Am Karsamstag findet in der Grabeskirche von Jerusalem eine geheimnisvolle, mehr als 1600 Jahre zurückreichende Zeremonie statt: die „Liturgie des Heiligen Feuers“. <BR /><BR />Die Zeremonie, bei der nach dem Volksglauben eine Flamme auf wundersame Weise aus dem Grab Christi hervorgeht, markiert den Höhepunkt der orthodoxen Osterfeiern in der Heiligen Stadt. Das „Heilige Feuer“ wird später per Flugzeug in viele Hauptstädte orthodoxer Länder überbracht.<BR /><BR />Wie der dänische Theologe Niels Christian Hvidt betont, ist die Liturgie wohl die älteste, unverändert praktizierte christliche Zeremonie der Welt. Die Liturgie soll manchen Quellen zufolge auf das 4. Jahrhundert zurückgehen, andere Quellen geben das 8. Jahrhundert an. Um das Jahr 1000 entstanden erste Berichte über eine wundersame Herabkunft des Heiligen Feuers.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="886454_image" /></div> <BR /><BR />Die Vorfeier beginnt am Vormittag mit liturgischen Gesängen in der Kirche. Um 13 Uhr bahnt sich dann eine Delegation israelischer Beamter ihren Weg durch die Massen. Obwohl diese Beamten keine Christen sind, gehören sie fest zur Zeremonie. Ihre Anwesenheit symbolisiert die Römer aus der Zeit Jesu, die das Grab Jesu versiegelt hatten, damit die Jünger seinen Leichnam nicht stehlen und behaupten konnten, er sei auferstanden.<BR /><BR />In dieser Tradition ist es heute Aufgabe der israelischen Machthaber, das Grab mit Wachs zu versiegeln. Bevor sie dies tun, kontrollieren sie, ob sich eine versteckte Flamme in der Kapelle befindet, an der der Patriarch seine Kerzen entzünden könnte.<BR /><BR />Um 13.45 Uhr betritt der orthodoxe Patriarch von Jerusalem die Kirche. Er wird entkleidet, bis er nur noch von einem weißen Gewand umhüllt ist. Sämtliche Lichter in der Kirche sind erloschen. Einzig verbleibende Lichtquelle ist das Sonnenlicht, das durch die Glaskuppel dringt. Mit 2 großen, nicht brennenden Wachskerzen betritt der Patriarch allein die Grabkammer und kommt wenig später mit brennenden Kerzen wieder heraus. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="886457_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Dem dänischen Theologen Hvidt war es gelungen, den im Jahr 2000 verstorbenen griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Diodoros I., in den späten 1990er Jahren zu den Vorgängen zu befragen. Er zitierte ihn im „Flensburger Tageblatt“: „Vor dem Grab spreche ich mehrere Gebete, und dann warte ich. Manchmal kann es ein paar Minuten dauern, aber meistens ereignet sich das Wunder sofort: Von genau dem Stein, an dem Jesus lag, geht ein undefinierbares Licht aus. Seine Grundfarbe ist blau, aber es hat viele Nuancen, vor allem rötliche. Mit menschlichen Worten lässt es sich nicht beschreiben.“<BR /><BR />Das Licht sei von ganz anderer Beschaffenheit als gewöhnliches Licht in Öllampen, so Patriarch Diodorus: „Irgendwann sammelt sich das Licht in einer Säule und ändert seine Beschaffenheit so, dass ich daran meine Kerzen entzünden kann.“<BR /><BR />Die gewichtigsten Argumente gegen einen vermeintlichen Schwindel sind nach Ansicht des dänischen Theologen die Zeugnisse der vielen Pilger, die beschrieben hätten, wie sie das bläulich-rötliche Licht außerhalb des Grabes gesehen hatten und wie es von sich aus Kerzen der Gläubigen entzündete. Mehrfach sei überliefert, dass die Öllampen in der Kirche von selbst zu leuchten begannen.<BR />