<b>von Markus Perwanger</b><BR /><BR /><BR />Er war clever – und reich: Franz Anton Pock, später „von“ Pock. Das Palais, das er am Bozner Musterplatz von 1759 bis 1765 gebaut hat, sollte ein Hotel für die Reichen und Schönen seiner Zeit werden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1358157_image" /></div> <BR /><BR />Das hatte seinen Grund, denn die Bozner Gasthöfe waren bis dahin mehr schlecht als recht für vornehme Gäste geeignet, wenngleich, zugegeben, der Gasthof „Zur Sonne“ am Obstplatz von vielen Besuchern angesteuert wurde, von Vater und Sohn Mozart zum Beispiel, von Prominenz aus dem Wiener Kaiserhaus und von namhaften Dichtern und Denkern.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1358160_image" /></div> <BR /><BR />Franz Anton Pock war das alles zu wenig. Er ahnte, dass von betuchten Gästen auch was auf den Besitzer abfärben würde – und tatsächlich: Bereits nach sechs Jahren Bauzeit konnte Pock bereits den „Römischen König“ Joseph II. in seiner Nobelherberge begrüßen. Ob und wie viel für die Übernachtung bezahlt wurde, ist nicht belegt, aber an der Hausfront zur linken Seite des Eingangs erfährt man, dass der „Augustus“, seine Majestät, hier war und dass er sich rundum wohlgefühlt habe.<BR />Nur wenige Wochen später, im August 1765, wird Joseph II. Kaiser und Mitregent seiner Mutter Maria Theresia – das nur nebenbei.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1358163_image" /></div> <h3> Ein Kriegsgewinnler?</h3>Franz Anton Pock lebte von 1704 bis 1779, er stammte aus einfachen Verhältnissen, arbeitete sich jedoch empor und kam als gewiefter Kaufmann zu einem Vermögen. Man munkelte in der Stadt, dass er durch die Schlesischen Kriege ab 1740 reich geworden sei, ein Kriegsgewinnler, der mit den Truppen Habsburgs gute Geschäfte machte.<BR />Warum er geadelt wurde, weiß man nicht, offenbar hatte er Beziehungen zu den Machthabern in Wien. So gesehen, könnte das Palais am Musterplatz auch etwas mit schlechtem Gewissen zu tun haben. Pock spricht jedenfalls von einer „Zier für die Bürgerschaft“ und einem Gebäude, das aus Liebe zum Nächsten entstanden sei.<BR /><BR /><BR />Auf dem Marmorrelief an der Ecke zur Mustergasse präsentiert sich der „Mercator Bulsanensis“ stolz mit Perücke und Medaille an dicker Kette samt Konterfei des Kaisers.<BR /><BR />Pock hatte privat, also familiär, weniger Erfolg, er stirbt kinderlos; sein Vermögen wird geteilt, das Unternehmen geht an seinen Buchhalter, Franz Silbernagl, das Hotel an den Feinfärber Abraham Nagele.<BR />Er erlebte es nicht mehr, wie 1782 Papst Pius VI. in den „Blauen Bock“ einzog, oder später, 1820, Kaiser Franz I.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1358166_image" /></div> <BR /><BR />1804-1805 wird im Garten des Palais in Richtung Pfarrkirche ein Theater gebaut, riesig, es fasste über 600 Zuschauerinnen und Zuschauer und hatte 33 Logen, doch angesichts schwieriger Zeiten war nach rund 100 Jahren Schluss.