Montag, 21. März 2016

Das sind die 5 wichtigsten "letzten Dinge" bevor Sie sterben

Mitten im Leben an den Tod zu denken, kommt vielen nicht in den Sinn. Doch wie sollen Ärzte im Fall des Falles reagieren, was sollen Angehörige wissen und was möchte man ihnen noch mit auf den Weg geben? Damit sollen sich die Menschen schon zu Lebzeiten befassen, rät die Caritas-Hospizbewegung und hat nach dem Motto: "Wie will ich meine Spuren hinterlassen? - das geistige Testament" eine Anleitung für die fünf wichtigsten "letzten Dinge" erstellt.

Das soll nach meinem Tod so sein: Menschen sollten sich und ihren Angehörigen einen Leitfaden machen.
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Das soll nach meinem Tod so sein: Menschen sollten sich und ihren Angehörigen einen Leitfaden machen. - Foto: © shutterstock

Zugegeben: Niemand denkt gerne an den Tod - weder den von Angehörigen und von Freunden, noch den eigenen. Und doch: Ist der Fall eingetreten, stellen sich viele Frage, die die Angehörigen zur eigentlichen Trauer auch noch belasten. Dinge, an die man im Vorfeld gar nicht bedenkt, aber die nicht erst mit der Trauerfeier akut werden. 
Das reicht von: Will ich lebensverlängernde Maßnahmen - eine Organspende? - über: Wie soll die Beerdigung aussehen? - bis: Welche Abbos sind zu kündigen? 

Ganz im Sinne des Betreffenden handeln

Seine letzten Dinge schon zu Lebzeiten zu regeln, bringt Vorteile für die Angehörigen, aber auch für sich selbst: Wichtige Entscheidungen können so ganz im Sinne des Dahinscheidenden oder Verstorbenen getroffen werden. Das Wissen darum ist sicher beruhigend - für einen selbst und die Angehörigen. 

Doch nicht immer weiß man, wie man dies angehen soll. „Wir stellen immer wieder fest, dass sich Betroffene und Angehörige oft nicht trauen, offen über den nahenden Abschied, den Tod oder das Danach zu sprechen. Dabei ist es für alle von Vorteil, wenn gerade diese letzten Dinge geregelt und mitgeteilt werden“, sagt Caritas-Direktor Franz Kripp.

Der Leitfaden: eine Sammelmappe "Meins für Euch"

Aus diesem Grund hat die Caritas Hospizbewegung die Mappe „Meins für Euch“ erstellt. Es sind die Gedanken, Wünsche, Vorstellungen und Willensbekundungen jedes einzelnen, die er im Falle seines Ablebens denjenigen hinterlassen möchte, die ihm besonders nahestehen.
Damit tun sich diese leichter, notwendige Entscheidungen im Sinne des Sterbenden oder Verstorbenen zu treffen. Und: „Wenn ich meine Wünsche und Vorstellungen für mein Lebensende und danach festhalte, kann mich das sehr entlasten. Ich habe nicht das Gefühl, etwas nicht erledigt zu haben, sondern ich kann beruhigt mit dem Wissen leben, dass ich alles Wichtige mitgeteilt habe", so Günther Rederlechner, der Leiter der Caritas Hospizbewegung. 

Der Leitfaden der Caritas-Hospizbewegung kann helfen. - Foto: Caritas

Diese fünf Themenbereiche haben sich dabei als die wichtigsten „letzten Dinge“ herausgestellt: 

1) Meine gesundheitliche und soziale Vorsorge

Wer sich rechtzeitig um seine gesundheitliche und soziale Vorsorge kümmert, kann – sollte er einmal nicht mehr einwilligungs-, urteils- oder kommunikationsfähig sein ¬- doch selbst bestimmen, wie er im Fall von Krankheit, Alter oder am Beginn des Sterbeprozesses behandelt oder gepflegt werden möchte. Die soziale Vorsorge kann beispielsweise darin bestehen, dass man diese Vorstellungen mit einer Person des Vertrauens abspricht und diese mit der Umsetzung beauftragt.
 Auch die Patientenverfügung ist ein geeignetes Instrument, die eigenen Wünsche bezüglich medizinischer Behandlung oder Nichtbehandlung mitzuteilen, selbstverständlich im Rahmen der ethisch vertretbaren Grenzen. Die Patientenverfügung schützt damit die Rechte und Würde eines jeden einzelnen. 

