausständigen Impfungen vorgemerkt ist.

Dieses Schreiben muss im Kindergarten oder Kinderhort bis zum 10. September abgegeben werden, damit das Kind diesen besuchen darf.

Der Zugang zur Grundschule und den weiteren Schulstufen ist für alle Kinder und Jugendliche möglich, nachdem es sich um ein verfassungsmäßiges Recht handelt. Das Informationsschreiben muss aber auch in der Schule bis 31. Oktober abgegeben werden, um Verwaltungsstrafen zu vermeiden.

Sollten ausständige Impfungen während des Schuljahres nicht nachgeholt werden, entstehen Geldstrafen zwischen 100 und 500 Euro für alle Kinder zwischen 0 und 16 Jahren. 

Die Maßnahme zielt darauf ab, den allmählichen Rückgang der Impfungen seit 2013 entgegenzutreten. Dies hatte dazu geführt, dass die durchschnittliche Impfrate unter 95 Prozent gesunken ist.

Das ist die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Schwelle der so genannten „Herdenimmunität“, die indirekt auch jene schützt, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können.

stol

stol