+ von Hanno Hannes<BR /><BR />So weit heraufgewagt wie Patrick Planer hat sich kaum ein Winzer in Südtirol. Auf 965 Metern pflanzte er über dem Tierser Tal Blauburgunder. Aus diesen Trauben entsteht sein bester Wein. Doch als er sich für das Nachbargrundstück interessierte, sah er sich plötzlich in Konkurrenz mit finanzstarken Winzern aus dem Unterland.<BR /><BR />Als Patrick Planer im Jahr 2012 auf einer ehemaligen Viehweide 965 Meter über dem Meer in der Völser Aicha Blauburgunderreben pflanzte, hat er erst einmal nur Spott geerntet. „Auf dieser Höhe hat Wein nichts verloren“ und „Da wird’s nur saure Trauben geben“, waren typische Reaktionen. <BR /><BR />Jetzt kommt er mit seinem Lagenwein „Flatsch“, Jahrgang 2018, auf den Markt. Und alle Kritiker von damals müssen, wenn sie ehrlich sind, für immer verstummen. Denn dieser im Angesicht des Rosengartens gewachsene Blauburgunder ist einerseits aromatisch dicht und sehr konzentriert, andererseits aber elegant, mineralisch, frisch und vor allem enorm trinkig.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1068657_image" /></div> <BR /><BR />Der „Flatsch“ ist benannt nach dem Flurnamen der ehemaligen Viehweide. Als Lagenwein gibt es ihn nur in guten Jahren. „2016, 2018, 2019, 2020 und 2023 waren solche guten Jahre“, zählt der 42-jährige Patrick Planer auf. In den übrigen Jahren landet der „Flatsch“ im Basisblauburgunder des Winzers, gibt diesem zusätzliche Frische. Doch die „guten Jahre“ kommen immer häufiger, verursacht durch den Klimawandel. <h3> Geographische Reserve gegen den Klimawandel</h3>Im Gegensatz zu den meisten anderen Weinanbaugebieten der Welt hat Südtirol angesichts des Klimawandels einen Vorteil: kühlere Höhenlagen. Doch immer mehr Winzer wollen diese geografische Reserve nutzen. Waren lange Zeit Franz Haas mit Blauburgunder, Tiefenbrunner mit dem Müller-Thurgau „Feldmarschall“ und eben Patrick Planer die teilweise belächelten Ausnahmen, so werden mittlerweile auch geeignete Parzellen in der Höhe knapp. Denn längst nicht jede Höhenlage ist geeignet: der Boden muss stimmen, Südausrichtung ist wichtig und auch Schutz vor kalten Winden ist ein Kriterium. <BR /><BR />Bei der „Flatsch“ trifft das alles zu. Patrick Planer greift in die Erde, zeigt zwei Handvoll seines Bodens. Lehm und weißer Stein, Brocken vom Dolomit der benachbarten Berge prägen den Wein, auch wenn sich Schlern und Rosengarten an diesem Tag hinter Wolken verstecken und selbst die nahe Völseggspitze kaum zu sehen ist. „Karge, steinige Böden bringen kleinere, aber konzentriertere Beeren“, erklärt der Winzer. Kargheit ist hier kein Nachteil – zumindest, wenn es bei der Weinlese nicht um Masse, sondern um Qualität geht. <h3> Stetige Verlagerung in die Höhe zu erkennen</h3>Barbara Raifer schreibt in dem bei Athesia neu erschienenen Buch „Wein in Südtirol“: „Bei Blauburgunder ist wie bei keiner anderen Sorte in Südtirol eine stetige Verlagerung in die Höhe zu erkennen“. In einer Grafik wird als optimale Anbauhöhe für diese Rebsorte ein Bereich von 300 bis 700 Metern über dem Meeresspiegel angegeben. Da liegt Patrick Planer mit seiner „Flatsch“ zwar deutlich drüber, mit den restlichen Lagen seines Prackfolerhofes zwischen 500 und 600 Metern aber voll in diesem Bereich.<BR /><BR />Diesen Höhentrend haben mittlerweile einige Südtiroler Winzer erkannt. So kam es, dass sich bei der Versteigerung der Nachbarweiden der „Flatsch“ einer der Weinbauern aus dem Unterland durchsetzen konnte. Obwohl er derjenige ist, der diese Höhenlage entdeckt und erprobt hat, konnte Patrick Planer einfach nicht mehr mitbieten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1068660_image" /></div> <BR /><BR />„Der Quadratmeterpreis hat sich verdreifacht in den vergangenen 20 Jahren“, berichtet er. Früher habe es im Tierser Tal mehr Weinbau gegeben. An diese Tradition will er anknüpfen. „Ich sehe halt ganz viel Potenzial für Lagenweine speziell in der Völser Aicha“, sagt er. <h3> Erste Erfolge mit Sauvignon Blanc</h3>Der jetzt 42-jährige Patrick Planer ist nach einer Tischlerlehre mit 18 Jahren Weinbauer geworden, als er den Hof von seinem Großvater übernommen hat. Mittlerweile produziert er auf dem Prackfolerhof rund 40.000 Flaschen im Jahr und ist speziell für seinen Sauvignon Blanc und seinen Blauburgunder bekannt und auch ausgezeichnet worden. <BR /><BR />Aufgrund einer alten Geschäftsbeziehung verkauft er immer noch einen Teil seiner Sauvignon-Trauben vom Weinberg „Rachtl“ an die Kellerei Tiefenbrunner nach Kurtatsch. Deren Sauvignon Blanc „Rachtl“ ist jetzt von der Schweizer Weinzeitung unter die 30 besten Sauvignon Blancs der Welt gewählt worden.<BR /><BR /> Auch der Winzer aus Völser Aicha hat seinen Anteil an diesem Erfolg. In Kleinauflage bringt er jetzt einen eigenen „Rachtl“ heraus, der eine für Sauvignon Blanc ungewöhnliche Konzentration und vor allem Mineralität aufweist.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1068663_image" /></div> <BR /><BR />Wie hoch kann der Weinbau in Südtirol noch klettern? Franz Haas hat in Aldein auf 1100 Metern Blauburgunder gepflanzt, Wolfgang Tratter, Kellermeister von „Arunda“ im 1200 Meter hoch gelegenen Mölten, kann sich vorstellen, dass in seinem Heimatort künftig ebenfalls Wein angebaut wird. „Ich glaube schon, dass 1000 Meter eine Grenzlage sind, um kontinuierlich Qualität zu produzieren“, sagt Patrick Planer, der bislang erste und einzige Winzer, der sich im Tierser Tal dieser Marke angenähert hat.<h3>Prackfoler Hof</h3>Der im Jahr 2000 von Patrick Planer im Alter von 18 Jahren übernommene Prackfoler Hof befindet sich bei Völser Aicha auf der Sonnenseite des Tierser Tals auf 600 Meter Höhe. Er liegt am Oachner Höfeweg durch die Völser Aicha. Unterhalb des Hofes liegen die Rebanlagen in einem amphitheaterähnlichen Kessel.<BR /><BR />Seit 2013 füllt Planer seine Eigenbauweine offiziell mit dem Etikett „Weinhof Prackfol“ ab. Bereits 2017 machte er bei einer internationalen Sauvignon-Verkostung der Schweizer Fachzeitschrift „Vinum“ mit seinem Sauvignon den ersten Platz. Auch sein Pinot Noir ist bei den Blauburgunder-Tagen in Montan bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Außer diesen beiden Rebsorten baut Patrick Planer auch noch Chardonnay, Weißburgunder und Vernatsch an.