Die Freude ist groß in Latzfons: Nach 5 Jahren hat die Pfarrei mit Michael Lezuo wieder einen eigenen Pfarrer. Vor wenigen Tagen hatte der gebürtige Eppaner dort seinen Einstand. <BR /><BR />Es ist ein verregneter Morgen, auch in dem sonst so sonnenverwöhnten Latzfons. Kein Grund zur schlechten Laune für Pfarrer Michael Lezuo, der den Besuch bereits erwartet. Es sind dies die ersten Tage von Lezuo in seiner neuen Pfarrei. Am 1. September übersiedelte der 32-Jährige von Mals nach Latzfons: „Aufgewacht bin ich noch in Mals, zu Bett gegangen bin ich dann schon in Latzfons“, bringt er es mit einem Lachen auf den Punkt. 2 Tage später bereitete ihm die Pfarrgemeinde Latzfons ein Willkommensfest, das, so Lezuo, an Herzlichkeit und Festlichkeit nicht zu überbieten gewesen sei. <BR /><BR />Nun beginnt für ihn nach 4 Jahren, in denen er als Kooperator in Sterzing und Mals Erfahrungen sammeln konnte, die Arbeit als Pfarrer. <BR />Im Interview spricht Lezuo über seinen Berufungsweg, seinen Draht zu jungen Leuten und die Erwartungshaltung anderer und seiner ganz persönlichen. <BR /><BR /><b>Als es hieß, Sie kämen nach Latzfons, was ging Ihnen da durch den Kopf?</b><BR />Michael Lezuo: Latzfons spielt interessanterweise in meiner Berufungsgeschichte eine besondere Rolle: Auf dem Weg zum Latzfonser Kreuz erzählte ich das erste Mal jemandem – es war der damalige Seelsorger von Perdonig, Peter Giacomelli –, dass ich Priester werden möchte. Es war ein bewusstes Ja zu einem Weg, zu dem ich mich – innerlich – schon eine ganze Weile aufgemacht hatte. Von dem her ist das Latzfonser Kreuz auch ein bisschen mein ganz persönlicher Wallfahrtsort. <BR /><BR /><b>In Latzfons erwarten Sie fleißige Kirchgänger ..</b><BR />Lezuo: Ja, das stimmt wohl. Das Pfarrleben ist rege, auch wenn es seit 5 Jahren keinen fixen Pfarrer mehr in Latzfons gab. Überhaupt bin ich beeindruckt und froh über das starke Vereinsleben und den Zusammenhalt im Dorf. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="808571_image" /></div> <BR /><b>Die Erwartungshaltungen an Sie als Pfarrer dürften aber auch da sein..</b><BR />Lezuo: Das mag sein, aber ich denke, die Leute sind vor allem froh wieder einen eigenen Pfarrer zu haben. Manche Erwartungen kann ich erfüllen, andere nicht. Nach einer ersten Eingewöhnungsphase werden wir mit dem Pfarrgemeinderat Ziele abstecken und Projekte starten. Es geht darum weiterzuführen, was da ist – und missionarisch tätig zu sein. Das ist vor allem die Erwartungshaltung, die ich mir gegenüber habe. <BR /><b><BR /><div class="img-embed"><embed id="808574_image" /></div> <BR />Was meinen Sie damit?</b><BR />Lezuo: Mission bedeutet für mich, in Kontakt mit den Menschen zu treten, es geht dabei zuallererst um Beziehungsarbeit. Nach diesem ersten Schritt können wir über den Glauben sprechen. Der Pfarrer sollte wie ein Gärtner arbeiten. Als Kind wollte ich übrigens Gärtner werden. <BR /><BR /><b>Ist man als Pfarrer – gerade auch in Ihrem Alter – nicht mitunter einsam?</b><BR />Lezuo: Einsam kann man auch sein, wenn man ständig unter Leuten ist. Ich lebe hier momentan allein im Pfarrhaus, bin aber ein geselliger Mensch, lache gerne. Auch ich habe gute Freunde und Personen, die mir wichtig sind. Diese Kontakte werde ich weiter pflegen. Es stimmt: Ich habe Gott – aber ich brauche auch die Menschen. <BR /><BR /><b>Während Ihrer Studienzeit lebten Sie eine Zeit lang mit suchtkranken Jugendlichen in Pavia. Wie kamen Sie zurecht?</b><BR />Lezuo: Die Jugendlichen haben mich akzeptiert als einen von ihnen. Ich bin als Mensch recht unkompliziert, manchmal ein bisschen verrückt (lacht). Ich durfte ein Stück Wegstecke mit ihnen gehen. Das war schon sehr besonders als Erfahrung. Generell denke ich, dass junge Menschen uns Priestern gegenüber jede Menge Fragen hätten – die sie dann auch stellen, wenn sie die Gelegenheit haben. So ist es mir erst kürzlich gegangen. Und ich bin froh über diesen Austausch.<BR /><BR /><b>Sie sind einer der wenigen sehr jungen Priester in der Diözese. Wie fühlt sich das an?</b><BR />Lezuo: Nun, sagen wir es so: Wir sind nicht wie die letzten Geigenspieler auf der Titanic, die kurz vor ihrem Untergang steht. Als Priester sollen wir Hoffnungsträger sein, gerade auch in schwierigen Zeiten. Jesus hat schließlich auch den Tod besiegt. <BR /><BR />Zur Person: <BR /><BR /><b>Michael Lezuo</b><BR /><BR />Latzfons/Brixen. Pfarrer Michael Lezuo ist 32 Jahre jung, stammt aus Perdonig in der Gemeinde Eppan und ist der Jüngere von 2 Buben der Familie. Lezuo wuchs in einer Mesnerfamilie auf, als Jugendlicher wurde er Ministrant. Nach der Matura am Humanistischen Gymnasium Walther von der Vogelweide in Bozen studierte er Theologie in Brixen. Darüber hinaus absolvierte Lezuo Praktika bei der Caritas und begleitete rund 6 Monate lang drogensüchtigen Jugendlichen in Pavia. 2018 wurde Michael Lezuo von Bischof Muser zum Priester geweiht. In den vergangenen 4 Jahren waren war er als Kooperator in den Pfarreien von Sterzing und Mals tätig. Seit dem 1. September ist Michael Lezuo Pfarrer von Latzfons und Pfarrseelsorger von Feldthurns. <BR /><BR /><BR />