Ob Wanderer, Skitourengeher oder Kletterer – immer wieder geraten Menschen, die in den Bergen unterwegs sind in Not. Während das <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/drama-im-ortlergebiet-eines-der-schwersten-lawinenungluecke-seit-jahren" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Unglück an der Vertainspitze</a> außergewöhnlich und tragisch war, sind viele Rettungseinsätze laut Christian Knoll, Sprecher der Bergrettung Sulden, vermeidbar. <BR /><BR />Im Gespräch mit s+ spricht er über Verantwortung am Berg, Vorbereitung und die Kunst, rechtzeitig umzudrehen.<BR /><BR /><b>STOL: Herr Knoll, wenn Sie auf Ihre Erfahrung als Bergretter blicken – was sind Ihrer Erfahrung nach die typischen Ursachen, warum es am Berg zu Unfällen kommt?</b><BR />Christian Knoll: Viele unterschätzen die Touren und überschätzen sich selbst. Leider geraten immer wieder Menschen in Gefahr, die eine Tour machen, wo sie einfach nicht hingehören. Genauso erleben wir auch immer wieder den gegenteiligen Fall: Erfahrene und fitte Sportler, die extreme Touren – etwa in Nordwänden – bewältigen und zum Beispiel von herabstürzendem Material getroffen werden. <BR /><BR /><b>STOL: Welche Fehler begegnen Ihnen am häufigsten am Berg?</b><BR />Knoll: Tourengeher holen sich zu wenig Informationen über Wetter, Routenverhältnisse oder Schneelage. Wer das Gebiet nicht kennt, sollte sich unbedingt vorher erkundigen – bei Bergführern, Hüttenwirten oder der Bergrettung. Oft hören wir zum Beispiel in Bezug auf den Ortler-Normalweg die Frage: „Kann man da ganz einfach hochwandern?“ Wer so uninformiert eine Route startet, bringt sich selbst in Gefahr. Wichtig ist auch sich schon im Vorfeld Gedanken über die eigenen Grenzen zu machen: Was traue ich mir zu? Wie weit kann ich gehen? Wo ist mein Limit? Das kann helfen, später kein unnötiges Risiko einzugehen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1234125_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Liegt es also weniger an der Ausrüstung als am Wissen?</b><BR />Knoll: Ganz klar. Heute ist die Ausrüstung technisch hervorragend, aber viele wissen nicht, wie man sie richtig einsetzt. Eine Lawinenausrüstung hilft nur, wenn man weiß, wie sie funktioniert und wenn ich sie bedienen kann. Erfahrung und Wissen sind wichtiger als das modernste Material. <BR /><BR /><b>STOL: Wie kann man selbst besser einschätzen, was man sich zutrauen kann – und wann man lieber umkehren sollte?</b><BR />Knoll: Am besten sammelt man zuerst Erfahrung mit einem Bergführer oder mit Leuten, die sich wirklich auskennen. Schritt für Schritt, langsam steigern. Und man sollte ehrlich zu sich selbst sein: Wie bin ich konditionell drauf? Habe ich genug Erfahrung mit Eis, Schnee, Orientierung, Sicherung? Der Berg bleibt immer stärker – das darf man nie vergessen.<BR /><BR /><b>STOL: Also Respekt vor dem Berg und der Tour...</b><BR /> Knoll: Genau, Respekt vor dem Berg spielt eine große Rolle. Auch wenn man viel unterwegs ist, darf man nie glauben, man habe alles im Griff. Man muss aufmerksam bleiben, die Natur beobachten und seine Grenzen akzeptieren. Freerider etwa die einfach in einen Hang hineinfahren, ohne sich über die Lawinensituation informiert und die Lage vor Ort genau geprüft zu haben, bringen sich schnell in große Gefahr. Wer mit Respekt in die Berge geht, trifft meist vernünftigere Entscheidungen.<BR /><BR /><b>STOL: Viele Menschen entdecken das Hochgebirge gerade erst für sich. Welche Tipps geben Sie Einsteigern?</b><BR />Knoll: Sehr hilfreich ist es im Vorfeld Kurse zu absolvieren – etwa zur Spaltenrettung, zu Schneeprofilen oder Lawinenkunde. So bekommt man ein Gefühl dafür, wie sich Schnee verhält, was gefährlich ist und was nicht oder wie man im Notfall reagieren sollte.<BR /><BR /><b>STOL: Haben sich die Bergsportler in den letzten Jahren verbessert?</b><BR />Knoll: Ja, ich würde sagen schon. Früher hatten wir zum Beispiel deutlich mehr Einsätze am Tabaretta Klettersteig am Ortler, weil sich die Leute zu viel vorgenommen hatten und irgendwann einfach nicht mehr weiter konnten. Heute informieren sich viele besser, es gibt mehr Aufklärung. Die Leute sind vorsichtiger geworden. Natürlich passieren immer wieder tragische Unfälle wie am Wochenende an der Vertainspitze. Aber insgesamt ist das Bewusstsein für Sicherheit gestiegen.