2) Meine Erbschaft und mein Testament

Das eigene Testament zu verfassen, stellt meist keine leichte Aufgabe dar. Dieses Themenheft führt Interessierte in diese heikle Thematik ein und begleitet sie Schritt für Schritt bei der Erstellung eines Testamentes. Wer sich mit seinem Testament auseinandersetzt, muss sich gleichzeitig natürlich auch mit seinem Lebensende auseinandersetzen, den eigenen Wünschen und denen seiner Familie und der familiären Situation.
Auch muss er sich mit der Frage beschäftigen, wie ein gültiges Testament gestaltet sein muss, was natürlich im Idealfall mit einer Rechtsberatung einhergeht. Es ist nie zu früh seine Erbfolge nieder zu schreiben und sie dadurch zu regeln. Dies zeugt von verantwortungsvollem Handeln, sich und seinen Hinterbliebenen gegenüber. Mit einem Testament kann zudem sichergestellt werden, dass im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen die eigenen Wünsche über den Tod hinaus respektiert werden. Auch kann man so besser möglichen Zerwürfnissen innerhalb der Familie entgegen wirken. 

3) Meine letzten bürokratischen Angelegenheiten regeln

Dieses Themenheft bietet eine Hilfestellung bei der Regelung der bürokratischen Angelegenheiten am Lebensende. Zurückbleibende sind oft überfordert und wissen wenig über die verschiedenen bürokratischen Abläufe und Hürden. Damit es den Angehörigen neben ihrer Trauer etwas leichter fällt, bestimmte Dinge zu regeln, werden auch in diesem Themenheft Tipps und Anleitungen gegeben, wie gerade bürokratische Angelegenheiten erledigt werden können. 
Einiges davon kann persönlich noch zu Lebzeiten in die Wege geleitet werden. Die Broschüre gibt aber auch einen notwendigen Überblick darüber, was in den ersten Tagen nach dem Ableben bzw. welche in den darauffolgenden Tagen, Wochen und Monaten danach zu erledigen sind.

4) Meine Verabschiedung

Auch die Zeit des Abschiednehmens kann und soll geplant werden. Das hilft den Betroffenen meist genauso wie den Zurückbleibenden. Dieses Themenheft hilft dabei, dieses Abschiednehmen besser zu gestalten. Es ermutigt zur persönlichen Auseinandersetzung sowie zu Gesprächen mit nahestehenden Personen. Dabei geht es um verschiedene Aspekte bzw. Themen, von der Frage nach dem Ort, wo jemand sterben möchte bis hin zur letzten Ruhestätte. Jeder kann für sich schon zu Lebzeiten festlegen, wie die Verabschiedung stattfinden soll, mit welchen Ritualen, die Art der Aufbahrung und Bestattung.
Selbst das Verfassen der eigenen Todesanzeige und das Kundtun der eigenen Vorstellungen von der Trauerfeier kann für manche ein Bedürfnis ein, es Ihren Angehörigen noch zu Lebzeiten abzunehmen bzw. ihnen mitzuteilen. Auf diese Weise kann der Betroffene noch viel mehr persönliche Spuren hinterlassen. 

5) Meine persönlichen Spuren

Erinnerungen, Erlebnissen, Geschichten aus dem eigenen Leben – all das ist weg, wenn sie nicht aufgeschrieben oder an andere weitergegeben wurden. Manche Gedanken, Anliegen, Wünsche bzw. Botschaften sind einem so wichtig, dass man sie über das eigene Leben hinaus gestalten und erhalten möchte. Dieses Themenheft bietet daher Platz für besondere Erinnerungsstücke, CDs, Fotos, Briefe und anderes mehr. 
Damit kann jemand über den Tod hinaus ganz besondere Zeichen setzen und persönliche Spuren hinterlassen.

Die Mappe ist ab sofort in allen Büros der Caritas Hospizbewegung (Bozen, Bruneck, Brixen, Meran und Schlanders) gegen eine freiwillige Spende erhältlich. Für Interessierte werden auch kostenlose Informationsveranstaltungen oder Beratungen angeboten.

stol/ker

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Der Themenbereich Erbschaft/Testament wurde gemeinsam mit der Notariatskammer erarbeitet, welche die Caritas Hospizbewegung unterstützt, indem sie erste kostenlose Beratungsgespräche anbietet. „Der Beistand eines Notares garantiert eine höhere Rechtssicherheit. Anfechtungsgründe und Fälschungsvorwürfe werden dadurch erschwert“, sagte Walter Crepaz, Präsident der Südtiroler Notariatskammer bei der Vorstellung. Es sei nie zu früh, seine Erbfolge niederzuschreiben, im Gegenteil, das zeuge von hohem Verantwortungsgefühl sich selbst und seinen Hinterbliebenen gegenüber. 

stol